Rock-Mythen: Marc Bolan – Tod im Morgengrauen

Als sich John‘s Children wenig später auflösten, nahm der inzwischen 20-jährige Bolan die Dinge selbst in die Hand. 1967, im Sommer der Liebe, gründete er seine eigene Band, das psychedelische Folkduo Tyrannosaurus Rex. Schnell machte er sich mit Partner Steve Peregrine Took einen Namen in der Stadt, mehr noch, protegiert durch den jungen BBC-Discjockey John Peel, mauserte sich Marc allmählich zum Geheimtipp. Drei Al­­ben brachten Tyrannosaurus Rex bis 1969 heraus, der Durchbruch aber wollte nicht gelingen. Bolan zog die Konsequenzen. Peregrine Took musste gehen, dafür kam Mickey Finn. Und Bolan justierte den musikalischen Kurs neu – weg vom versponnenen Hippiefolk, hin zum handfesten Rock‘n‘Roll seiner Jugendidole Chuck Berry und Eddie Cochran. Bingo!

Das Album A BEARD OF STARS markierte die Wende, und als Bolan dann noch den Bandnamen auf ein schlichtes T. Rex verkürzte, platzte der Knoten endlich auch kommerziell. ›Ride A White Swan‹ wurde im Herbst 1970 sein erster Singlehit. Nur der Anfang: Nacheinander knackten nun ›Hot Love‹, ›Get It On‹ und ›Jeepster‹ die UK-Charts, sie alle landeten entweder auf Platz eins oder zwei – Ende 1971, in nur zwölf Monaten, war Marc Bolan zum Superstar geworden. Die Teenager lagen ihm zu Füßen, die Presse sprach von „Bolanmania“. Weitere Singles wie ›Telegram Sam‹, ›Metal Gu­­ru‹, ›Children Of The Revolution‹ und ›Solid Gold Easy Action‹ hielten mühelos das Niveau, und Ringo Starr drehte mit ihm den Konzertfilm „Born To Boogie“. Es schien, als könne Bolan nichts falsch machen.

1974 aber war‘s vorbei. Hits blieben plötzlich aus, und Bolan, neben seinem alten Freund David Bowie das Gesicht des Glamrock, kämpfte mit Drogen- und Alkoholproblemen, mit seiner Trennung von Gattin June und nicht zuletzt mit überflüssigen Pfunden. Als Punk und Disco 1976 am Horizont auftauchten, schien der „20th Century Boy“ erledigt. Überraschend jedoch präsentierte sich Bolan mit dem neuen Album DANDY IN THE UNDERWORLD auf der Höhe der Zeit, erholt und voller Tatendrang. Die junge Punkszene schloss den gefallenen Helden in die Arme, mit der TV-Show „Marc“ startete er erneut durch, und zusammen mit The Damned tourte er erfolgreich durch England. Bolan war wieder da.

Bis zu jener fatalen Nacht im September 1977: Es ist schon nach Mitternacht, als er in Begleitung von Gloria Jones und deren Bruder Richard in Morton‘s Club in Mayfair eintrifft. Die Stimmung ist entspannt, und erst weit nach vier Uhr morgens macht sich das Trio auf den Heimweg. Marc und Gloria fahren mit dem Mini, der Rolls Royce des Sängers ist an diesem Abend vom Bolan-Management an Hawkwind ausgeliehen worden.

Bis zu der schmalen, buckligen Brücke, die auf Queen‘s Ride über eine Eisenbahnstrecke führt, verläuft die Fahrt nach Richmond ohne besondere Vorkommnisse. Wie Richard Jones später berichten wird, sieht er vor sich die Rücklichter des Mini hinter dem Scheitelpunkt der Brücke verschwinden. Im nächsten Moment schon steigt eine Rauchsäule auf, Augenblicke später entdeckt Jones das Wrack im Scheinwerferlicht. Der Mini ist gegen einen Baum auf der linken Straßenseite geprallt. Jones ahnt bereits, dass jede Hilfe zu spät kommen wird. Tatsächlich ist Marc Bolan auf der Stelle tot. Seine Freundin, bewusstlos auf dem Fahrersitz eingeklemmt, wird mit einem Bein- und Kieferbruch ins Krankenhaus eingeliefert.

Später soll ein Gericht klären, ob eine alkohol- oder drogenbedingte Fahruntüchtigkeit vorlag. Gloria Jones aber erscheint nicht zum Anhörungstermin. Stattdessen stellt sich heraus, dass an dem Unfallwagen in einer Werkstatt noch zwei Tage zuvor die Räder ausgewuchtet wurden und ein Reifen gewechselt worden war. Dazu werden gelockerte Radmuttern sowie erheblich verringerter Reifenluftdruck festgestellt – möglicherweise der Grund, warum Gloria die Kontrolle über das Fahrzeug verlor.

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