Review: Little Steven – SOULFIRE

soulfireOhne Springsteen aber mit ganz viel Soulrock, Funk und Nostalgie.

Wäre da nicht seine Festanstellung als Gitarrist in Bruce Sprigsteens E Street Band, man könnte glatt übersehen, dass der Mann aus New Jersey ja eigentlich als Musiker bekannt wurde. Denn zuletzt machte Steven Van Zandt vor allem als Schauspieler von sich reden. Zunächst war da sein Auftritt als Sil bei den Sopranos, dann seine Hauptrolle in der Netflix-Serie Lilyhammer. Jetzt, 18 Jahre nach seiner letzten Platte, kehrt er als Little Steven mit einem Soloalbum zurück. Und fährt dazu ganz groß auf. Bläserfanfaren, Backgroundsängerinnen, jubilierende Orgel, Streicherschmalz und bombastischer Drumsound, alles dabei.

Manchmal wirken die Songs dadurch etwas überladen, der Rocker ›I Saw The Light‹ etwa, der mit mehr Effekt als Substanz daherkommt. Meist macht das alles freilich einen riesen Spaß. Der Titelsong feiert zu funky Gitarre die heilende Kraft der Musik, im unbändig romantischen Soulrock von ›I’m Coming Back‹ heißt es: „I don’t want to live/In a world that’s got no soul.“ Für das James-Brown-Cover ›Down And Out In New York City‹ geht’s in Richtung urbaner Funk, ›The City Weeps Tonight‹ ist zuckersüßer Doo-Wop, ›Blues Is My Business‹, nun ja: Bluesrock. ›Love On The Wrong Side Of Town‹ (mit Springsteen geschrieben) und ›I Don’t Want To Go Home‹ holt sich Van Zandt von Kumpel Southside Johnny zurück, dem er sie in den 70ern überlassen hatte.

SOULFIRE ist im Ganzen ein ungenierter Nostalgie-Trip, der bei den Tempations, den Four Tops, BB King und Phil Spector Halt macht. Es ist eine Hommage an die Musik, die Van Zandt geprägt hat. Eine Rückkehr zu den Wurzeln, die offensichtlich große Freude gemacht hat.

7/10

Little Steven
SOULFIRE
Big Machine Records/Universal