Brian Jones: Pop-Stern am Abgrund

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Brian Jones: Pop-Stern am Abgrund

Wer war diese mythische Gestalt, die wie eine Supernova durch die 60er-Jahre irrlichterte und einen in sämtlichen Farben des Regenbogens leuchtenden Schweif hinterließ, der bis in unsere Gegenwart strahlt? Geboren wird Lewis Brian Hopkins am 28. Februar 1942 in Cheltenham, Gloucestershire. Als Kind schon lernt er Klavier, Saxophon und Klarinette. Und er entdeckt den Blues. Mit siebzehn dann die erste Gitarre. Als Brian 1961 den Bluesmann Sonny Boy Williamson auf einer Englandtournee erlebt, steht fest: Er wird Musiker werden.

Da ist er gerade 19 Jahre alt und be­­reits dreifacher Vater, sein erster Sohn kam 1959 zur Welt, die Mutter war gerade 14. Im Spätsommer 1961 zieht er mit Freundin Pat Andrews nach London. Bald schon hat er Anschluss ge­­funden, wohnt zeitweise bei Alexis Korner, dem Ziehvater der embryonalen Londoner Bluesszene. Hopkins entdeckt die Slidegitarre und gibt öffentliche Kostproben seines Talents bei Korners Band Blues Incorporated. In An­­lehnung an sein Idol Elmore James nennt er sich nun Elmo Lewis. Auftritt Jagger/Richards: Die beiden 18-Jährigen haben sich ebenfalls dem Blues verschrieben und treffen im Frühjahr 1962 im Ealing Jazz Club auf den blonden Boheme mit der Slidegitarre.

Man freundet sich an, und wenige Wochen später sind die Rolling Stones gegründet – unter Führung von Brian Jones, wie er sich nun nennt. Von Anfang an gibt es Spannungen in der Band, zu der im Winter 1963 auch Bassist Bill Wyman und Drummer Charlie Watts stoßen. Als selbsternannter Manager genehmigt sich Jones heimlich einen fünfprozentigen Zuschlag auf die an­­sonsten brüderlich geteilten Gagen.

Im Juni 1963 erscheint mit ›Come On‹ die erste Single, das Debütalbum folgt im April 1964. Ein Jahr später schon zählen die Newcomer zur Elite des UK-Pop. Es ist erst der Anfang. Mit ›The Last Time‹ schicken die Stones im Februar 1965 ihre erste selbstgeschriebene Single ins Rennen – Nr. 1! Es folgen ›(I Can‘t Get No) Satisfaction‹, ›Get Off Of My Cloud‹ und ›19th Nervous Breakdown‹. Als die Gruppe im September 1965 live in Westdeutschland gastiert, ist sie die neben den Beatles erfolgreichste Band der Welt. Mehr noch: Die Rolling Stones symbolisieren den aufmüpfigen Geist der Sixties, sind die „Bad Boys“ der Szene. Das Establishment hasst sie, die Teenager himmeln sie an. Der 23-jährige Brian Jones, inzwischen bereits sechsfacher Vater, wähnt sich am Ziel seiner Träume. Sein üppiger Blondschopf, die vollen Lippen und der verträumte Blick aus blaugrünen Augen machen ihn zum Pinup der Pop-Presse, zum Prinzen von Swinging London.

Nach einem Konzert in München trifft er die Frau, die ihm zum Schicksal wird. Die Deutschitalienerin Anita Pallenberg (21), Model und Schauspielerin, ist selbstbewusst, weltgewandt und eine Schönheit, der Jones augenblicklich verfällt. Die Beziehung entwickelt sich stürmisch. Im gemeinsamen Londoner Nest hält das Paar abwechselnd Hof, wirft alle Drogen ein, die zu be­­kommen sind, küsst sich und prügelt sich. Es ist die Zeit, in der Jones zum genialischen Klangmaler der Rolling Stones wird. Mit exotischen Instrumenten wie Marimba, Dulcimer, Sitar und Mellotron veredelt er Songs wie ›Paint It Black‹, ›Lady Jane‹ und ›Under My Thumb‹.

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