Status Quo: Helden wie wir

DIE NÄCHSTEN DREI JAHRZEHNTE

Mag man von ›In The Army Now‹ auch halten, was immer man will, und bedauern, dass die Wege der legendäre Frantic-Four-Besetzung sich urplötzlich trennten – der Erfolg des Liedes brachte Status Quo weltweit neue Aufmerksamkeit. „Ich wollte diesen Song nicht“, sagt Parfitt. „Francis kam 1986 damit an. Er hatte das Original von Boland & Boland gehört. Ich sagte zu ihm: ›Schöner Song, aber leider nichts für uns.‹ Doch Francis war so überzeugt von dem Titel, das wir ihn schließlich doch aufnahmen. Und siehe da: Er wurde in ganz Europa ein riesiger Hit.“

status quo aquostic promo

Nicht zuletzt ist ›In The Army Now‹ der Start einer Entwicklung, welche der Band in schwierigen Zeiten die nötige Power zum Durchhalten gibt – und letztlich zu ihrem 2011er-Album QUID PRO QUO führt, mit dem Rossi und Parfitt (nach HEAVY TRAFFIC von 2002) abermals in tendenziell rockigere Gefilde zurückkehren. Nummern wie ›Two Way Traffic‹ oder ›Rock’n’Roll And You‹ lassen keinen Zweifel daran, dass sie noch immer das Boogie-Virus in sich tragen. Die Band hat es noch drauf. Vergessen die seltsamen Kooperationen, etwa mit Scooter, vergessen auch die Cover-Versionen anderer Rock-klassiker. Quo-Boss Francis Rossi sieht allerdings auch diese Projekte und Phasen gelassen: „Je mehr Platten du verkaufst und je erfolgreicher du bist, desto schlechter wird die Presse über dich berichten. Aber wenn dich vier oder fünf Menschen nicht mögen, sind da immer noch vier oder fünf Millionen, die dich großartig finden. Du musst dich weiterentwickeln.“

Im Zuge der von Alan Parker produzierten Dokumentation „Hello Quo“, die im Oktober 2012 erscheint und unter anderem Rossi und Parfitt mit Coghlan und Lancaster wieder vereint bei einer gemeinsamen Jam-Session zeigt, kommen Quo-Fans schließlich in den Genuss, die Gruppe nach über dreißig Jahren doch noch einmal in der klassischen Besetzung zu sehen. Anfang 2013 sowie 2014 spielen die Frantic Four einige vom Publikum euphorisch aufgenommene Gigs. Doch eine langfristige Reunion ist auch nach diesen Konzerten für Rossi zu keinem Zeitpunkt eine echte Option.

„Ich kann nicht zurück in die 70er Jahre switchen. Rick und ich haben 1985 weitergemacht. Die Jahrzehnte, in denen wir Quo fortgeführt haben, sind zu wichtig für mich, als dass ich sie einfach ausblenden könnte. Außerdem sind die persönlichen Reibungspunkte zwischen mir und John nicht kleiner geworden.“

Und der Quo-Mastermind macht klar, dass er nicht vorhat, auf der Stelle zu treten. In der Bestzung Rossi, Parfitt, Andy Bown (Keyboards und seit 1982 offizielles Mitglied der Band), Leon Cave (Drums) und John „Rhino“ Edwards (Bass) geht es weiter auf Tour. Darüber hinaus hält der Quo-Boss eine weitere Überraschung parat. Am 17. Oktober wird AQUOSTIC erscheinen, ein Album mit 22 klassischen Quo-Tracks in neuem Gewand.

„Vor etwa einem Jahr steckten unser Manager Simon Porter, Francis und ich die Köpfe zusammen und dachten über mögliche zukünftige Projekte von Quo nach. Dabei kam uns die Idee zu einem Unplugged-Album. AQUOSTIC wird viele Leute richtig überraschen“, gerät Parfitt plötzlich ins Schwärmen. „Klassiker wie ›Down Down‹ oder ›Whatever You Want‹ kommen auch unplugged richtig gut. Einige Titel sind kaum wiederzuerkennen und gefallen mir im neuen Arrangement beinahe noch besser als im Original.“ Mehr dazu im nächsten Heft.

Status Quo. Sie waren da, wenn man sie brauchte. Ehrlich, gelassen und unkompliziert. Mit dem Live-Boxset und AQUOSTIC kehren sie gemeinsam mit uns noch einmal zurück. Und sie sind immer noch da – alte Freunde, die sich für nichts rechtfertigen müssen. Solide und unverwüstlich wie die Pyramiden von Gizeh. Kerle mit Durchhaltevermögen, die immer weitergemacht haben, komme, was wolle. Älter geworden, aber immer noch aufrecht. Gereift, aber nicht müde. Helden wie wir.

Mittlerweile stehen Status Quo kurz vor der Veröffentlichung ihres zweiten Unplugged-Albums AQUOSTIC II – THAT’S A FACT!. Außerdem gehen Status Quo auf ihre „The Last Night Of The Electrics“-Tour. Daran kann Rick Parfitt allerdings nicht teilnehmen, da der nach einem Herzinfarkt für „für mehrere Minuten tot“ war und sich noch immer gesundheitlich davon erholen muss.

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