Kevin Kostner & Modern West: Offenbach, Capitol

kevin-costner live 2Schauspielern kann Costner, aber auch mehr? Zumindest geht er in der Rolle des Frontmanns auf.

Es gibt wohl keinen Zuschauer im Capitol, der nicht genau wüsste, wer da breitbeinig im Look eines Westernhelden die Bühne betritt. Kevin Costner, der nach dem ersten Song ›Red River‹ dem Publikum in kumpelhafter Plauderlaune erzählen wird, dass er seinen Kinnbart trägt, weil er gerade einen neuen Kinofilm dreht, geht trotzdem auf Nummer sicher: Kein Ende nehmen will der in hastigen Sequen-zen gefertigte Zusammenschnitt von rund zehnminütiger Dauer mit sämtlichen Hol-lywood-Produktionen Costners.

In zahllosen Rollen flimmert der 56 Jahre alte US-Schauspieler über die Leinwand: Ewig ließen sich die Szenen genießen, säße man im Kino oder zuhause auf der Couch. Doch passt der filmische Quer-schnitt wie bei der Oscar-Verleihung fürs Lebenswerk eines in die Jahre gekommenen Superstars, der zuletzt nur in zweitklassigen Filmen agierte, eigentlich nicht in den Rahmen eines Konzerts. Costner frönt in der perfekt einstudierten Rolle des Musikers, wie er beiläufig bemerkt, ei-nem langjährigen Hobby.

Der Kalifornier weiß, was er sich und den zum Teil von weit her angereisten Fans schuldig ist, wenn er im milden Scheinwerferlicht leger in Cowboystiefeln, Jeans, Hemd, Weste und Schal den charmant abgeklärten Country-Interpreten mimt. Wacker bahnt sich der Frauenliebling mit umgehängter Akustikgitarre, die er allerdings in rund 90 Minuten nur zeitweise spielen wird und die wie ein Requisit anmutet, seinen Weg zum Mikrofon. Trotz seiner sechs Mann starken Formation Modern West im Rücken klingt Costners sonorer Gesang allenfalls passabel.

Um etwaige Unpässlichkeiten des weltberühmten Chefs aufzufangen, befinden sich die Gitarristen Teddy Morgan und John Coinman (letzterer verfasst auf Costners drei Alben auch nahezu sämtliche Songs) permanent als mehrstimmige Harmoniesänger im Einsatz. Professionell tönt der Country-Rock-Verschnitt schon, doch authentisches Nashville-Flair sucht man vergebens. Egal! Telly „Kojak“ Savalas’ ›Some Broken Hearts Never Mend‹ war ja auch nur Surrogat, funktionierte aber trotzdem an der Ladentheke.

Nähe schafft Costner mit viel Geplauder, schelmischem Augenzwinkern und ins Publikum geworfenen Handküssen. Weniger über-zeugt das Repertoire: ›90 Miles An Hour‹, ›Indian Summer‹ oder ›Find That Girl‹ klingen wie halbfertig liegengebliebene Aufnahmen der Eagles aus den siebziger Jahren. Schlicht unter die Haut geht aber das düstere ›The Hero‹, Costners Analyse über US-Soldaten, die nach dem Kriegseinsatz traumatisiert sind. Leidenschaft flackert aber nur in den Augen von Geiger Bobby Yang, wenn er manisch den Bogen seiner Fiddle zückt.

Zwei flotte Zugaben noch, ›Saturday Night‹ und ›Superman 14‹, dann fangen die Roadies an, die Anlage wegzuräumen. Kevin Costner hat aber noch nicht genug Tuchfühlung mit dem Publikum verspürt. Mit Glas und Cham­pag­nerflasche im Anschlag stolpert der Hollywood-Beau auf der Bühne umher, singt mit bei der eingespielten Musik aus der Konserve, schreibt Autogramme auf CDs, Fotos, Eintrittskarten, Zettel und Unter-arme. Ein unwirkliches Schauspiel, das sich einbrennt, als wäre man unmittelbarer Zeuge bei einer Naturkatastrophe.