Das letzte Wort: Andy Scott (The Sweet)

 

In den siebziger Jahren waren sie eine der größten Bands des Planeten, mit Hits wie ›The Ballroom Blitz‹, ›Teenage Rampage‹, ›Block Buster‹, ›Fox On The Run‹ und ›Hell Raiser‹ regierten sie die Charts und trugen den Glam Rock in die große weite Welt. Zu Kritikerlieblingen wurden sie damit nie, doch auch 40 Jahre später haben Sweet eine äußerst treue Gefolgschaft, die ihnen volle Hallen beschert. Frontmann Andy Scott reflektiert über Langlebigkeit, Medienzynismus und die Zukunft.

Trotz aller möglichen Hindernisse, Höhen, Tiefen und Tragödien hat die Band nun über vier Jahrzehnte auf dem Buckel. Was ist euer Geheimnis für diese lange Karriere?
Das ist nicht wirklich ein Geheimnis, aber ich glaube, dass nur das Publikum bestimmt, ob eine Band lange existiert oder nicht. Mit der Zeit werden natürlich immer weniger Originalmitglieder der Bands aus den sechziger und siebziger Jahren übrig sein. Aber meiner Meinung nach ist das kein Problem. So lange Sweet immer noch wie Sweet klingen, wird das Touren durch verschiedene Länder, das Auftreten bei Konzerten und Festivals und das Veröffentlichen neuer Platten immer noch ein großer Teil unserer Zukunft sein.

Manche Medien bezeichnen eine Band, die länger keinen Mainstream-Hit mehr hatte, aber immer noch tourt und dankbaren Fans die Klassiker bringt, herablassend als „Nostalgie-Act“. Wieso glaubst du, dass es so eine negative Reaktion darauf gibt, vor Tausenden Menschen zu spielen und sie glücklich zu machen?
Ich habe schon länger keine Negativität seitens der Medien mehr mitbekommen, aber wenn es das immer noch gibt, ist es ihr Problem, nichts meins oder das des Publikums, das bei solchen Events eine gute Zeit hat – „nostalgisch“ oder nicht.

Hat es dich in den siebziger Jahren jemals gestört, dass Kritiker eure Musik als Wegwerf-Bubblegum-Pop bezeichnet haben? Und empfindest du es als einen Akt von ausgleichender Gerechtigkeit, dass ihr immer noch da seid und eure Musik die Zeit überdauert hat?
Du hast absolut Recht – die Musik von Sweet hat die Zeit überdauert, also ist es sinnlos, sich mit Dingen zu befassen, über die man keine Kontrolle hat. Und wenn es Kritiker gibt, die das immer noch glauben sollten und die Band schlecht machen wollen, dann wünsche ich ihnen viel Glück, denn ich habe keinerlei Absicht, aufzuhören. Wir sollten noch einige Jahre dabei sein. Das einzige, was konstant ist in dieser Welt, ist die Veränderung.

Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, was ist die eine Sache, die du gerne anders gemacht hättest?
Du kannst ein Spiegelei nicht wieder roh machen, also kannst du nichts ändern, außer du hast eine Zeitmaschine!

Können wir nach NEW YORK CONNECTION damit rechnen, in absehbarer Zeit komplett neues Material von Sweet zu hören?
Wir arbeiten gerade genau daran. Ich weiß nicht, ob ich noch einen großartigen Song in mir habe, aber ich will es absolut versuchen. Es kann sicher nicht schlimmer sein als einige Sachen, die ich in letzter Zeit gehört habe. Oder vielleicht doch?

Nachdem du schon so lange Musik machst, woher beziehst du heute noch Inspiration?
Meine Inspiration für die Live-Shows ist, dass so viele Leute kommen und sehen wollen, wie wir all die alten und auch die neuen Stücke spielen. Ich bin stolz darauf, eine Band zu haben, die nach den Regeln spielt, wenn es darum geht, die alten Stücke zu bringen. Das kann man falsch machen oder richtig machen, und das unterscheidet uns von anderen Bands.

In eurer Biografie auf der Website steht: „Sweet sind ein nationaler Schatz, britisch durch und durch“. Dabei wart ihr in Deutschland erfolgreicher und eure Musik wird weltweit geliebt. Wie wichtig ist in dieser zunehmend grenzenlosen Welt sich vermischender Kulturen und angleichender Geschmäcker nationale Identität für euch und wie haben sich die Tourneen durch die Welt darauf ausgewirkt?
Diese „Britishness“ ist uns wichtig, auch wenn Deutschland für uns einer der besten Märkte ist. Zum Glück gefällt unsere Musik einem großen Publikum, wir können Pop, Rock, Progressive sein – was auch immer es ist, es ist immer noch Sweet. Die Tatsache, dass wir Briten sind, hat mehr mit musikalischer Identität zu tun als mit Hurra-Patriotismus.

Und wieso glaubst du, dass das europäische Festland empfänglicher für Sweet war und ist als Großbritannien?
Wenn es eine Antwort auf diese Frage gäbe, würden es alle tun.

In welchen Ländern macht das Touren am meisten Spaß?
Wenn du auf Tour und weg von zu Hause bist, werden gewisse Dinge wichtig. Wenn man sich gut um die Band kümmert, mit guten Hotels, stressfreiem Reisen und guter Verpflegung, kann es überall Spaß machen. Aber wenn ich wirklich ehrlich sein soll, dann sind Deutschland – unsere zweite Heimat – und Australien die Länder, auf die meine Wahl fallen würde.

Was ist das Wichtigste, was du in einem bald halben Jahrhundert im Musikbusiness gelernt hast?
Nichts wird mich je wieder überraschen. Technologischer Fortschritt bedeutet nicht notwendigerweise eine Verbesserung, und manche Gitarren lassen sich immer noch nicht ordentlich stimmen.