THE WINERY DOGS – Live deutlich beeindruckender als auf Platte

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Das Debüt von The Winery Dogs klingt in seiner Gesamtheit etwas fad und wenig dynamisch. Eigentlich unverständlich, wenn man sich die Namen der beteiligten Musiker anschaut: Billy Sheehan, Mike Portnoy und Richie Kotzen, drei Männer mit einer exzellenten Reputation und bahnbrechendem Einfluss auf Heerscharen junger Musiker. Dass die Platte nicht der Maßstab für das Schaffen der Herren ist, wird an diesem Abend im halbvollen Substage deutlich. Das Publikum setzt sich, wie man während der Umbaupause unschwer aus den Fachgesprächen „erhören“ kann, aus vielen Musikern und Equipment-Junkies zusammen. Eigentlich kein Wunder, denn wann kann man schon den Basser aller Basser Billy Sheehan oder eben Über- drummer Mike Portnoy aus solch einer Nähe erleben?

Mr. Portnoy versteckt sich nicht wie zu Dream- Theater-Zeiten hinter einem Monstrum von Drumkit, sondern liefert perfekte Arbeit auf einem eher minimalistischen Set ab, das man erst mit Konzertbeginn aufdeckt. Unspektakulär, aber selbstbewusst entern sie die Bühne und beginnen den Abend mit dem Album-Opener ›Elevate‹. Mr. Sheehan brilliert mit unglaublicher Fingerakrobatik auf seinem Bass, während Gitarrist und Sänger Richie Kotzen eher ein Schattendasein führt. Sein Gesang ist ziemlich eindimensional, eine wirklich gute Stimme ist das nicht, aber sie hat Charme. Seine guten Momente hat er eher bei den bluesigen, ruhigen Stücken. Sein Gitarrenspiel ist geprägt von wenigen, aber umso überzeugenderen Soloeinlagen. Hier merkt man deutlich, dass Kotzen aus der härteren Riffecke kommt, denn genau diese Passagen funktionieren am besten.

Dass jeder der Herren sein Solo bekommt, ist klar. Portnoy, mit einem Dauergrinsen im Gesicht, liefert eine kurze, aber souveräne Vorstellung seines Könnens, was in letzter Konsequenz aber erkennen lässt, dass er vom spielerischen Anspruch der Combo unterfordert ist. Kotzens Solo gerät knackig und ebenfalls sehr kurz, Sheehan ist der Gewinner des Abends. Was dieser Mann am Bass abspult, muss man gesehen haben! Gigantisch.

Dass The Winery Dogs ihr komplettes Debüt runterzocken, ist wenig überraschend bei diesem knapp 95-minütigen Auftritt. Kotzen erfreut jedoch bei einer Akustikeinlage noch mit dem Anspielen des Poison-Hits ›Stand‹ (den er 1991 mitschrieb), der fließend übergeht in eine Eigenkomposition namens ›You Can’t Save Me‹. Abgerundet wird der Abend mit einer Coverversion von Elvin Bishop (›Fooled Around And Fell In Love‹) und dem Powergroover ›Desire‹. Fazit: Live ist dieses Trio unschlagbar.

Text:
Jürgen Tschamler