Rock-Mythen: Jimi Hendrix – Todesfall in Notting Hill

-

Rock-Mythen: Jimi Hendrix – Todesfall in Notting Hill

- Advertisment -

Jones und Saua alarmierten die Polizei und begannen mit Hendrix’ Untersuchung, der jedoch kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Um 11.35 Uhr startete der Rettungswagen mit Hendrix an Bord zum St. Mary Abbot’s Hospital, wo er um 11.45 Uhr eintraf. In der Notaufnahme wurden unter Leitung von Dr. Martin Seifert sofort lebensrettende Maßnahmen eingeleitet. Vergeblich, um 12.45 Uhr erklärte Dr. John Bannister Hendrix für tot. Wörtlich sagte er: „Er war eindeutig schon bei der Ankunft tot. Er hatte keinen Puls, keinen Herzschlag, und der Versuch, ihn zu retten, war eher Formsache.“ Als Todesursache wurde Ersticken an Erbrochenem infolge einer Schlafmittelvergiftung festgestellt. Die am 21. September durchgeführte Obduktion ergab keinerlei Hinweise auf Selbstmord. Der Pathologe Professor Robert Donald Teare stellte dazu fest, dass sich Hendrix in einem körperlich guten Allgemeinzustand befunden habe („well nourished and muscular“).

Der medizinische Befund also war eindeutig. Wie es jedoch zu diesem tragischen To­­desfall gekommen war, ist bis heute umstritten. War es unterlassene Hilfeleistung von Monika Dannemann, die den Ernst der Situation möglicherweise zu spät erkannt hatte? Als einzige Zeugin behauptete sie später, dass Hendrix bei der Einlieferung ins Krankenhaus noch gelebt habe. Andere Mitarbeiter der Klinik dagegen sagten aus, dass der Patient im Krankenwagen gestorben sei. Ein ausgefüllter Einlieferungsschein, wie er bei lebendig eingelieferten Patienten obligatorisch ist, fehlte jedenfalls. War es Selbstmord?

Hendrix hatte immerhin die 18-fache Dosis der empfohlenen Menge des Schlafmittels Vesparax eingenommen, und nicht wenige aus seinem Umfeld bestätigten ein Stimmungstief. Seine Zukunftspläne, das Obduktionsergebnis und Dannemanns glaubhafte Schilderung der letzten gemeinsamen Tage sprechen allerdings gegen diese These. Oder war es gar Mord, wie 2009 ein gewisser James „Tappy“ Wright, ehemaliger Roadie bei den Animals, in seinem Buch „Rock Roadie“ behauptete? Demzufolge soll Hendrix’ damaliger Manager Mike Jeffery (der 1973 bei einem Flugzeugabsturz um­­kam) Wright gegenüber zugegeben haben, den Gitarristen vorsätzlich umgebracht zu haben, da dieser ihm die Zusammenarbeit aufkündigen wollte.

Ähnlich abenteuerlich wie Tappy Wrights Geschichte fielen die Stories aus, mit denen die internationale Presse Hendrix’ Tod ausschlachtete. Von wilden Drogenorgien war da die Rede, von Gruppensex und haarsträubenden Ausschweifungen – Horrorgeschichten, die wohl weniger mit der Wirklichkeit als mit den seinerzeit noch weit verbreiteten Vorurteilen gegenüber einem afroamerikanischen Rockmusiker zu tun hatten.

Selbst der seriöse deutsche „Spiegel“ zeigte sich nur unzureichend informiert: Die wenigen Zeilen, die Hendrix am 21. September 1970 als „teuersten Solointerpret der Rockmusik“ und als farbigen Gitarristen „im Mau-Mau-Look, mit Ketten behängt“ beschrieben, bargen mit „24“ eine falsche Altersangabe, vermeldeten eine falsche Gagenhöhe beim Fehmarn-Konzert und gaben als Todesursache eine „Drogen-Injektion“ an. Trotz mancher Ungereimtheiten, ähnlich wie im Falle Jim Morrisons, muss man statt dessen wohl von einem Unfall ausgehen.

2 Kommentare

  1. Scheiß egal welche wilde Spekulationen man um den Tod eines Ausnahme-Musiker man heute noch spinnen will, Tatsache ist Jimi war einer wenn nicht die größte musikalische Inspiration in der Geschichte der Blues und Rock- Musik. Es stimmt mich immer noch traurig wenn ich ich an seinen viel zu frühen Tod denke. Gut dass es seine unvergleichliche Musik weiterhin auf den unterschiedlichsten Ton-Trägern zum hören und genießen gibt. Ich bevorzuge meine LP-Erst-Pressungen die ich noch alle gut erhalten in meinem Besitz habe. R.I.P Jimi…..

  2. ich glaube nicht an Mord, weil Hendrix Tod in eine Linie mit anderen Rock-Grössen passt, wie Joplin, Cobain, Morrison, ja auch Chris Cornell oder Chester Bennington.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Rückblende: Ozzy Osbournes ›Crazy Train‹

Nach seinem Rauswurf bei Black Sabbath 1979 schob sich Ozzy mit einer ziemlich verrücktenRocknummer selbst wieder vom Abstellgleis. Für...

John Miles: Sänger, Pianist und Gitarrist mit 72 gestorben

Am 05. Dezember 2021 ist John Miles im Alter von 72 Jahren verstorben. Zuletzt war der Popstar, der vor...

Blues-Boom: Lead Belly

Baumwollpflücker, Blues-Pionier, Casanova, verurteilter Mörder und Urvater des Rock'n'Roll. Lead Belly kam 1885 als Huddie Ledbetter in Mooringsport, Louisiana, auf...

Foo Fighters: Trailer zum Film “Studio 666”

Im Februar 2022 erscheint die Horrorkomödie "Studio 666", in der die Foo Fighters die Hauptrolle spielen. Der Streifen handelt...
- Werbung -

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 6

Am heutigen Nikolaustag versteckt sich die Neuauflage der Kultplatte OPERATION:MINDCRIME von Queensryche im Adventskalender. Das Doppelalbum enthält einmal OPERATION:MINDCRIME...

Werkschau: Paul McCartney

Man vergisst leicht, dass Macca mehr im Lebenslauf stehen hat als die Fab Four und ›Frog Chorus‹. Daher zur...

Pflichtlektüre

Iggy Pop – BOOKIES CLUB 870 (LIVE RADIO BROADCAST)

Ein aufbereiteter Live-Mitschnitt vom September 1980. Als Iggy Pop und...

Video der Woche: Chuck und John performen, Yoko schreit

Yoko Ono hat Geburtstag. Zur Feier des Tages gibt...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen