Titelstory: Tom Petty – America’s Sweetheart

Und hier kommt Tony Dimitriades ins Spiel. Der englische Rechtsanwalt ist gut mit Graham Nash, dem Sänger der Hollies, befreundet, die er in seiner Kanzlei vertritt. Nachdem er seine Anwaltsrobe gegen Bermuda-Shorts eingetauscht und wegen des Erfolgs seiner Band Ace (›How Long‹) nach Los Angeles gezogen ist, muss er sich nach der Auflösung der Band nach neuen Klienten umsehen. Er tut sich mit dem ehemaligen Joe-Cocker-Manager Reggie Locke zusammen und endet schließlich durch die Vermittlung von Cordell in einem Studio, wo er drei Songs vorgespielt bekommt: ›Breakdown‹, ›American Girl‹, ›Anything That’s Rock’n’Roll‹. Der Deal wird sofort unter Dach und Fach gebracht. Dimitriades ist bis heute Pettys Manager.

Am 9. November 1976 erscheint TOM PETTY AND THE HEARTBREAKERS und es passiert: nichts. Erst als die Band in England tourt, wo die Sex Pistols durchstarten, sich The Clash gründen und in dieser neuen „New Wave“-Atmosphäre das Debüt bis auf Platz 24 der Charts steigt, nimmt man auch in der Heimat Notiz. Dort ist es vor allem dem Promoter Jon Scott zu verdanken, der die Heartbreakers schließlich auch ans Radio vermittelt, damals (wie heute) durchaus mit merkwürdigen „Überzeugungsmethoden“. Aber Petty ist nicht ganz zufrieden.

„Es ist clevere Musik, die in keine Kategorie passt. Es ist einfach Tom Petty.“ – Johnny Depp

„Wir haben erst 1977 gemerkt, dass es da draußen auch noch Gleichgesinnte gibt. Bis dahin fühlten wir uns als Fremde. Eigentlich wollten wir nur eine Platte machen. Ehrlich gesagt haben wir nie davon geträumt, überhaupt einige davon zu verkaufen. Aber als wir in England waren und dort Elvis Costello und Graham Parker sahen, war alles anders, aufregend. Wir haben dann zuhause mit Blondie im Whiskey in Hollywood gespielt, sogar mit den Ramones. Das war okay für uns, denn Fleetwood Mac spielten in einer anderen Liga. Wir waren eigentlich damals schon out, mit unseren Drei-Minuten-Rock-Songs.“ Aber ein Jahr später ändert sich das Klima. Led Zeppelin brechen ihre letzte US-Tour 1977 ab, die Zeit der Rock-Dinosaurier geht langsam ihrem Ende zu, mit Punk und New Wave kommen neue Einflüsse hinzu. In diesem Klima basteln die Heartbreakers an ihrer zweiten Scheibe, die laut Petty „so anders wie nur irgend möglich“ als das Debüt werden soll. Sie experimentieren so eigenartig, Ron Blairs Credits werden mit „electric bass, acoustic guitar and helicopter“ angegeben. Letzterer ist ein ferngesteuerter Modellflieger.

Genau wie dieser hebt YOU’RE GONNA GET IT (Arbeitstitel: TERMINAL ROMANCE) ab, als die Platte am 2. Mai 1978 erscheint; im Gegensatz zum Vorgänger diesmal mit den kompletten Heartbreakers auf dem Cover. Man sieht sich als Band und so klingt es auch: Mit den Hitsingles ›I Need To Know‹ und ›Listen To Her Heart‹ und dem gleichzeitigen Top- 40-Erfolg der neu veröffentlichten ›Breakdown‹-Single vom Debüt erreicht der Zweitling Goldstatus (500.000 Einheiten) und Platz 23 der Billboard-Charts.

Mit dem Erfolg kommen, wie bei jeder Band, die Probleme: Shelter, Cordells Label, macht dicht, die Rechte gehen über an das Majorlabel MCA. Mit Locke wird der zweite Manager (und Cordells Freund) ausgebootet, weil er sich nicht genügend ums Geld kümmert. Doch MCA bestehen auf ein drittes Album, Petty und Dimitriades gehen mit Unsterstützung von Eliot Roberts (Manager von Crosby, Stills & Nash, Neil Young, Joni Mitchell u.a.) auf Konfrontationskurs, es folgt ein langer Rechtsstreit mit skurrilen Vorfällen: So werden die halbfertigen Demos von DAMN THE TORPEDOES nächtelang von Roadie Bugs Weidel durch LA gefahren, nur damit Petty vor Gericht bezeugen kann, er wisse nicht, wo die Bänder seien, falls MCA die Songs herausbringen wolle. Für die Produktion haben sie sich übrigens statt Cordell einen 24-jährigen Newcomer aus Brooklyn an Bord geholt: Jimmy Iovine verantwortete Patti Smiths Hit ›Because The Night‹. Außerdem kommt während des Streits der Südstaaten-Redneck in Petty hoch: „Sollten diese Anwälte gewinnen, werde ich wieder nach Florida gehen und dort Erdnüsse anbauen.“ Dass daraus nichts geworden ist, wissen wir.

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