Review: Moonlight

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Eine eindringliche Erinnerung an die Gründe, warum Kino weit mehr kann als uns nur eskapistisch zu unterhalten, präsentiert Regisseur Barry Jenkins in seinem Drama um den Außenseiter Chiron. Der ist als Kind schon von klein auf ausgewähltes Opfer seiner Altersgenossen, lediglich Kumpel Kevin hält zu dem Jungen. In drei Epi­soden vom Kindesalter über die Pubertät bis ins Erwachsenenalter fächert „Moonlight“ das Schicksal Chirons vom schüchternen Buben zum kriminellen Drogendealer auf und legt dabei eine erschütternde Authenzität und emotionale Intensität an den Tag, der man sich nur sehr schwer entziehen kann. Mit Miamis Ghetto Liberty City als Handlungsort und dem Screwed’n’Chopped-Soundtrack von Nicholas Britell ist Jenkins’ Film tief in der erschütternd ausweglosen Tristesse von Floridas Problemviertel verwurzelt, verwebt diese jedoch mit bewegender Romantik, während er gängige Stereotypen konsequent untergräbt. An jenen Stellen, an denen „Moonlight“ dennoch droht in Klischees abzudriften, retten die außergewöhnlich starken Darsteller den Film und erheben ihn zu einer der ersten großen Kinoüberraschungen des Jahres 2017.

9/10

Moonlight
DCM
Start: 09.03.