Rock-Mythen: Hank Williams – Der Tod des Hillbilly-Shakespeare

-

Präsentiert

Die ganze Geschichte Der Grössten Rockband Aller Zeiten!

Rock-Mythen: Hank Williams – Der Tod des Hillbilly-Shakespeare

- Advertisment -

hank williamsDas Ende war traurig und als es soweit war, hatte der Tod eine gequälte Seele erlöst: In der Neujahrsnacht des Jahres 1953 starb mit dem erst 29-jährigen Hank Williams der Begründer der modernen Countrymusik. Das Protokoll einer Tragödie.

Charles Carr war ein einfacher Junge aus Montgomery, Louisiana. Der 18-jährige Sohn eines Autoverleihers besuchte das College und wollte sich zu Silvester 1952 ein paar Dollar zusätzlich verdienen. Also erklärte er sich bereit, einen Fahrgast zunächst nach Charleston, West Virginia, und dann weiter nach Canton, Ohio, zu chauffieren. Der Job wurde zum Horrortrip.

Der Passagier hieß Hank Williams. In den Jahren zuvor war er zum Star der Country & Western-Szene aufgestiegen. Hits wie ›Lovesick Blues‹, ›Jambalaya‹ und ›Cold Cold Heart‹ hatten den hageren Mann mit dem verschmitzten Lachen berühmt gemacht. Stars wie Tony Bennett und Jo Stafford hatten seine Songs gar zu landesweiten Pophits gemacht. So steil jedoch Williams‘ Erfolgskurve seit 1946 angestiegen war, so unaufhaltsam hatte sich sein Gesundheitszustand verschlechert. Von Geburt an litt er unter einer Fehlbildung der Wirbelsäule, die ihm höllische Schmerzen bereitete.

Darüber war er zum Trinker und Morphinisten geworden. Im Spätherbst 1952, er war gerade 29 Jahre alt und die Ärzte hatten ihm ein lästiges Korsett verschrieben, ahnte er, dass sein Körper im Begriff war, den Widerstand aufzugeben. Erste Herzprobleme traten auf, nachts konnte er kaum schlafen, er hatte Fieberschübe, Atemprobleme, und er litt immer öfter un­­­ter Inkontinenz. Die Körperpflege vernachlässigte er zusehends, trat mit wirrem Haar und vom Dauerschnupfen geröteter Nase auf, war nur noch Haut und Knochen, im Gesicht aufgedunsen, fahrig in seinen Bewegungen, unkonzentriert und verwirrt. Ein menschliches Wrack. Sein Stolz, seine Würde, sein Esprit – all das war dem schmächtigen, geschwächten Mann restlos abhanden gekommen.

Und beruflich schien er trotz seiner Charterfolge am Ende: Sein Manager hatte ihn verlassen, die Grand Ole Opry, Herzkammer der C&W-Szene, hatte ihn rausgeworfen, und kaum noch ein Konzertveranstalter wollte ihn buchen, da man sich ohnehin nicht darauf verlassen konnte, dass er pünktlich und nüchtern auf der Bühne stehen würde.

Als Hank Williams die Engagements in Charleston und Canton antreten will, ist er ein todgeweihter Mann. Bevor er am Nachmittag des 30. Dezember in seinem von Carr gesteuerten Cadillac die Stadt verlässt, holt er sich noch ein Morphiumrezept. Williams trägt einen blauen An­­zug, einen marineblauen Mantel, weiße Cowboystiefel und einen weißen Filzhut. Es ist kalt und regnerisch.

Als sie nach einer Übernachtung in Birmingham bei Schneetreiben erst mittags in Knoxville, Tennessee, ankommen, weiß der Sänger, dass er es nur noch mit dem Flugzeug rechtzeitig nach Charleston schaffen kann. Wegen des schlechten Wetters aber fällt diese Option aus. Die Show wird ohne ihn stattfinden. Chauffeur und Sänger mieten sich daraufhin im Andrew Johnson Hotel ein.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Rückblende: Stone Temple Pilots mit ›Interstate Love Song‹

Am Anfang stand eine Bossanova-Nummer. Ergänzt um ein Country-Riff und einen Text über Lügen und Täuschungen, wurde daraus eine...

Video der Woche: Cheap Trick mit ›She’s Tight‹

Robin Zander wird heute 68 Jahre alt. Zum Geburtstag des Frontmanns blicken wir zurück auf das Jahr 1982, als...

Orianthi: Ohne Filter

O ist eine vertonte Zeitreise durch Orianthis Karriere, von futuristischem Rock bis zu gefühlvollem Blues. Mit CLASSIC ROCK sprach...

The Kinks: Stück „Moneygoround“ bei Youtube

Am 29. Januar veröffentlichen The Kinks auf ihrem Youtube-Kanal "The Moneygoround: A One Man Show For One Night Only...
- Werbung -

Review: The Dead Daises – HOLY GROUND!

Wechsel erfolgreich! Sängerwechsel bei etablierten Bands sind ja immer so eine Sache. Bei Judas Priest und IronMaiden hat es eher...

Die skurrilsten Cover: WOLF von Wolf (1999)

Man darf unterstellen, dass die Mitglieder von Wolf, einer Metal-Band aus dem schwedischen Örebro, in etwa wussten, wie ihr...

Pflichtlektüre

Review: Markus Lucas, Carolin Löbbert – Ice Ice Baby: One-Hit Wonders 1955-2015

Gemalte Einzeltäter Manchmal ist das mit dem Erfolg schon eine...

Review: Cryptex – MADELEINE EFFECT

Absolute Hinhörmusik. An Cryptex aus Salzgitter werden sich vermutlich die...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallenÄHNLICH
Für dich empfohlen