ELVIS PRESLEY: Der Messias

G.I. BLUES UND NEUE WEGE

Sieht es anfangs so aus, als würde mit Elvis’ Einberufung das Ende seiner Karriere eingeläutet, ist es gerade diese zweijährige Unterbrechung, die dazu führt, dass sein Weg nicht wie der vieler Kollegen im Sande verläuft. Eine clevere PR sorgt dafür, dass aus dem Bürgerschreck ein von allen anerkannter Good Guy wird, der keinerlei Sonderbehandlung einfordert, sondern brav wie jeder andere seine Pflicht erfüllt. Und auch in den Charts bleibt Elvis dank geschickter Single-Veröffentlichungen weiterhin präsent.

Seine Grundausbildung absolviert Presley ab dem Frühjahr 1958 im texanischen Fort Hood. Am 14. August stirbt seine Mutter an Herzversagen. Sie wurde nur 46 Jahre alt. Wenig später wird Elvis per Truppentransporter nach Deutschland verschifft, wo er bis zum 2. März 1960 in Friedberg stationiert ist und mit seiner Großmutter und seinem Vater Vernon in einem Privathaus in Bad Nauheim wohnt. Nicht nur, dass der Dienst ihm Gelegenheit gibt, Abstand von der Hysterie um seine Person zu gewinnen und innerlich zu reifen – in Deutschland lernt der frischgebackene G.I. drei Menschen kennen, die ihm für den Rest des Lebens sehr nahestehen werden:

Den Countrysänger Charlie Hodge, der von 1960 bis zu Elvis’ Tod in Graceland wohnt, Rhythmusgitarre spielt und dem King bei Konzerten Wasser sowie Schweißtücher reicht; Joe Esposito, der Elvis’ Leibwächter und Mitglied der sogenannten Memphis Mafia wird, und drittens Priscilla Beaulieu, seine spätere Ehefrau und Mutter seiner Tochter Lisa Marie. Kameraden schildern den Soldaten Presley als fähigen, bodenständig gebliebenen Kerl. Er wird mehrfach befördert und schließlich im Rang eines Sergeants aus dem Militärdienst entlassen.

Während Elvis’ Abwesenheit hatte sich die Musiklandschaft beträchtlich verändert. Harter Rock’n’Roll war einem softeren Popsound gewichen. Die Stars hießen nicht mehr Jerry Lee Lewis, Little Richard und Chuck Berry, sondern Frankie Avalon und Bobby Darin. Elvis und sein Manager Colonel Parker schreckte dies nicht. Sie sahen in dieser Entwicklung vielmehr eine Chance, künstlerisch neue Wege zu gehen. Noch im März selben Jahres finden in Nashville Aufnahmen statt, bei denen das Album ELVIS IS BACK! entsteht.

Und das ist der Sänger in der Tat. Für die Single ›Stuck On You‹ liegen eine Million Vorbestellungen vor. Die nächste Single-Auskopplung schlägt schließlich alle Rekorde: ›It’s Now Or Never‹ ist eine schnulzige Neufassung von ›O Sole Mio‹ und wird zu Elvis’ meistverkaufter Platte überhaupt.

Manch einen mag es heute noch gruseln, denn es riecht nach Ausverkauf und nach Verrat, doch Presley selbst hat sich nie als Rock’n’Roller verstanden und schon gar nicht als Rebell. Wie jeder echte Künstler strebte er Vielseitigkeit an, und mit ›It’s Now Or Never‹ und ›Are You Lonesome Tonight?‹ erobert er jetzt eine wesentlich größere Klientel als in den Jahren vor seinem Wehrdienst. Aus dem King of Rock’n’ Roll wird nun der King.

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