Die wahren 100 besten Alben der 70er (Top 20)

Hier sind sie, die Top 20 der wahren 100 besten Alben der 70er. Geschafft haben das unter anderem Van Halen, Alice Cooper, Iggy Pop und AC/DC.

20-halen20 VAN HALEN 2
Van Halen
WARNER, 1979
Wie toppt man ein Debüt, das allgemein als Klassiker gilt? Gar nicht. Van Halen hatten dieses Problem, weshalb ihr Zweitling als Enttäuschung angesehen wurde. Doch wenn man die ganzen Superlative über den Vorgänger ausklammert, war dies dennoch eine gute Platte. Eigentlich etablierte es sogar den VH-Stil, denn die Band fühlte sich hier sehr wohl in ihrer Haut. Stücke wie ›Dance The Night Away‹ und ›Light Up The Sky‹ waren knackig und selbstbewusst, und über die gesamte Länge war eine charismatische Breitbeinigkeit zu hören.
Malcolm Dome

Zeitzeugen:
„Nach fast einem ganzen sorgfältigen Hördurchlauf bin ich absolut überzeugt, dass Van Halen die halbe Nacht wach gewesen sein müssen, um diese Platte zu machen.“ Rolling Stone

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19-iggy19 THE IDIOT
Iggy Pop
RCA, 1977
Taktisch geschickt nach seinem eigenen LOW veröffentlicht, hatte David Bowie tatsächlich zuerst angefangen, Iggy Pops Solodebüt zu produzieren. So gesehen ist THE IDIOT also der Beginn von Bowies Berlin-Phase. Dementsprechend ist es auch voll dunkler, gothischer Erhabenheit. Die Welt lernte hier einen neuen Iggy kennen: Bowie ermutigte ihn, seine tieferen Stimmlagen zu erkunden, und seine schallenden Gesänge akzentuierten die unverwechselbar europäischen Klanglandschaften, die den Hansa Studios entwichen. Im Jahr des Punk war dies der Sound der Zukunft.
Ian Fortnum

Zeitzeugen:
„Dies ist kein giftiger Punkrock wie etwa RAW POWER aus dem Jahr 1973. Dies ist Zombie-Rock – mit Herz.“ Creem

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18-lynuyrd18 SECOND HELPING
Lynyrd Skynyrd
MCA, 1974
Auf ihrem Debüt gab es das epische ›Free Bird‹, auch bekannt als das ›Stairway To Heaven‹ des Southern Rock. Beim Nachfolger versuchten Lynyrd Skynyrd erst gar nicht, es zu toppen. Sie fanden einfach ihren Groove mit ›Sweet Home Alabama‹ und blieben dort – ein Song, der sich als genauso prägend für sie erweisen sollte wie ›Free Bird‹. Aber auf SECOND HELPING gab es genauso viele Juwelen, von erdigem Hardrock wie ›Working For MCA‹ (eine beißende Kritik am Musikbusiness) zum tiefenentspannten Blues von ›The Ballad Of Curtis Loew‹.
Paul Elliott

Zeitzeugen:
„Diese Band hat das Können, die Jugend und das Selbstbewusstsein, um die Dinge noch sehr lange auf ihre eigenen Art zu tun.“ Crawdaddy!

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17-zztop17 DEGÜELLO
ZZ Top
WARNER BROS, 1979
1977 zogen sich ZZ Top ganze zwei Jahre lang aus der Öffentlichkeit zurück – eine Ewigkeit in einer Zeit, als die großen Rockacts in einem jährlichen Album/Tour-Zyklus gefangen waren. Das Mysterium um das texanische Trio verdichtete sich, als Gitarrist Billy Gibbons und Bassist Dusty Hill mit 30 cm langen Bärten zurückkehrten. Ihr Comeback DEGÜELLO war das Warten jedenfalls wert: funky Rock‘n‘Roll, Blues und Southern Soul, die Exaltiertheit von Captain Beefheart auf ›Manic Mechanic‹, und das enthusiastische Hupen auf dem freudigen ›She Loves My Automobile‹. Auch wenn der Titel warnte „Keine Gnade“, ist dies doch ZZs wärmstes, beseeltestes Album.
Paul Elliott

Zeitzeugen:
„Autos, Mädchen und Blues. Sie sind immer noch ein Powertrio. Und sie haben einen Draht zur Masse.“ Creem

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16-faces16 A NOD IS AS GOOD AS A WINK… TO A BLIND HORSE
The Faces
WARNER, 1971
Leider war dies, der größte Moment der Faces auf Platte, der Anfang vom Ende. Die Band hatte es endlich geschafft, die bluesige Jovialität ihrer Konzerte ins Studio zu übertragen, und lieferte unwiderstehliche Leckerbissen wie ›Miss Judy‘s Farm‹ und das gewissermaßen prophetische ›Last Orders Please‹ ab. Am besten waren Ronnie Lanes wunderschöne Ballade ›Debris‹ und das wilde ›Stay With Me‹, das ihnen zu ihrem ersten Hit verhalf. Nur leider wurde das alles überschattet von Rod Stewarts aufblühender Solokarriere – ›Maggie May‹ hatte nur wenige Wochen zuvor Platz 1 der britischen Charts erreicht.
Rob Hughes

Zeitzeugen:
„Bei A NOD… geht es um Entertainment, Ficken, Feiern, Nostalgie und das Konzept von Spaß als solchem.“ Creem

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15-buzzcocks15 SINGLES GOING STEADY
Buzzcocks
IRS, 1979
Ursprünglich nur für einen US-Re­­lease zusammengestellt, verkaufte sich das Album als Import gut genug in Großbritannien, um dort schließlich 1981 offiziell von United Artists veröffentlicht zu werden – kurz nach der Auflösung der Band aus Lancashire. Und es floppte, obwohl sich hier intensiv fokussierte, vor Liebeskummer vergehende Punk-Pop-Songs fanden. Wenn die Pistols und The Clash für die Wut ihrer Zeit standen, brachten die Buzzcocks durch Pete Shelleys gewitzte, leidvolle Texte die (verdrehte, verhinderte) Romantik mit. Laserscharfe Beobachtungen wie ›What Do I Get?‹ und ›I Don‘t Mind‹ brachten perfekt auf den Punkt, wie es ist, sich in jemanden zu verlieben, von dem man besser die Finger lassen sollte.
Chris Roberts

Zeitzeugen:
„Diese Platte als wunderbar zu bezeichnen, würde diesen Jungs nicht gerecht. Schnell, witzig und denkwürdig.“ Melody Maker

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14-genesis14 A TRICK OF THE TAIL
Genesis
CHARISMA, 1975
Viele glaubten, Peter Gabriels Ausstieg würde das Ende für Genesis bedeuten, doch sie kamen auch ohne ihn bestens klar. Phil Collins übernahm den Posten des Frontmanns. Das war ein bisschen, als hätte der Kaminkehrer die Hauptrolle in einer Schultheater-Produktion bekommen. Doch das Ergebnis ist mehr als charmant und Songs wie ›Squonk‹ ›Entangled‹ und diverse andere wehmütige Stücke über Kindheitsträume und Liebeleien glänzen mit tollen Refrains. Dies war der Klang von Genesis, die langsam ihren Weg in die Realität finden.
Mark Blake

Zeitzeugen:
„Ist es künstlerisch wertvoll? Keine Ahnung. Aber Genesis-Fans werden A TRICK OF THE TAIL lieben.“ NME

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13-alice13 KILLER
Alice Cooper
WARNER, 1971
Nach vier Alben lernten Alice Cooper (die Band), wie man kommerzielle Instinkte in ihre Horrormasche wob, ohne ihre Seltsamkeit oder düstere Stimmung zu beeinträchtigen. ›Under My Wheels‹ und ›Be My Lover‹ führten sie in eine schockierte Hitliste, aber KILLER baute mit dem kontroversen ›Dead Babies‹ auf einen wachsenden Ruf für Makabres auf – obwohl der Song eigentlich als Aufforderung an Eltern gedacht war, sich besser um ihren Nachwuchs zu kümmern. Die Garage-Rock-Wurzeln wurden hingegen mit ›You Drive Me Nervous‹ und ›Yeah, Yeah, Yeah‹ gepflegt.
Dave Ling

Zeitzeugen:
„Eine starke und wichtige Band, die noch sehr, sehr lange dabei sein wird.“ Rolling Stone

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12-bush12 THE KICK INSIDE
Kate Bush
EMI, 1978
Mit dem eröffnenden Walgesang, einem Haufen literarischer Referenzen und diesem unheimlichen Purzelbaum von einer Stimme awar das Debüt der 19-jährigen Kate Bush schwer zu ignorieren (vor allem nachdem sie mit ›Wuthering Heights‹ die erste selbstverfasste UK-Nr.-1 einer Frau überhaupt gelandet hatte). Bevor die Erbsenzähler und Image-Berater den Fuß in der Tür hatten („Ich hatte Glück, mich in diesem Maße ausdrücken zu können“, erinnerte sie sich später), klang das kunstvolle Gebräu auf THE KICK INSIDE unglaublich frei. Doch so sehr ihre Fans es auch lieben, steht es doch in weit weniger Regalen als HOUNDS OF LOVE von 1985.
Henry Yates

Zeitzeugen:
„Eine verblüffende Platte. Wo sie einerseits bemitleidenswert gekünstelt klingt, merkt man andererseits, dass hier ein Talent ist, das sich freischwimmen will.“ NME

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11-tele11 MARQUEE MOON
Television
ELEKTRA, 1977
Nach HORSES von Patti Smith und dem Debüt der Ramones war dies die erste Platte aus New Yorks CBGB-Explosion, die sowohl von den Kritikern gelobt, als auch zum kommerziellen Erfolg wurde. Tom Verlaine und Richard Lloyd, stark beeinflusst von ekstatischem Jazz, französischen Dichtern und Jam-Bands von der Westküste, bildeten eine umwerfende Doppel-Gitarrenspitze, die auf dem monumentalen Titelstück besonders gut zur Geltung kam. Wunderschöne Reflexionen wie ›Venus De Milo‹ sorgten für subtile Elemente neben kratzigen Live-Faves wie ›Friction‹. Leider verschwand die Band nach dem unterbewerteten ADVENTURE von 1978 in ihrem eigenen Mythos.
Kris Needs

Zeitzeugen:
„Ein Album für alle, egal welche musikalischen Vorlieben oder Eigenheiten sie pflegen … leidenschaftlich, vollblütig, erstaunlich gut gemacht, genial konzipiert und absolut zugänglich.“ NME
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