Rock-Mythen: Lynyrd Skynyrd – Southern Shock

An der Absturzstelle bietet sich ein grausiges Bild. Copilot Gray hängt in einem Baum, ohne Kopf. Roadmanager Dean Kilpatrick ist ebenfalls tot, ein großes Wrackteil steckt in seinem Rücken. Bassist Leon Wilkeson wimmert vor Schmerz. Sein Kiefer, das linke Bein und der linke Arm sind ge­­brochen, dazu ist seine Brust ge­­quetscht und seine Lunge verletzt. Unter den Verletzten im Wrack ist auch Gitarrist Gary Rossington. Seine Arme und Beine sind gebrochen, dazu hat er jede Menge Prellungen und eine schwere Gehirnerschütterung.

Sein Kollege, der hochgewachsene Gitarrist Allen Collins, trägt schwere Rückenverletzungen davon, zwei Halswirbel sind gebrochen. Ein Metallteil steckt in seinem Arm, die Folge: ein komplizierter Bruch und Knochenabsplitterungen.

Lynyrd Skynyrd Flugzeugwrack
Der Unglücksort von Lynyrd Skynyrd

Auch Backgroundsängerin Leslie Ann Hawkins ist lebensgefährlich verletzt. Sie hat einen dreifachen Halswirbelbruch erlitten, und ihr zerschnittenes Gesicht kann später nur durch aufwendige plastische Operationen wiederhergestellt werden. Sänger Ronnie Van Zant hängt in seinem Sitz. Äußerlich wirkt er völlig unversehrt, nur ein „münzgroßer Bluterguss an seiner Schläfe“ ist zu sehen, so erinnert sich später Artimus Pyle. Van Zandt aber ist tot. So wie auch Gitarrist Steve Gaines und seine Schwester, die Backgroundsängerin Cassie Gaines. Ihre beiden Körper – auch der von Pilot McCreary – sind grauenhaft verstümmelt.

Die späteren Untersuchungen können die Absturzursache nicht restlos aufklären. Fest steht, dass der Pilot wenige Augenblicke vor dem Unglück „Probleme mit dem Treibstoff-Vorrat“ meldete, woraufhin ihn die zuständige Flugsicherung anwies, einen nahegelegenen Flugplatz in McComb anzufliegen. Im offiziellen Abschlussbericht des U.S. National Transportation Safety Board, Wash­ington DC, vom 19. Juni 1978 wird als Unfallursache eine „Disfunktion unbestimmter Ursache im rechten Motor mit der Folge erhöhten Treibstoffverbrauchs“ festgestellt. Das erklärt, wa­­rum der Maschine trotz vermeintlich ausreichender Vorräte der Sprit ausgegangen war. Menschliches Versagen soll laut Bericht insofern mitverantwortlich für das Unglück sein, als die Piloten den Treibstoffverbrauch falsch einschätzten.

Erst zehn Jahre nach dem tragischen Ende der Band reformieren die Überlebenden Lynyrd Skynyrd. Das Mikrophon übernimmt Johnny Van Zandt, der jüngste Bruder von Ronnie. 1990 stirbt Gitarrist Allen Collins, der seit einem Autounfall gelähmt war und daher bei der Reunion der Band nicht mit von der Partie sein konnte. 2001 erwischt es Bassist Leon Wilkeson, Billy Powell folgt den beiden 2009.

Zwar konnten Lynyrd Skynyrd nie an die großen Erfolge der klassischen Besetzung anknüpfen, aber bis heute tourt die Band erfolgreich, bringt gelegentlich ein Album heraus und be­­greift sich in erster Linie als Botschafter und Bewahrer des großen Erbes, das die Originalband hinterlassen hat. Gary Rossington, inzwischen 65 Jahre alt, ist das letzte überlebende Mitglied der ersten Stunde. Er sagt: „Wir sind noch immer hier und erhalten die Musik am Leben. Wir wollen den Namen Lynyrd Skynyrd in Ehren halten und dafür sorgen, dass die Jungs, leider die nicht mehr bei uns sind, stolz auf uns sein können.“

Lynyrd Skynyrd in klassischer Besetzung mit ›Sweet Home Alabama‹ live im Sommer 1977:

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