Das letzte Wort: Manfred Mann

manfred mann's earth band promoVor einem halben Jahrhundert wurde er mit Evergreens wie ›Do Wah Diddy Diddy‹ und ›The Mighty Quinn‹ unsterblich, in den 70ern verhalf er mit seiner Interpretation von ›Blinded By The Light‹ Bruce Springsteen zu dessen einziger Nummer-1-Single in den USA. Ein ausschweifendes Leben als Rockstar hat Manfred Mann dennoch nie interessiert. Mitte Juni tritt der inzwischen 75-jährige Keyboard-Wizard mit südafrikanischen Wurzeln gemeinsam mit seiner Earth Band auf der Loreley in St. Goarshausen und auf dem Festplatz am Viadukt in Bietigheim-Bissingen neben Thin Lizzy und Ritchie Blackmore‘s Rainbow beim Monsters Of Rock auf.

Manfred, was macht dich derzeit als Musiker am glücklichsten?
Ich habe im Moment sehr viel Freude an unseren Konzerten. Wir sind bestimmt nicht die beste Band des Jahrhunderts, aber ich finde es schon bemerkenswert, dass wir immer noch raus gehen können und unter vernünftigen Bedingungen Auftritte haben, bei denen ein Publikum auf uns wartet. Glücklich macht mich auch, dass die Leute nach den Konzerten mit dem Gefühl nach Hause gehen, für ihr Geld etwas geboten bekommen zu haben. Das Einzige, was ich nicht mag, ist das Herumreisen, die vielen Stunden, die ich jeden Tag im Auto sitze.

Dafür spielt ihr immer noch eine Menge Konzerte!
Ja, wir spielen 50 bis 60 Shows pro Jahr. Die anderen Jungs in der Band würden sicher gerne ein bisschen mehr spielen, aber für mich ist das genau die richtige Menge. So kann ich weiter arbeiten, ohne dass mir die Verpflichtungen mein Privatleben ruinieren. Das gefällt mir sehr gut.

Allerdings bist du über die Jahre nicht immer richtig eingeschätzt worden, oder?
Der größte Irrglaube ist sicherlich, dass ich oft für einen ernsten, trübseligen Typen gehalten werde. Frag mal die Jungs in der Band! Für gewöhnlich bin ich es, der die Scherze macht! (lacht) Ich bin ziemlich humorvoll und sehr umgänglich. Trotzdem glauben viele, ich sei ein unglücklicher Mistkerl mit ‘nem Bart und ‘ner fiesen Visage! Natürlich nehme ich meine Arbeit ernst, aber wer tut das nicht? Die größte Fehlannahme in Bezug auf die Earth Band ist, dass wir gut sind. Ich halte uns für eine richtig gute Live-Band, aber unsere Aufnahmen waren eigentlich nie so der Bringer.

Ist das auch der Grund, warum es in den letzten 25 Jahren kaum noch neues Material der Earth Band gegeben hat?
Ja, denn jedes Album ist immer ein echter Kampf. Ich als Arrangeur liefere mich dabei den Sängern aus, mit denen ich zusammenarbeite. Du holst jemanden in die Band und erwartest, dass er jeden Song singen kann, den du ausgesucht hast. Wenn das nicht funktioniert, ist deine komplette Arbeit für die Katz. Davon habe ich inzwischen echt genug. Ich will mir keine Gedanken mehr um Gesang machen, ich bin doch Keyboarder!

Was bedeutet das für deine Zukunft?
Ich habe vor, nur noch ein paar Earth-Band-Nummern zu machen, und dann wollen Mick Rogers und ich ein Keyboard-und-Gitarre-Album aufnehmen, auf dem wir bekannte Songs richtig funky als Instrumentals interpretieren. Wir können sie dann fast so wie das Original spielen, weil sie ohne Gesang ganz automatisch anders klingen.

Du hast Zeit deines Musikerlebens immer einen guten Riecher für Coverversionen gehabt. Was ist für dich das Geheimnis dabei?
Kein Respekt vor dem Original! Man muss ein Stück einfach wieder und wieder selbst spielen, ohne sich dabei noch einmal die ursprüngliche Fassung anzuhören. Wenn man das lange genug macht, kommt am Ende etwas ganz anderes heraus! Das Schöne dabei ist, dass es mir immer möglich sein wird, einen tollen Song von einem großartigen Songwriter aufzuschnappen, ohne selbst Talent zum Schreiben zu besitzen. Beim Spielen kann man sein Niveau aufrechterhalten, Songwriting aber ist ein sehr seltsames Geschenk, das häufig nicht von Dauer ist.

Bist du also gewissermaßen froh, dass du immer auf Coverversionen angewiesen warst?
Nein, wenn ich in den 60ern gewusst hätte, wie lange ich das hier machen würde, hätte ich mich damals mit richtig guten Songwritern zusammengetan, wäre den Rolling Stones beigetreten oder so, anstatt in Bands zu spielen, in denen niemand selbst Lieder schrieb.

Wie möchtest du den Menschen später einmal in Erinnerung bleiben?
Darum mache ich mir keine Gedanken. Natürlich möchte ich, dass mich meine Kinder und Enkel, meine Verwandtschaft und meine Freunde in positiver Erinnerung behalten, aber was der Rest der Welt von mir denkt, hat mich Zeit meines Lebens nie interessiert. Deshalb bin ich ja auch immer Manfred Lubowitz geblieben. Manfred Mann bin ich für die Presse und die Konzerte, aber das bin nicht ich.

Ist das der Grund für deine Langlebigkeit in diesem kurzlebigen Geschäft?
Nein, aber es hat mir geholfen, nicht durchzudrehen. Ich denke, gerade in Zeiten des Misserfolgs ist es gut, wenn es eine strikte Trennung von Beruf und Familie gibt. Dass ich Manfred Mann nie ernst genommen habe, ist der Grund dafür, dass ich stets normal geblieben bin.