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    Werkschau: Unser Album-Guide zu Jimi Hendrix

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    Werkschau: Unser Album-Guide zu Jimi Hendrix

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    Jimi Hendrix liveDer Rockgitarrist schlechthin. Legendär! Revolutionär! Stilprägend! Darf in keiner Plattensammlung fehlen. Wir geben Entscheidungshilfe.

    Unverzichtbar

    ARE YOU EXPERIENCED (Polydor, 1967)

    Jimi Hendrix Are You Experienced
    1967 war ohnehin ein gutes Jahr für Debütalben, doch dieses hier erschütterte die Rockwelt: Gitarristen rätselten, wie dieser schwarze Nobody all die seltsamen Sounds aus seiner Fender kitzelte. Nie zuvor hatte eine Gitarre elektrischer geklungen: im Kern bluesig, darüber hinaus psychedelisch, funky, experimentell. Hören und Staunen. Etwa, wenn bei ›Love Or Confusion‹ im Hintergrund das Dauer-Feedback weint, wenn ›3rd Stone From The Sun‹ den Space-Bebop zündet, ›Stone Free‹ Soul und Rock fusioniert oder ›Manic Depression‹ Hard Rock im Dreivierteltakt tanzen lässt. Alles auf Vierspur produziert.

    ELECTRIC LADYLAND (Polydor, 1968)

    Jimi Hendrix Electric Ladyland
    Das dritte und letzte Studioalbum der Jimi Hendrix Experience: Jimis Opus Magnum, von unseren britischen CLASSIC ROCK-Kollegen auf Platz 10 der 100 besten Rockalben gewählt. Und zwar vollkommen zu Recht: ein Kaleidoskop aus Rock, Blues, Jazz und Psychedelic, verteilt auf vier LP-Seiten. Hendrix nutzte die damals brandneue Achtspurtechnik im frisch eröffneten New Yorker Record-Plant-Studio weidlich aus, kreierte irre Stereopanoramen, abgefahrene Klangkaskaden und fand dennoch immer wieder zum Blues zurück. Das Artwork mit den nackten Mädels erschien übrigens nur in Europa, nicht in den USA.

    Wunderbar

    AXIS: BOLD AS LOVE (Polydor, 1967)

    Jimi Hendrix Bold As Love
    Eigentlich auch unverzichtbar, denn Großtaten wie ›Spanish Castle Magic‹ und ›Bold As Love‹ – mitsamt exzessivem Phasing im Schlussteil – sind ebenso essenziell wie die etwas zurückhaltenderen Stilübungen ›Little Wing‹ und ›Castles Made Of Sand‹. Bisweilen unterschätzt, aber ein illustres Beispiel dafür, was man alles mit einem Wah-Wah-Pedal anstellen kann: ›Up From The Skies‹, von Mitch Mitchell mit swingenden Jazz-Besen kongenial untermalt. Groovet wie Hölle. AXIS: BOLD AS LOVE ist die standesgemäße, produktionstechnisch kultiviertere Fortsetzung des an manchen Stellen recht ruppigen Debüts.

    JIMI PLAYS MONTEREY (Polydor, 1986)

    Jimi Hendrix Plays Monterey
    In Europa war die Jimi Hendrix Experience im Sommer 1967 bereits eine Sensation, doch die USA mussten erst noch erobert werden. Wobei der Auftritt beim Monterey Pop Festival reichlich Schützenhilfe gab: Als Jimi mit Federboa zum Auftakt Howlin’ Wolfs ›Killing Floor‹ ins Publikum nagelt, fällt selbigem die Kinnlade runter, nachzusehen in D.A. Pennebakers Konzertfilm. Jefferson Airplane? The Who? Schön und gut, aber diese drei Typen in Samt, Seide und Rüschen spielten alles an die Wand. Und am Schluss, bei ›Wild Thing‹, fing die Fender sogar Feuer. Explosives Live-Album einer noch hungrigen Band.

    BBC SESSIONS (MCA, 1998)

    Jimi Hendrix CCB Sessions
    Der 1988 veröffentlichte Zusammenschnitt RADIO ONE war schon gut, doch die um weitere Tracks ergänzten BBC SESSIONS sind besser: Hendrix bei der BBC, live im Studio und selbstverständlich ganz ohne Overdubs. Allein das Instrumentalstück ›Drivin’ South‹ rechtfertigt die Anschaffung, eine im Kern unspektakuläre, in der Ausführung jedoch atemberaubende Improvisation. Hendrix soliert schlicht göttlich, Mitchell trommelt sich die Seele aus der Brust, und doch klingt es wie locker aus dem Ärmel geschüttelt. Die Klangqualität geht BBC-typisch in Ordnung.

    FIRST RAYS OF THE NEW RISING SUN (MCA, 1997)

    Jimi Hendrix First Rays
    Hendrix plante 1970 ein weiteres Album, was Gevatter Tod am 18. September leider verei­telte. 1971 erschien dafür THE CRY OF LOVE mit Tracks, an denen Hendrix bis zuletzt gearbeitet hatte. Seine Erben ergänzten das Werk um weitere Archivaufnahmen, 1997 entstand daraus FIRST RAYS OF THE NEW RISING SUN, ein Album, das Hendrix’ ursprünglichen Plänen recht nahe kommt. Auch der Titel war angeblich seine Idee. Dank ›Angel‹, ›Freedom‹ und ›Belly Button Window‹ kein sensationelles, aber immerhin ein sehr gutes Album.

    Anhörbar

    BAND OF GYPSYS (Polydor, 1970)

    Jimi Hendrix Band Of Gypsys
    Die Experience hatte sich infolge aufreibender Tourneen totgelaufen, Hendrix suchte neue Ufer, zudem machten Aktivisten in diesen politisch so aufgeheizten Zeiten zunehmend Druck. Hendrix, so ihr Vorwurf, habe sich an die Weißen verkauft. Brother Jimi reagierte und stellte mit Drummer Buddy Miles und Armeekumpel Billy Cox (Bass) die Band Of Gypsys zusammen – all black. Aufgenommen am 01. Januar 1970 im Fillmore East, lieferte das Album den Diskothekenrenner ›Machine Gun‹, doch so richtig konnten die meist überlangen Impro-visationen nicht überzeugen. Die Band Of Gypsys fiel auseinander.

    SOUTH SATURN DELTA (NCA, 1997)

    Jimi Hendrix South Saturn Delta
    Outtakes, Demos und Raritäten der Jahre 1967 bis 1970, von Hendrix’ Erben kompiliert und –anders als so viele andere posthume Veröffentlichungen – durchaus mit Nährwert gesegnet. Der Titeltrack erfreut mit funky Bläsersätzen, ›Midnight Lightning‹ präsentiert Hendrix als einsamen Bluesman, der den Takt mit dem Fuß schlägt. ›Pali Gap‹ ist ein hervorragendes Instrumentalstück, das einst zum Soundtrack des erratischen Films „Rainbow Bridge“ gehörte. Für Fans, die ansonsten alles haben, ist SOUTH SATURN DELTA brauchbar. Neueinsteiger sollten sich erst einmal auf die Rubrik „Unverzichtbar“ konzentrieren.

    WINTERLAND (Legacy, 2011)

    Jimi Hendrix Winterland
    Die volle Packung: Hendrix live im Winterland Ballroom in San Francisco, aufgenommen während zweier Shows im Oktober 1968. Ein Best Of-Programm auf vier CDs mit allerlei Überschneidungen, für Komplettisten natürlich erste Sahne. Andererseits: Die Experience war kurz vor dem Auseinanderbrechen, die Band agierte auf wechselndem Niveau und Hendrix hatte längst keine Lust mehr, alte Gassenhauer wie ›Hey Joe‹ zu spielen. Brillanz trifft auf Routine, die überbordende Energie von JIMI PLAYS MONTEREY erreicht dieser Mitschnitt demnach nur selten. Dennoch: als Zeitdokument eine lohnenswerte Anschaffung.

    Sonderbar

    WOKE UP THIS MORNING AND FOUND MYSELF DEAD (Bootleg, 1980)

    jimi hendrix woke up this morning
    Und immer wieder fällt jemand drauf herein: Dieser Mitschnitt kursiert in zahlreichen Versionen, wobei stets darauf hingewiesen wird, dass bei der Session im New Yorker Scene Club vom März 1968 auch Jim Morrison und Johnny Winter anwesend waren. Klingt vielversprechend? Ist es aber nicht: Winter weiß von nichts und Morrison war zwar körperlich anwesend, aber derart besoffen, dass er nur noch tumbes Grölen hervorbrachte. Absolut verzichtbar, da nicht mal originell. Tipp an die Bootlegger: Behauptet doch einfach, dass auch noch Brian Jones und Janis Joplin dabei waren.wer glaubt’s bestimmt.

    2 Kommentare

    1. es gibt noch mindestens 3 geile Live Conzerte,aber für Laien ein sehr schöner Einstieg.Hab Jimi leider nie gesehen,aber alles,was es gibt.

    2. Alle Studio-LP,s habe ich jeweils am Erscheinungstag gekauftund sind heute noch anhörbar in meinem Besitz. Das Nachfolge-Projekt der Experience , die Band of Gypsys sind musikalisch weit von dem Entfernt was Jimi und seine Experience waren :
      Eine revolutionäre Sensation in der damaligen Musik-Scene die meiner Meinung nach zu den Musikalischen Höhepunkten in der menschlichen Musik-Geschichte / -Entwicklung gezählt werden muss. Hendrix war ein phantastischer Ausnahme-Musiker und Gitarrist der Prägend für alle Zeiten ist, unerreichbar, fantastisch auch noch nach fast 50 Jahren nach seinem viel zu frühen Ableben.

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