Zeitzeichen: James Brown

James BrownHandful of Soul

In bettelarmen Verhältnissen verbrachte James Brown seine Kindheit und Jugend. Er wurde am 3. Mai 1933 in einer Hütte, die aus einem einzigen Raum bestand, geboren. Seine Eltern trennten sich, als er vier Jahre alt war. Die Mutter verließ die Familie und James war den ganzen Tag über sich selbst überlassen, weil sein Vater immer arbeitete. „Ich glaube, wenn man als Kind so viel allein ist“, so sagte die Soul-Legende rückblickend in einem Interview, „dann wirkt sich das sehr stark aus.“ Niemand war für ihn da, keiner, mit dem er reden konnte. „Das hat mich für immer geprägt, das hat mich innerlich unabhängig gemacht. Ganz gleich, was mir später noch alles passierte – meine Zeit im Gefängnis, private Probleme, die Schikanen der Regierung – ich konnte mich immer in mich selbst zurückziehen.“

Mit sechs Jahren wurde James zu seiner Tante Minnie nach Augusta, Georgia, gebracht. Sie betrieb ein Bordell und der kleine James sah dort jede Menge Halbwelt: Glücksspiel, illegale Schnapsbrennereien und Prostitution. Als Jugendlicher tanzte er für kleines Geld, putzte Schuhe, sang in der Kirche und fing an zu stehlen. Ein paar mal schickten sie ihn von der Schule nach Hause, weil er nicht ordentlich gekleidet war. Klingt tragisch, aber im Vergleich zum Lebenslauf von Brown verblasst so manche Gangsterrapper-Biographie. Die Polizei erwischte ihn nach diversen Autoeinbrüchen und er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. „Ich war erst ein paar Monate im Knast, da stellte ich dort ein Gospelquartett zusammen. Gospel zu singen ist eine Art Hilfe für die Seele und machte mich zufrieden.“ Es dauerte nicht lange und die anderen Jungs nannten den rhythmischen Sänger einfach nur Musicbox.

Seine Karriere nahm nach dem Freiheitsentzug ordentlich Fahrt auf. Anfang der 50er Jahre lernte James den Sänger Bobby Bird kennen und dieser nahm Brown in seiner Band The Avons auf. „Du brauchst Macht, um frei zu werden und Freiheit, um kreativ sein zu können“, so lautet die Formel von James Brown über seinen Antrieb, Musiker zu werden.

Mitte der 60er Jahre politisierte sich der Sänger: Er wurde Mitglied bei Bürgerrechtsorganisationen und trat in den Südstaaten nur dann auf, wenn schwarze und weiße Besucher nicht mehr (wie sonst üblich) nach Hautfarben getrennt im Publikum saßen. Was James Brown nicht unterstützte, waren bewaffneter Aufstand und gewalttätige Revolution. Das war nicht sein Ding. Als Martin Luther King 1968 er­­mordet wurde und deshalb Unruhen in den Großstädten befürchtet wurden, rief er in den Medien zur Mäßigkeit auf. „Tun wir nichts, was Dr. King nicht ehrt“, sagte Brown. Später im Jahr 1968 nahm er dann den Song auf, der eine der Hymnen dieser Zeit werden sollte: ›Say It Loud, I‘m Black And I‘m Proud‹