Review: Jon Lord – WINDOWS

jon lordFrisch remastert: das zweite Solowerk des Deep-Purple-Organisten.

Wenn unter dem Motto „Rock meets Classic“ irgendwelche Pop- und Rock-Gassenhauer in symphonisch aufgebrezeltem Gewand präsentiert werden, dann ist das ja bestenfalls ganz nett – Jon Lords Genrekreuzungen waren aber stets von deutlich anderem Kaliber: Für seine Soloalben komponierte Deep Purples Tasten­artist eigene Stücke – hier im Verbund mit Eberhard Schoener –, die er dann mit befreundeten Rock­musikern und großem Orchester inszenierte.

WIN­DOWS wurde am 1. Juni 1974 live vor Publikum im Münchner Her­kulessaal aufgezeichnet. Schoener dirigierte das Orchester der Kammeroper, Lord hatte Kollegen wie Glenn Hughes, David Coverdale, Ray Fenwick, Tony Ashton und Pete York im Schlepptau. Die beiden Stücke des Albums, ›Conti­nuo On B.A.C.H.‹ und das dreiteilige ›Window‹ weisen Lord als wahren Cross­over-Pionier aus, der so mühelos wie dynamisch zwischen Rock, Jazz und Klassik changiert. Was zwangsläufig keine flaue Nebenher-Beschallung hervorbringt, sondern echte Hinhör-Musik – genossen vorzugsweise mit Kopfhörern. Das ist nichts für Puristen. Und rein gar nichts für Leute, deren Klassik-Affinität bei Mozarts Greatest Hits endet. Wer aber gerne über den Tellerrand blickt, ist mit WINDOWS genauso gut bedient wie mit Lords Erstling GEMINI SUITE von 1971.

Noch ein bisschen stringenter geriet der Nachfolger SARABANDE – der als remasterte Edition ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen wird. Grund zur Freude!

7/10

Jon Lord
WINDOWS
EARMUSIC/EDEL