Iggy Pop – Der Steher

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Mit 66 sind die meisten Altrocker schon in Rente, in Vegas oder unter der Erde. Nicht so James Newell Osterberg alias Iggy Pop. Der Urpunk präsentiert sich alterslos, gibt sich betont ehrgeizig und ist unermüdlich unterwegs. Etwa mit den legendären Stooges, die nun ihr zweites Reunion-Album vorlegen, den Verlust von Gitarrist Ron Asheton mit einer interessanten Personalie kompensieren, und – so Iggy gegenüber CLASSIC ROCK – alles andere als READY TO DIE sind.

Iggy, die Stooges haben sich 2003 nach 30 Jahren Trennung reformiert. Gleichzeitig ist der Solokünstler Iggy Pop etwas in den Schatten getreten – fast so, als würde er sich dem Kollektiv unterordnen. Eine bewusste Entscheidung?
Definitiv! Schließlich habe ich alles gemacht, was ich konnte – und mich in einer musikalischen Einbahnstraße bewegt. Zudem wurde mir zum Jahrtausendwechsel bewusst, dass das, was ich auf meinen Platten und bei meinen Konzerten mache, immer mehr an die Stooges erinnert. Aber eben ohne deren Witz und ohne den Feinschliff. Darüber habe ich nachgedacht und dann ein Album namens SKULL RING gemacht, auf dem ich mit diversen Gästen gearbeitet habe. Da habe ich die Stooges halt mit auf die Liste geschrieben. Und als wir gemeinsam an den Stücken gearbeitet haben, spürte ich eine unglaubliche Erleichterung. Ich fühlte mich wohl, wieder unter Leuten zu sein, die ich kenne – kulturell wie auch persönlich. Und die Reaktion der Öffentlichkeit hat ihr Übriges getan. Sie war nämlich unglaublich stark, und das hätte ich nicht erwartet. Ich war regelrecht geschockt. Die Telefone bei meiner Plattenfirma und meinem Management liefen heiß und jeder wollte, dass wir ein Album aufnehmen. Es riefen auch große Produzenten an. Aber wir haben nicht gleich zugeschlagen, sondern uns Zeit gelassen. Und das war eine vernünftige Entscheidung.

Wie war es, Ron und Scott nach all den Jahren anzurufen? Oder seid ihr die ganze Zeit in Kontakt geblieben?
Nur sporadisch. Scott Asheton, der Schlagzeuger, hat mich immer mal wieder angerufen, um eine Reunion einzufädeln. Den Gefallen konnte ich ihm zwar nicht tun, aber ich habe ihn immer sehr gemocht. Mit Ron bin ich dagegen nicht wirklich in Kontakt geblieben, aber ich habe verstanden, warum er es irgendwann aufgegeben hat, zu meinen Gigs zu kommen, wenn ich in der Nähe von Detroit gespielt habe. Einfach, weil es für ihn zu deprimierend gewesen sein muss. Und an seiner Stelle hätte ich wohl genauso gefühlt. Er hat dann sein Ding als lokaler Musiker gemacht und ich habe nicht wirklich viel mit ihm gesprochen. Aber wenn ich es getan habe, war es immer sehr nett. In den 30 Jahren seit unserer Trennung hat wirklich keiner von uns dreien schlecht über die anderen gesprochen. Das ist nicht passiert. Und das wird es auch nicht. Einfach, weil bei uns die Grundvoraussetzungen fehlen, die bei anderen Bands für so viel Hass sorgen. Ich meine, wir haben uns nie um Geld gestritten. Wir hatten auch keine konkurrierenden Manager oder verfeindete Anwälte. Einfach, weil wir nie genug verdient haben, um morgens nicht mehr aufstehen zu müssen. (lacht)