Rückblende: Queen – ›Stone Cold Crazy‹

queenDas Lied, mit dem Queen 1970 in einem Rathaus der Welt  ihre erste Visitenkarte gaben (das jedoch erst für ihr drittes  Album aufgenommen wurde), ist nur knapp über zwei Minuten lang – aber das perfekte Destillat aus allem, was sie so großartig machte.

Ab Anfang der 70er arbeitete Mike Grose drei Jahrzehnte lang für die Spedition der Familie Grose in Saint Austell, Südwestengland. Die meisten Menschen, die dem bescheidenen Mann aus Cornwall heute begegnen, wären überrascht, zu erfahren, dass er mal Bassist bei Queen war. Am Abend des 27. Juni 1970, einem Samstag, spielten der damals 22-jährige Grose, Schlagzeuger Roger Taylor, Gitarrist Brian May und Sänger Fred Bulsara ihr erstes Konzert als Queen in der City Hall in Truro, Cornwall. „Und das erste Lied, das wir spielten, war ›Stone Cold Crazy‹“, wie sich Grose erinnert.

›Stone Cold Crazy‹ wurde zwar nie als Single veröffentlicht, aber es ist die absolute Essenz von Queen in den 70ern: laut, albern, bombastisch und unterhaltsam. Obwohl es erst 1974 auf dem dritten Album SHEER HEART ATTACK erschien, hatte der zukünftige Freddie Mercury es schon geschrieben, bevor die Band überhaupt existierte.

Im Sommer 1969 kämpfte er sich durch das letzte Semester am Ealing Art College und träumte davon, ein Popstar zu werden. Brian May und Roger Taylor kannte er schon über den Kunststudenten Tim Staffell, der mit ihnen beim Trio Smile sang und Bass spielte. Freddie war ihr größter Fan und manchmal auch ihr Roadie. Und er wollte unbedingt ihr Sänger sein. Zwischenzeitlich hatten ihn seine Überredungskünste zum Frontmann einer anderen Band gemacht, obwohl er noch nie auf einer Bühne gestanden hatte: Er trat im August 1969 dem Hardrocktrio Ibex bei. Zwei Monate später, nachdem er Led Zeppelin im Londoner Lyceum gesehen hatte, überredete er Ibex, ihren Namen in das viel härter klingende Wreckage zu ändern. ›Stone Cold Crazy‹ wurde angeblich zu dieser Zeit geschrieben.

Im Mai 1970 meinten es die Götter gut mit Bulsara: Er ersetzte Staffell bei Smile. Sein erster Vorschlag war wieder eine Namensänderung – Queen waren geboren. Taylor wiederum brachte seinen Freund Mike Grose in die Band, der aus Cornwall in die WG der Gruppe in Barnes zog. Grose erinnert sich daran, wie sie in jenem Sommer ›Stone Cold Crazy‹ und andere frühe Queen-Songs im Garten probten. „Das Lied war eine von Freddies verrückten Ideen“, sagte May unlängst. „Aber das Original war viel langsamer.“ Der Gitarrist schlug vor, das bluesige Riff zu beschleunigen, und das Resultat klang ein bisschen wie Led Zeps ›Communication Breakdown‹.

Der Auftritt in der City Hall in Truro war ein Benefizkonzert für das Rote Kreuz in Cornwall, für das Taylors Mutter Winifred Spenden sammelte. Sie hatte Smile gebucht, doch die wenigen Zuschauer, die ihre sieben Shilling und sechs Pence (ca. 50 Cent) zahlten, sahen sich stattdessen mit den frisch gekrönten Queen konfrontiert. Sie trugen zueinander passende schwarze Samthosen und der baldige Freddie Mercury stolzierte über die Bühne, als spiele er im Stadion von Wembley. Sein Posen waren in der Tat besser als sein Gesang. „Er klang wie ein ziemlich kräftig blökendes Schaf“, so Taylor.