Unplugged-Special: Die 25 besten Akustik-Alben aller Zeiten

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Townes Van Zandt
LIVE AT THE OLD QUARTER, HOUSTON, TEXAS

townes-van-zandt-live-at-the-old-quarter„Ich habe es hier noch nie so leise erlebt“, stellt Townes Van Zandt während seines monumentalen Konzerts fest, das auf LIVE AT THE OLD QUARTER zu hören ist. Es ist ein beeindruckendes Zeugnis von seiner Begabung als Songwriter und dem emotionalen Gewicht seiner Songs, dass er ein volles Haus mit nichts als seiner Stimme und einer akustischen Gitarre in seinen Bann schlagen konnte.

Dieses Album, aufgenommen über fünf Abende in einem kleinen Club im Juli 1973, aber erst vier Jahre später veröffentlicht, zeigt Van Zandt am Gipfel seines Schaffens. Die Songs sind wie gemacht für eine so intime Umgebung, mit sehnsuchtsvollem Gesang, der Geschichten von Auflösung und Wanderlust erzählt, und von Figuren, die sowohl physisch als auch spirituell auf der Flucht sind. Wie sein Held Hank Williams erweist sich Van Zandt in Stücken wie ›Waiting ‘Round To Die‹, ›If I Needed You‹, ›No Place To Fall‹ und ›Pancho And Lefty› als Chronist der Verdammten und Überdrüssigen. Mit liebenswerten Scherzen hellt er die Stimmung auf, die lakonische Kombination von ›Talking Thunderbird Blues‹ und ›Fraternity Blues‹ sorgt für noch mehr Heiterkeit.

An anderer Stelle hingegen zeigen kompetente Coverversionen von Bo Diddley, Merle Travis und Lightnin‘ Hopkins, wie Van Zandt ebenfalls aus Texas, welche Kräfte ihn geformt haben.

Rob Hughes
Schlüsselsong: ›If I Needed You‹

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Eric Clapton
UNPLUGGED

eric-clapton-unpluggedBei seinem Auftritt in den Bray Film Studios in Windsor, so „MTV Unplugged“-Produzent Alex Coletti, sah Clapton „dem Schmerz direkt ins Gesicht“, trauerte offen um seinen Sohn Conor auf ›Tears In Heaven‹, zeigte sich wehmütig auf ›Running On Faith‹ und drehte mit seiner scheppernden Slide-Gitarre die Zeit zurück mit Coverversionen von Stücken aus seiner Jugend wie Robert Johnsons ›Walkin‘ Blues‹.

Doch neben dieser Düsternis finden sich auch freudvolle Passagen, etwa ›Signe‹ und ›Before You Accuse Me‹, und häufige Momente voller Humor: Clapton verbockt das Intro zu ›Alberta‹ („Halt, Stopp!“) und neckt das Publikum mit ›Layla‹ („Mal sehen, ob ihr das erkennt“), dem Klassiker von 1971, der hier als Roots-Bummelstück gespielt wird. „Durch das akustische Konzept fielen all die Riffs weg“, erklärte der Maestro, „da schien es natürlich, dass es jazziger wurde“.

Eric Claptons UNPLUGGED fand 26 Millionen Käufer, gewann drei Grammys und stieß einige Leute vor den Kopf. J Mascis von Dinosaur jr. etwa verstand nicht, „wie jemand seinen eigenen Song [Layla] so furchtbar verhackstücken konnte“, und Chris Rea meckerte über die Kulisse, die an billiges Mittagsfernsehen erinnerte. Doch diese Stimmen waren eindeutig in der Minderheit. Dieses Album war eine furchtlose Neugeburt und wohl das letzte Mal, dass Slowhand uns überraschte.

Henry Yates
Schlüsselsong: ›Layla‹

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Ryan Adams
ASHES & FIRE

ryan-adams-ashes-fireBei einem so überproduktiven Musiker wie Ryan Adams war es nur eine Frage der Zeit, bis er ein akustisches Album aufnehmen würde. Als die Cardinals 2009 ihr Ende verkündeten und der ausgelaugte sowie vom Tinnitus geplagte Sänger erklärte, er sei „bereit für ruhigere Zeiten“, schien der perfekte Wendepunkt gekommen.

Nach seinem Solodebüt HEARTBREAKER ließ seine Qualitätskontrolle mitunter zu wünschen übrig, doch für ASHES & FIRE stampfte Adams nach eigenen Angaben 80 % des Materials wieder ein, bevor er das Tracklisting festlegte, was vielleicht erklärt, warum diese Platte so tight ist.

Der Opener ›Dirty Rain‹ – eine traurige Akustische, ein bisschen Percussion und eine Stimme aus der Tiefe – gibt den Modus Operandi vor, und die Reduzierung steht Adams auf emotionalen Kleinoden wie ›Save Me‹ bestens zu Gesicht. Wenn die Instrumentierung dann doch mal zu sparsam zu werden drohte, punktuierte seine Stimme auf ›Chains Of Love‹ eine wunderbare Streicherpassage. Und wir machen gerne eine Ausnahme von der Regel „keine Elektrizität“ für das purzelnde Wah-wah-Solo auf ›Riverside‹.

Das „Unplugged“-Format hat bei vielen Künstlern eine nachdenkliche Seite zum Vorschein gebracht, und ASHES & FIRE klingt wie ein Mann, der Bilanz zieht. Am allermeisten auf dem berückend schönen ›Lucky Now‹, wo der einstige Satansbraten singt: „I feel like somebody I don‘t know/Are we really who we used to be?/Am I really who I was?“ (Ich fühle mich wie jemand, den ich nicht kenne/Sind wir wirklich, wer wir mal waren?/Bin ich wirklich, wer ich mal war?).

Henry Yates
Schlüsselsong: ›Lucky Now‹

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Robert Johnson
THE COMPLETE RECORDINGS

The Complete Recordings by Robert Johnson.
The Complete Recordings by Robert Johnson.

Die 29 Songs, die Robert Johnson 1936 und 1937 in zwei Sessions in Texas aufnahm, sind wie der Rosettastein des Blues. Es ist schlicht unmöglich, ihren Einfluss im großen Ganzen überzubewerten. Seine Kompositionen wurden zu Rockstandards, die von Eric Clapton, Fleetwood Mac, den Rolling Stones, Led Zeppelin, den White Stripes und so ziemlich allen anderen gecovert wurden, die in der Schuld des schwarzen amerikanischen Blues stehen.

Johnson war ein Meister der Spieltechnik mit unglaublicher Begabung, dessen Gitarrenstil sich auch auf Country und Ragtime-Jazz verstand. Dazu kam seine unter die Haut gehende Darbietung, die Clapton einst als „den mächtigsten Schrei, denn man meiner Meinung in einer menschlichen Stimme finden kann“ bezeichnete. ›I Believe I‘ll Dust My Broom‹, ›Sweet Home Chicago‹, ›Terraplane Blues‹, ›Love In Vain‹, ›Hellhound On My Trail‹ und ›Traveling Riverside Blues‹ sind nur einige der Klassiker, die sich auf THE COMPLETE RECORDINGS finden.

Die Aura des Mysteriösen, die ihn umgibt, ist bis heute ein wichtiger Teil seiner Faszination. Ein umherstreifender Musiker aus Mississippi, der mit 27 starb – angeblich von dem eifersüchtigen Ehemann einer seiner Eroberungen vergiftet –, wird er am häufigsten mit dem klassischen Blues-Mythos in Verbindung gebracht, seine Seele in einem Mitternachtspakt an einer Kreuzung im Delta dem Teufel verkauft zu haben.

Rob Hughes
Schlüsselsong: ›Hellhound On My Trail‹

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