Foo Fighters: „Alles ist gut verheilt“

Foo Fighters Dave Grohl InterviewCONCRETE AND GOLD heißt das neunte Album der Foo Fighters. Wir besuchten Frontmann Dave Grohl in Los Angeles.

Das Hauptquartier der Foo Fighters, Studio 606, ist ein von außen un­­auffälliger Zweckbau in Northridge, einem Viertel im Norden von Los Angeles. Drinnen wird es deutlich imposanter, ein geräumiger Aufenthaltsraum, diverse Flipper und weiterer Spielkram sowie ein prächtig großes Aufnahmestudio künden davon, dass hier eine der erfolgreichsten Rockbands der Welt residiert. Dave Grohl, der Chef der ganzen Un­­ternehmung, bittet ausgerechnet in der Ab­stellkammer zum Interview, die übrigen Räume sind mit den anderen Bandmitgliedern besetzt – so ist er eben, der 48-Jäh­­­­rige. Er trägt inzwischen eine Brille und wird nicht ohne Grund als „nettester Mann im Rock‘n‘Roll“ bezeichnet. „Ich bin sogar gerne hier drin“, sagt Grohl, der einst bei Nirvana trommelte und die Foo Fighters 1995, ein Jahr nach dem Tod Kurt Cobains, ins Leben rief, „es ist richtig gemütlich“.

Dave, du hast dir vor zwei Jahren bei einem Konzert in Schweden das Bein gebrochen. Die darauffolgende Tournee musstest du auf einem Thron sitzend absolvieren. Spürst du noch was von der Verletzung?
Nein, zum Glück nicht. Alles ist wieder gut verheilt. Aber meine Fresse, das war harte Arbeit. Ich habe jeden Tag drei bis vier Stunden Physiotherapie gemacht, die Muskeln waren ja total verkümmert. Mein Arzt meinte, wenn ich mache, was er sagt, dann werde ich wieder rennen, Fußball spielen und hinterm Schlagzeug sitzen können. Wenn nicht, werde ich für den Rest meines Lebens am Stock gehen. Das hat mir mächtig Angst gemacht. Also habe ich meinen Körper echt so lange gequält, bis er wieder wie gewohnt funktionierte.

Und? Klappt es mit dem Fußballspielen wieder?
Wir haben einen Ball dabei, wenn wir unterwegs sind, aber stell dir bitte nicht vor, dass das schön aussieht. Als Kind habe ich Fußball im Team gespielt, ich war aber immer nur der Torwart. Im Feld wollten sie mich nicht. Außerdem war ich in der Lacrosse-Mannschaft.

Ist Lacrosse nicht bloß ein elitärer Sport für versnobte College-Studenten?
Ja, da ist was dran. Aber nicht nur. Wir haben Lacrosse gespielt, wenn in der Fußballsaison gerade Pause war, als eine Art Vor­­bereitung. Es handelt sich dabei ja um eine Art Kreuzung aus Fußball und Feldhockey, ich fand Lacrosse ganz cool. Logisch, dass ich auch beim Lacrosse immer nur der blöde Goalie war. Die Bälle flogen mir mit 200 Stundenkilometern um die Ohren.

Axl Rose hat sich den goldenen Thron nach deiner Genesung ausgeliehen, er hatte sich ebenfalls verletzt. Hat er ihn schon zurückgebracht?
Ja, der Thron ist wieder da. Er steht hier nebenan in einem Lagerraum. Ich hoffe, ich muss ihn so schnell nicht wieder dort rausholen.

Du siehst etwas drahtiger aus als zuletzt. Hast du auch die Ernährung umgestellt?
Dass ich etwas weniger Bauch habe, ist das Verdienst der europäischen Festivals, die wir in diesem Sommer gespielt haben. Abend für Abend drei Stunden laufen und schreien am Stück, du glaubst gar nicht, wie fit das macht. Live-Shows, so anstrengend sie sind, bringen meine Lebensgeister zurück. Wenn ich eine Weile nichts mache, fühle ich mich, als würde ich mich in Zementschuhen durch den Tag schleppen. Am glücklichsten und ausgeglichensten bin ich, wenn ich richtig viel Action habe. Deshalb ist es so schwer für uns, Pausen zu machen.

Dabei hattest du, auch wegen der Strapazen nach der Gipsbeintour, eine mindestens einjährige Pause angekündigt. Daraus ist nichts geworden, oder?
Nein, daraus wurde nichts. Als ich sagte, wir wollten eine Weile nichts machen, war ich kreativ wie leergefegt. Körperlich war es nach dem Beinbruch ohnehin schwierig, aber auch geistig fühlte ich mich absolut nicht frisch. Doch nach sechs Monaten kam die Inspiration ziemlich heftig zurück. Ich setzte mich hin und schrieb. So entstand der Song ›Run‹. Am Anfang konnte ich noch nicht absehen, ob ein Album daraus entsteht, ich trainierte einfach meine kreativen Muskeln. Aber die Dinge nahmen sehr schnell Gestalt an, und ich spürte: Das wird ein richtiges Album.

Und dann hast du eine Rundmail ge­­schickt und die Bandkollegen zur Arbeit beordert?
So ungefähr, ja. Die Fluttore hatten sich geöffnet, und ich wusste, ich kann und will das nicht zurückhalten. Es ist eine knifflige Entscheidung, die Band zusammenzutrommeln. Denn wenn du die große Maschine erst einmal anschmeißt, gibt es kein Zurück mehr, dann gerät alles in Bewegung und du musst aus dem Weg gehen, sonst wirst du überrannt. Deshalb haben wir das Al­­bum in aller Heimlichkeit aufgenommen, ohne Druck und Erwartungen von außen. Erst als es fertig war, haben wir den Leuten davon erzählt.