Bruce Springsteen – THE ALBUM COLLECTION VOL. 1 1973-1984

Bruce SpringsteenDer unaufhaltsame Aufstieg des Bruce Springsteen in den Rock-Olymp.

Welchen Tsunami er damit auslösen sollte, konnte der Bostoner Rockkritiker Jon Landau seinerzeit nicht ahnen: Rezensierte er 1974 in der Zeitung „The Real Paper“ doch ein Konzert des damals noch nahezu unbekannten Bruce Springsteen samt E Street Band im Harvard Square Theater in folgender überschwänglicher Superlative: „I saw rock and roll future, and its name is Bruce Springsteen“. Für Landau gestaltete sich die visionäre Prophezeiung im Nachhinein als überaus lukrativ: Avancierte der Schreiberling doch binnen Kurzem zu Springsteens Manager, Produzenten, Vertrauten, ja Intimus, der fortan seinen Schützling zu Willens war und ihn schließlich mit Nachdruck in den Weltruhm geleitete. Ohne Jon Landaus Einfluss, Inspiration, Dominanz und Willensstärke in entscheidender Phase wäre wohl auch nicht die digital von Bob Ludwig und Toby Scott optimierte wie chronologisch kompilierte CD-Sammlung THE ALBUM COLLECTION VOL. 1 1973-1984 mit den ersten sieben Alben von The Boss Jahrzehnte später auf den Weg gekommen. Denn mit Landaus an Phil Spectors Wall-Of-Sound angelehnten Produktionsstil von BORN TO RUN landete die Truppe 1975 dank prosaisch getexteter und druckvoll instrumentierter Klassiker wie ›Jungleland‹, ›Thunder Road‹, ›She’s The One‹ sowie, nicht zu vergessen, dem mächtigem Titelsong, erst den nationalen, dann den internationalen Durchbruch. BORN TO RUN war bereits der dritte Kreativoutput von Springsteens E Street Band. Gerne unterschätzt oder gleich auch ganz unterschlagen werden im umfangreichen Songkanon die von Springsteens erstem Manager Mike Appel und Jim Cretecos in schäbigen Studios produzierten Früh-werke GREETINGS FROM ASBURY PARK, N.J. und THE WILD, THE INNOCENT AND THE E STREET SHUFFLE, beide 1973 binnen neun Monate erschienen. Durchaus versiert integrierte der in jener Phase noch als Geheimtipp gehandelte Springsteen Folk, Rock, Jazz und R & B in sein Konzept. Als Songwriter erntete er erste Meriten, als Manfred Mann’s Earthband Bob Dylans Songs vorerst beiseite legte, um mit eigenwilligen Versionen der Gassenhauer ›Spirits In The Night‹ und ›Blinded By The Light‹ Springsteens Name in Europa populär zu machen. Ebenfalls für Zuspruch sorgten The Hollies mit ihrer Version von ›4th Of July, Asbury Park (Sandy)‹. Auch David Bowie entdeckte das Talent aus New Jersey schon recht früh, nahm eindrucksvolle Versionen von ›Growin‘ Up‹ und ›It’s Hard To Be A Saint In The City‹ auf, als er den Übergang vom Glam Rock zum Soul meisterte, doch leider blieb das ausgezeichnete Material seinerzeit unveröffentlicht. Drei Jahre sollte es dauern, bis Landau Springsteen aus frühem Vertragswirrwarr zumindest einigermaßen befreit hatte. Mit DARKNESS ON THE EDGE OF TOWN zementierte der mittlerweile als Dylan-Nachfolger gehandelte Charismatiker seinen Status 1978 in genialen Handstreichen wie ›Badlands‹ ›Adam Raised A Cain‹ und ›Streets Of Fire‹. Signalisierte aber auch, dass er es nicht unbedingt darauf anlegte, den kommerziellen Erfolg des Vorgängers zu wiederholen. Springsteens Stärken lagen schon in jener Ära bei konstanter Tourerei in bis zu vierstündigen Mammutkonzerten, die er mit ›Prove It All Night‹ unterstrich, obwohl der Song dann doch die sexuelle Standfestigkeit eines Protagonisten thematisierte, der die Gelüste einer umtriebigen Dame befriedigte. Als „US-Rezessionsreflektion“ empfahl sich 1980 die Doppel-LP THE RIVER, das erste Werk Springsteens, das sich auf Platz 1 der US-Charts positionierte und neben weiteren Auskopplungen auch den griffigen und bis heute populären US-Top-5-Hit ›Hungry Heart‹ abwarf. Mit im Studio als Chorsänger befanden sich zwei alte Bekannte: Mark Volman und Howard Kaylan, die sich nach Auflösung ihrer Pop-Formation The Turtles als Duo Flo & Eddie empfahlen, bei Frank Zappa als Phlorescent Leech & Eddie agierten und auch bei T. Rex zeitweise eine gewichtige Rolle spielten. Purer Minimalismus unter dem Credo „I’ve Got My Own Album To Do“ regierte zwei Jahre später NEBRASKA, das komplett per Kassetten-Portastudio angeblich in Springsteens Schlafzimmer entstand. Eine Fassung des düsteren Songzyklus aus ›Highway Patrolman‹, ›State Trooper‹, ›Atlantic City‹ und ›My Father’s House‹ mit der E Street Band existierte zwar, wurde aber wieder verworfen. Für Überlebensgröße, Legendenstatus und Aufnahme in den Rock-Olymp aber sorgten erst 1984 die kommerziellen Konzessionen von BORN IN THE U.S.A. Sage und schreibe sieben Single-Auskopplungen warf das weltweite Nummer-1-Opus mit starken Reminiszenzen an die Popkultur der 50er Jahre ab. Sowohl ›Dancing In The Dark‹ als auch ›Cover Me‹, ›Born In The U.S.A.‹, ›I’m On Fire‹, ›Glory Days‹, ›I’m Goin‘ Down‹ und ›My Hometown‹ landeten seinerzeit in den US-Top-Ten und der hemdsärmelige Bruce avancierte flugs zum Multimillionär mitsamt standesgemäßer Model-Ehegattin Julianne Phillips, die im Videoclip zu ›Glory Days‹ auch noch als Schau-spielerin agieren durfte.