Neuauflagen: Lenny Kravitz

If The Nineties Were Sixties:
Es ist erst dann vorbei, wenn es vorbei ist.

Wie facettenreich eklektisch Kravitz die Vergangenheit aufarbeitet und sie wie Gegenwart klingen lässt, unterstreicht 1989 schon eindrucksvoll das Debüt LET LOVE RULE. Doch erst der Nachfolger MAMA SAID zwei Jahre später legt die multitalentierte Vielfalt des Sohns von Fernsehproduzent Seymour Kravitz und Schauspielerin Roxie Roker ebenso selbstverständlich offen wie seinen Hang zu haut- engen Schlaghosen, schnieken Krokostiefeln, knallbunten Sakkos und einer lässig um den Hals geschwungenen Federboa.

Mag MAMA SAID auch zaghaft mit der introspektiven Folk-Ode ›Fields Of Joy‹ starten – die Sly & The Family Stone-Hommage ›Always On The Run‹ mit Slashs Kreissägenriff, die zuckrige Streicheropulenz in der Philly-Soul-Reminiszenz ›It Ain’t Over Til It’s Over‹ oder das balladeske Ray Charles- Gelübde ›Stand By My Wo- man‹ legen nah: Lenny Kravitz zeigt an zeitgemäßen Rock- Trends und Pop-Moden definitiv keinerlei Interesse. Eine Art Anti-Konzept, das er bis zum heutigen Tag ohne Ausnahme erfolgreich durchzieht.

Dass er sich beim Gegenentwurf zum kurzlebigen Rock-Allerlei ebenso ungeniert bei Idolen der Vergangenheit bedient wie Kollege Prince, sei ihm nachgesehen. ›What Goes Around Comes Around‹ tönt mit Falsettgesang und verjazztem Saxofon wie ein Echo von Curtis Mayfield. ›Stop Draggin’ Around‹ nickt in Richtung Jimi Hendrix Experience. Psychedelisch vertrackt an die Flower-Power-Zeit erinnert das Space-Age-Opus ›What The… Are We Saying‹.

Für das digital optimierte Doppelalbum 21st ANNIVER- SARY DELUXE EDITION hält MAMA SAID satte 21 Archivnovitäten bereit, darunter Demos, Instrumentals, Remixe und Konzertmitschnitte.