Auslese Kino

riddick-posterGravity
Warner

Mutig ist es ohne Frage, wenn ein großes Studio 80 Millionen Dollar in die Hand nimmt, um einen Film zu produzieren, der scheinbar im Gegensatz zu sämtlichen Blockbustergelüsten Hollywoods steht: Zwei Astronauten stranden nach einem Unfall im Weltall und suchen nun verzweifelt nach einem Weg, um sich aus der ausweglosen Situation retten zu können. Ein Science Fiction-Kammerspiel, das ausnahmsweise nicht mit obligatorischen Ballerexzessen, Kampfrobotern und Raumschiff-schlachten auskommt? Nicht ganz. Denn obwohl sich die Handlung von „Gravity“ angenehm vom konventionellen Actiongewummer der diesjährigen filmischen Zukunftsvisionen abhebt, bedeutet dies nicht, dass a) visuelle Überwältigung ausgeschlossen und b) Spannung zweitrangig ist. Kreativer Kopf hinter „Gravity“ ist nämlich der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón, dessen düsterer „Children Of Men“ nicht nur zwei der bemerkenswertest inszenierten Actionszenen der letzten 15 Jahre beinhaltet, sondern zudem als brillanter Science Fiction-Film die größten Stärken des Genres vereinte. Lange war es nun erstaunlich still um Cuarón geworden, während lediglich vereinzelt Meldungen zur hindernisreichen Realisierung seines Herzensprojekts nach außen drangen. Das Warten hat sich jedoch gelohnt: Mit modernsten Spezialeffekten umgesetzt, mit George Clooney und Sandra Bullock publikumswirksam besetzt und mit brillanten Kamerafahrten gespickt, die auf großer Leinwand schwindelig machen, zeigt Cuarón, wieso er das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigt. Denn stilsicherer wurden Spektakel und Anspruch, cineastisches Können und Publikumstauglichkeit lange nicht mehr vereint.

8

Riddick
Universum/Start: 19.09.

Sein größtes Problem zeigt die Fortsetzung der Abenteuer von Weltraum-Badass Riddick schon nach wenigen Minuten: Selbst wenn man die gewohnt übertriebene Reibeisen-stimme von Hauptdarsteller Vin Diesel als Eigenheit hinnimmt, so stellen sich doch ernsthafte Bedenken gegenüber dem Physik-verständnis der Filmemacher ein, wenn der zum wohlgenährten Actionklops gereifte Vin Diesel zu Actiontaten in der Lage ist, die man selbst Jet Li zu seinen besten Zeiten nicht zugetraut hätte. Von derartigen Einwänden abgesehen, die oft den Verdacht nahelegen, Vin Diesel würde sich in seiner eigenen Schwerkraftblase bewegen, weiß „Riddick“ seine Fans mit gewohnter Kost zu beglücken: Verraten von seinen Verbündeten und zum Sterben auf einem unwirtlichen Planeten zurückgelassen, muss Riddick zunächst die lebensfeindliche Flora und Fauna seiner unfreiwillig gewählten neuen Heimat überleben, bevor er sich gegen zwei konkurrierende Mannschaften geldgieriger Kopfgeldjäger beweisen muss. Der Fan wirds feiern, alle anderen werden sich höchstens mit der Videoauswertung begnügen.

4

00 Schneider/ Im Wendekreis der Eidechse
Senator/Start: 10.10.

Wenig andere Filme spalten das Publikum derart heftig wie das cineastische Oeuvre von Herrn Helge Schneider: Entweder man findet die surrealen bis melancholischen wortgewitzten Lo-Fi-Skurrilitäten höchst amüsant oder kann rein gar nichts mit dem Absurditätenkabinett der singenden Herrentorte anfangen. Dementsprechend enthusiastisch oder achselzuckend wurde die Nachricht dann auch aufgenommen, Schneider kehre nach zehnjähriger Regieabstinenz hinter die Kamera zurück. Dass die Ermittlungen von Kommissar 00 Schneider in Sachen mysteriösem Tabakladenüberfall und spurlos verschwundenem Huhn dabei von Zwängen der kausalen Logik zugunsten dadaistischen Humors befreit sind, ist Ehrensache, wenn „Im Wendekreis der Eidechse“ gekonnt Kleinstadtmief, filmhistorischen Zitatereigen und parodistische Schelmereien zur unverwechselbar Schneider’schen Sketchparade vereint. Dabei überrascht es zu keiner Sekunde, dass auch Herrn Schneiders neuster Filmausflug eingefleischte Kinobesuchscliquen sprengen wird.

00 Schneider: 2
Im Wendekreis der Eidechse: 9

Prince Avalanche
Kool/Start: 26.09.

In Zeiten bestens geölter Marke-tingmaschinerien, die ihre Samen des Hypes bereits Monate vor Drehbeginn zu säen wissen, fällt die Herange-hensweise von Regisseur David Gor-don Green etwas aus dem Rahmen. Nach seinem Durchbruch als Komödienregisseur mit „Ananas Express“ und zwei weit weniger amüsanten Humorgurken, gab es im Vorfeld seiner Indie-Komödie „Prince Avalanche“ keinerlei Pressemitteilungen oder Drehberichte zu vernehmen. Erst als der Film fertiggestellt war, erfuhr der Rest der Welt von seiner Existenz, auf der diesjährigen Berlinale war die Überraschung perfekt. Paul Rudd und Emile Hirsch stellen die namhafte Besetzung, die sich im Lauf der 94 Minuten auch nicht groß erweitern wird. Ende der Achtziger setzen die beiden Arbeiter Alvin (Rudd) und Lance (Hirsch) die Fahrbahn einer entlegenen Landstraße instand. Die gegensätzlichen Temperamente der beiden sorgen für erste Spannungen, verstärkt durch die Monotonie des Jobs. Eine Konfrontation scheint unausweichlich. Als angenehm unaufgeregte Dramödie über eine zarte Männerfreund-schaft höchst empfehlenswert.

7

Zusammengestellt von Gerhard Maier

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