Das letzte Wort: Francis Rossi (Status Quo)

Status Quo Cropredy 09_photo credit Christie GoodwinSeit rund 50 Jahren ist Francis Rossi nun mit Status Quo unterwegs. Demnächst werden die Boogierock-Legenden für fünf Konzerte in Deutschland vorbeischauen – und dabei zusammen mit Uriah Heep auf dem Tollwood-Festival in München Station machen. Wir haben mit Rossi darüber geredet, wie es ihm hierzulande gefällt. Außerdem spricht der Sänger über seine Angst vor Live-Shows, seinen Kreativpartner Rick Parfitt, über das Älterwerden und darüber, was ihn auch heute noch antreibt.

Ab Juni wirst du mit Status Quo in Deutschland zu Gast sein. Freust du dich schon?
Ich freue mich immer auf Deutschland – was für einen Engländer ja nicht selbstverständlich ist. Ich kaufe dort viel Kleidung, bei Peek & Cloppenburg oder Kaufhof. Meine Shirts sind von da, meine Stiefel, meine Jacke. Ich esse gerne bei euch, ich fahre BMW. Tausend schöne Erinnerungen an großartiges Essen, fantastische Zeiten und gute Freunde verbinden mich mit Deutschland. I’m almost „deutsch“.

Bist du noch nervös vor deinen Auftritten?
Nein, nein, nervös bin ich nicht. Ich habe Angst. Schon seit ich jung war, und es wird immer schlimmer. Ich habe Angst, dass etwas falsch laufen könnte. Denn wenn du dabei vor Tausenden von Leuten stehst, fühlst du dich wie ein verdammter Idiot. Dann ist die Bühne der schlimmste Ort auf der Welt. Die Zeit dehnt sich aus, wird länger und länger und länger.

Ihr seid jetzt fast 50 Jahre aktiv. Was ist das Geheimnis eurer Beständigkeit?
Auch wir haben oft gestritten, unsere ursprüngliche Formation besteht nicht mehr. Vor gut zwei Jahren haben wir uns kurzzeitig wiedervereinigt, als Frantic Four. Und es stellte sich schnell heraus, dass es nicht funktionieren würde. Als wir Status Quo gegründet haben, hieß es: Gemeinsam gegen die Welt! Dann kam der Erfolg, und jeder in der Gruppe dachte, er sei dafür verantwortlich. Drogen und Alkohol kamen daher, viel Geld. Wir hatten uns verändert, wir waren keine Jungs mehr. Wir waren Erwachsene, mit Verpflichtungen und Kindern.

Aber mit Rick Parfitt bist du immer noch zusammen…
Wir haben erst kürzlich darüber gesprochen, dass wir nicht mehr so viel miteinander reden wie früher. Und es stimmt. Aber wir sind über 60 Jahre alt und verschieden. Rick ist sehr extrovertiert, ich nicht. Rick ist sehr Gucci-Ferrucci-Louis-Vuitton, ich nicht. Ich erinnere mich daran, als wir das Video zu Live Aid gemacht haben. Rick geht ganz nach vorne, sieht Sting, stößt Sting zur Seite und setzt sich neben ihn. Mich siehst du irgendwo ganz hinten rumstehen. Wir sind zwei völlig verschiedene Menschen, aber vielleicht ist das der Grund, warum es funktioniert.

Welche Musik hörst du derzeit so?
Keine… Na ja, Muse höre ich zurzeit, viel Country. Ansonsten ist Pavarotti mein Favorit. Aber ich suche nicht mehr nach Musik, ich mag es, wenn sie mich trifft. Deshalb schalte ich gelegentlich das Radio an. Und plötzlich höre ich etwas und denke: Verdammt, das ist großartig. Wie die neue Single von Mika. Ich mag Mika nicht so sehr, aber dieser Song ist fantastisch. Bei den Pet Shop Boys ist es dasselbe. Wir hatten mal Streit mit ihnen, ich sollte sie hassen. Aber wann immer ›It’s A Sin‹ im Autoradio läuft, muss ich anhalten und zuhören. Ich sollte sagen: Das gefällt mir nicht, weil es das falsche Genre ist. Aber ich mag es einfach. Manche Leute haben diese Freude an Musik nicht. Sie sind zu festgefahren.

Du bist jetzt Mitte 60. Stört dich dein Alter eigentlich?
Manchmal schon, manchmal nicht. Aber wenn man nicht alt wird, heißt das, dass man tot ist. Meine erste Frau hat mal gesagt, wir sollten ausgelöscht werden, wenn wir 32 sind. Jetzt ist sie 70. Sie will nicht mehr ausgelöscht werden. Man sollte also nicht über das Alter schimpfen. Plötzlich bist du selbst alt und fühlst dich ganz wohl dabei. Mick Jagger ist schon 70. Verrückt. Manchmal denke ich, wir sehen lächerlich aus. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, fühle ich mich gut. Ein Glück, dass ich mir dann nicht zuschauen muss. (lacht)

Wie hältst du dich fit?
Ich habe einen Fitnesstrainer für fünf Tage die Woche. Und auch wenn er nicht da ist, mache ich was. Nicht mehr so viel wie früher, aber immer noch Liegestütze und Crunches. Es ist gut für mein Ego, dass ich schlank bin. Ich bin einer der Menschen, die nicht dick werden wollen. Ich tue alles, um meinen Bauch flach zu halten.

Was sind deine Hobbys neben der Musik?
Schwierige Frage. Ich löse viele Kreuzworträtsel, an Weihnachten puzzle ich gerne. Ich verbringe auch viel Zeit mit Gartenarbeit. Mein Bruder wohnt auf dem Land, er hat das Feld neben seinem Haus gepachtet. Wir gehen dort spazieren, er kümmert sich um seine Bäume. Dort vergesse ich alles, was mit der Arbeit zu tun hat. Generell bin ich viel zu Hause, ich bin ein sehr langweiliger Mann, ganz im Ernst. Aber glücklich dabei. (lacht)

Von Rockmusikern wird eigentlich erwartet, wild und rebellisch zu sein…
Das ist nur ein Klischee. Geh raus auf die Straße, und wenn du einen siehst, der betrunken ist, Frauen belästigt und für Ärger sorgt, dann sagst du: verdammtes Arschloch. Aber aus irgendeinem Grund ist es Rockmusikern offenbar erlaubt, all das zu tun. Doch es ist nicht wild, sondern einfach unhöflich und idiotisch. Ich sage nicht, dass ich kein Teil davon war, aber es ist Bullshit.

Welche Musiker haben dich am meisten beeinflusst in deiner Karriere?
Die Everly Brothers, Little Richard, die frühen Fleetwood Mac, Stan Webb’s Chicken Shack, Rory Gallagher und Jeff Lynne.

Wenn du kein Musiker geworden wärst, was dann?
Ein Arschloch. (lacht) Nein, keine Ahnung. Meine Familie stammt aus Italien, ich bin mit dem Verkauf von Eiscreme aufgewachsen. Wahrscheinlich wäre ich in unserem Familienunternehmen geblieben.

Du hast mit Status Quo Millionen Alben verkauft. Hast du noch Ziele?
Noch mehr Platten zu verkaufen. (lacht) Es gibt dieses Bild von einem Esel, dem sie eine Karotte vor die Nase halten, damit er vorwärts geht. Ich jage diese Karotte, seit ich zwölf bin. Ich habe genug erreicht, aber dennoch das Gefühl, die Karotte noch nicht erwischt zu haben. Vielleicht erreiche ich sie einmal und denke: Verdammt, das hättest du nicht tun sollen. Aber irgendwas treibt einen doch immer an.