Rock-Mythen: Brian Jones – Ein Rolling Stone verglüht

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Rock-Mythen: Brian Jones – Ein Rolling Stone verglüht

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Nach einem Konzert in München trifft er die Frau, die ihm zum Schicksal wird. Die Deutschitalienerin Anita Pallenberg (21), Model und Schauspielerin, ist selbstbewusst, weltgewandt und eine Schönheit, der Jones augenblicklich verfällt. Die Beziehung entwickelt sich stürmisch. Im gemeinsamen Londoner Nest hält das Paar abwechselnd Hof, wirft alle Drogen ein, die zu be­­kommen sind, küsst sich und prügelt sich. Es ist die Zeit, in der Jones zum genialischen Klangmaler der Rolling Stones wird. Mit exotischen Instrumenten wie Marimba, Dulcimer, Sitar und Mellotron veredelt er Songs wie ›Paint It Black‹, ›Lady Jane‹ und ›Under My Thumb‹.

Sein Ende aber ist bereits eingeläutet. Durch seinem übermäßigen Drogenkonsum gerät er ins Visier der Obrigkeit, die nur darauf wartet, endlich einen dieser neureichen Poplümmel an den Pranger zu stellen. Und, wohl das Schlimmste, seine Mitstreiter Mick Jagger und Keith Richards werden von Manager Andrew Loog Oldham protegiert und schreiben die Hits der Stones. Jones hat in seiner eigenen Band kaum noch etwas zu sagen. Ohnmächtig muss er hinnehmen, dass er allmählich an den Rand gedrängt wird. Freilich: Die Entwicklung hat er mitzuverantworten.

Die Drogen zerstören die fragile Gesundheit des Asthmatikers vollends, Krankenhausaufenthalte und Gerichtstermine bringen den Terminplan der Band durcheinander, und Jones‘ Paranoia nervt alle Beteiligten. Als ihm Keith Richards während einer gemeinsamen Marokko-Reise im Winter 1967 auch noch die Pallenberg ausspannt, zerbricht der sensible Musiker endgültig. Er verliert das Interesse an den Stones. Am 8. Juni 1969 haben die genug – sie werfen ihn raus.

Zurück nach Cotchford Farm: Dort stellt der Leichenbeschauer am 3. Juli 1969 den Totenschein aus. Offizielle Todesursache: „Tod durch Ertrinken unter Einfluss von Alkohol und Drogen“. Das Ableben des Stars wird als „Unglücksfall“ eingestuft. Drei Tage später funktionieren die Stones mit ihrem neuen Gitarristen Mick Taylor ihr lange geplantes Free Concert im Londoner Hyde Park zur Gedenkfeier für Jones um. Jagger zitiert aus einem Gedicht von Percy Bysshe Shelley und lässt Hunderte von Schmetterlingen fliegen.

Der Bandgründer der Rolling Stones aber geht ein zweites Mal in die Popgeschichte ein – als Gründer des berüchtigten „Club 27“. Und zur Ruhe kommt sein Fall nicht: Immer wieder tauchen im Lauf der Jahre Gerüchte auf, dass es bei seinem Tod nicht mit rechten Dingen zuging. Vor allem, als der ehemalige Stones-Chauffeur Tom Keylock verkündet, dass Frank Thorogood ihm 1993 auf seinem Totenbett gestanden habe, Jones in jener Nacht im Streit um ausstehende Zahlungen für Bauarbeiten am Haus ge­­tötet zu haben, wird der Fall noch einmal öffentlich aufgerollt. Janet Lawson bestätigt Keylocks Behauptungen, ein Journalist liefert vermeintliches Beweismaterial, und die Polizei öffnet die Akte Jones erneut. Letztlich aber finden sich keine belastbaren Anhaltspunkte, die eine weitere Untersuchung rechtfertigen könnten. Es bleibt der Mythos des Rolling Stone, der als erster prominenter Rockstar in der Hitze der Sixties-Poprevolte verglühte.

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