Werkschau: Kiss

Der Blick hinter die Plateausohlen und das Make-up offenbart eine Band mit einem glücklichen Händchen für klassische Hymnen. In 40 Jahren haben Kiss mehr als 100 Millionen Platten verkauft und dabei einige der besten Rockalben aller Zeiten erschaffen.

Sie waren nicht die erste Rock‘n‘Roll-Band mit einer starken visuellen Identität: Die Beatles hatten ihre Pilzköpfe und Dandy-Anzüge. Sie waren auch nicht die Wegbereiter in Sachen Theatralik im Rock: Bowie und Alice Cooper waren ihnen zuvor gekommen. Aber wenn es eine Band gibt, die die Macht des Images im Rock‘n‘Roll und die Pflicht, eine Show abzuziehen, verstanden und genutzt hat, dann sind es Kiss.

Mit bemalten Gesichtern, ausgeflippten Kostümen und knapp 20 cm hohen Plateausohlen traten sie in den 70ern wie Superhelden direkt aus einem Comic ins Rampenlicht. Sie hatten auch Superheldennamen: Rhythmusgitarrist und Leadsänger Paul Stanley nannte sich „The Starchild“, Bassist Gene Simmons „The Demon“, Leadgitarrist Ace Frehley „The Space Ace“ und Schlagzeuger Peter Criss „The Catman“.

Und was sie auf der Bühne präsentierten, war die grandioseste Show des Planeten, mit Explosionen, Blut, Feuerspucken, einer Gitarre, die Raketen abschoss… Auf einem Kiss-Konzert durfte man daran glauben, dass ein Mensch fliegen konnte.

Im Kern dieses Spektakels war eine durch und durch amerikanische Rockband. Während ernsthafte Musikfans (und natürlich die Kritiker) sie als wenig mehr als einen Zirkusakt abtaten, verkauften Kiss nicht aus reinem Zufall 100 Millionen Platten. Im umfangreichen Backkatalog der Band finden sich einige der großartigsten und einflussreichsten Rockalben aller Zeiten.

In den 40 Jahren seit ihrem Debüt erschienen weitere 19 Studioalben, zahlreiche Live-Mitschnitte und Compilations sowie – am ambitioniertesten von allen – vier Solowerke der vier Originalmitglieder, die alle am selben Tag erschienen: 18. September 1978.

Ein Großteil des klassischen Kiss-Materials stammt aus den 70er Jahren, aber im folgenden Jahrzehnt – mittlerweile ohne Ace Frehley und Peter Criss, vor allem aber ohne das Make-up – ritten Kiss auf der Glam-Metal-Welle, die sie in so großem Maße inspiriert hatten.

Als Paul Stanley und Gene Simmons Anfang 1973 in New York die Band gründeten, waren ihre größten Einflüsse britisch, von den Beatles und Stones über Led Zeppelin bis hin zu The Who und Slade. Kiss ihrerseits beeinflussten damit eine Generation von Rockmusikern, vor allem in den USA. Ihre Musik wurde zur Inspiration für so verschiedenartige Bands wie Mötley Crüe, Anthrax, Pantera und die Stone Temple Pilots.
1990 coverten Nirvana ›Do You Love Me?‹, 2014 werden beide Bands in die Rock‘n‘Roll Hall Of Fame aufgenommen, bei einer Zeremonie in New York – wo die Kiss-Story vor so vielen Jahren begonnen hatte.

Unverzichtbar

KISS
Casablanca, 1974

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Als am 18. Februar 1974 das erste Kiss-Album erschien, war ihr Make-up-Design noch nicht perfektioniert – die Musik war dafür schon formvollendet. Von Beginn an schrieben Kiss Hymnen. Sieben Stücke dieser Platte sollten zu Klassikern werden: ›Strutter‹, ›Cold Gin‹, ›Firehouse‹, ›Deuce‹, ›Nothin‘ To Lose‹, ›100,000 Years‹ und ›Black Diamond‹. Trunkenbold Frehley schrieb ›Cold Gin‹, hatte aber nicht den Mut, es zu singen. Den Job übernahm der strikte Abstinenzler Simmons. KISS war zwar kein Hit – höchste US-Chartposition: 87 –, doch neben AEROSMITH, MONTROSE und VAN HALEN gilt es heute als eines der klassischen Debütalben der 70er.

ALIVE!
Casablanca, 1975
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Dieses Live-Doppelalbum machte Kiss endlich zu Superstars. Ihre ersten beiden Studiowerke waren gefloppt, das dritte erreichte die US-Top-40, hatte aber keine Hitsingle. Ein Live-Mitschnitt war eine natürliche Wahl für eine Band, die sich ihren Namen auf der Bühne gemacht hatte, aber als Doppel-LP ein kostpieliges Risiko. Was sich aber auszahlte, als ALIVE! die Top 10 enterte. Eine Tour de Force, mit der sich Kiss endlich als Arenarock-Titanen etablierten – was nichts so gut unterstrich wie der ultimative Crowdpleaser ›Rock And Roll All Nite‹, der ihre erste Hitsingle wurde. ALIVE! war nichts weniger als die Geburt einer Legende.

DESTROYER
Casablanca, 1976
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Mit ihrem vierten Album griffen Kiss nach den Sternen und erschufen ihr Meisterwerk. Die drei Vorgänger waren simpler, schnell zusammengeschusterter Rock‘n‘Roll. Für DESTROYER stellten sie Bob Ezrin ein, Produzent von Alice Cooper und Lou Reed. Das Ergebnis: Kiss klangen größer, besser, smarter. ›Detroit Rock City‹ war eine Dampfwalze, ›God Of Thunder‹ ein Epos, das seinen Titel verdient – von Stanley geschrieben, aber auf Ezrins Befehl von Simmons gesungen, wurde es zum Erkennungssong des Bassisten. Ezrin machte aus einem kitschigen Liebeslied die Hitballade ›Beth‹. „Ein ambitioniertes Album“, sagte Stanley, „und es hat die Zeit überdauert.“

ALIVE II
Casablanca, 1977
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Zwei Jahre nach dem großen Durchbruch mit ALIVE! kam der Nachfolger, der ebenfalls zum Blockbuster wurde. ALIVE II wurde auf der „Love Gun“-Tour aufgenommen und erreichte Platz 7, zwei Positionen höher als ALIVE!. Es gab das Live-Erlebnis auch besser wieder, denn die Band klang bei ›I Stole Your Love‹, ›Shout It Out Loud‹ und ›Makin‘ Love‹ wesentlich kraftvoller. Das Publikum war hysterischer, das Vinyl-Gatefold-Cover zeigte Kiss in ihrem ganzen, grandios überzogenen Bühnen-Glamour. Dazu gab es fünf neue Studiostücke. Das beste davon, Frehleys ›Rocket Ride‹, ist ähnlich benebelt wie der Mann selbst.

Wunderbar

HOTTER THAN HELL
Casablanca, 1974
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Das zweite Kiss-Album war erneut ein Flop. HOTTER THAN HELL kam in den USA nicht über Platz 100 hinaus – und ist dennoch eine ihrer wichtigsten Platten. Die Produzenten Kenny Kerner und Richie Wise, die auch schon beim Debüt an den Reglern saßen, gaben dem Werk die Schroffheit des Garage Rock. ›Parasite‹ wurde später von Anthrax gecovert, Gene Simmons‘ schräge Ballade ›Goin‘ Blind‹ („I‘m 93, you‘re 16) von den Grunge-Querdenkern Melvins. Höhepunkte waren zwei Songs von Paul Stanley: ›Got To Choose‹, eines der coolsten Stücke der Bandgeschichte, und der stampfende Titeltrack, inspiriert von Frees ›All Right Now‹.

DRESSED TO KILL
Casablanca, 1975
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Das dritte Album war ihre reinste Rock‘n‘Roll-Platte, mit reduziertem Sound und einem spontanem Feeling, das der bekannteste Track auf den Punkt brachte: ›Rock And Roll All Nite‹. Neil Bogart, Boss von Casablanca Records, legte selbst Hand an und koproduzierte DRESSED TO KILL mit der Band. Es klang sauberer und wuchtiger als der Vorgänger HOTTER THAN HELL. Frehley kommentierte es so: „Diese Platte hat viel Energie“. Sie hat auch tolle Songs: ›Room Service‹, ›Rock Bottom‹, ›C‘mon And Love Me‹ und, natürlich, ›Rock And Roll All Nite‹. Das Cover, auf dem die Jungs in Anzügen posieren, ist ebenfalls ein Klassiker.

ROCK AND ROLL OVER
Casablanca, 1976
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Acht Monate nach DESTROYER kehrten Kiss mit dem symbolisch betitelten ROCK AND ROLL OVER zurück. DESTROYER war als Sellout wahrgenommen worden. „Die Fans hassten es“, sagte Simmons. Die Band reagierte darauf, indem sie all die Gimmicks über Bord warf, um zu dem zurückzukehren, was Stanley als „das Primitive“ an ALIVE! bezeichnete. Zu diesem Zweck wurde ROCK AND ROLL OVER im verlassenen Star Theatre in New York mit Eddie Kramer, dem Produzenten von ALIVE!, aufgenommen. Die Atmosphäre war perfekt für die knackigen, geradlinigen Rocksongs wie ›I Want You‹ und ›Calling Dr. Love‹.

ACE FREHLEY
Casablanca, 1978
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Es gab einen Witz über die Kiss-Soloalben: Sie wurden in Platin-Stückzahlen ausgeliefert und kamen in Doppelplatin zurück. Gene Simmons brachte Licht ins Dunkel und sagte zu CLASSIC ROCK: „Jedes davon verkaufte sich mindestens eine Million mal.“ Die Überraschung – und ein echter Tritt in die Eier für Simmons und Stanley – war, dass Frehleys Album das erfolgreichste wurde. Der unberechenbare Gitarrist landete mit seiner Fassung des Russ-Ballard-Songs ›New York Groove‹ sogar einen Top-20-Hit. Ace lieferte eine krachende, testosteronschwere Hardrockplatte ab, auf der auch sein schräger Humor durchschimmerte.

LOVE GUN
Casablanca, 1977
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Auf ihrem sechsten Studioalbum sangen erstmals alle vier Mitglieder. Es war die letzte Platte, auf der das Original-Line-up auf jedem Stück zu hören war. Auf ALIVE II war Frehley bei den meisten Studiotracks abwesend, Criss spielte bei DYNASTY nur auf einem Lied. Auf LOVE GUN klangen sie aber immer noch tight. Das Titelstück ist der ultimative Ausdruck von Stanleys übersexualisierter Persönlichkeit und ein Klassiker der Band. Auf ›Shock Me‹ sang Frehley erstmals Lead und klang mühelos cool – oder vielleicht einfach nur besoffen. Criss kredenzt uns auf ›Hooligan‹ den Zweizeiler: „I‘m a hooligan/Want to go to school again…“

CREATURES OF THE NIGHT
Casablanca, 1982
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Ganz einfach betrachtet, ist CREATURES OF THE NIGHT das härteste Kiss-Album. 1982 war Frehley schon ausgestiegen. Auf dem Cover war er nur noch zu sehen, um die Fans nicht zu verunsichern, während die Popularität der Band nachließ. Hinter den Kulissen bewarben sich mehrere Gitarristen, auch Eddie Van Halen war kurzzeitig im Rennen. Letztlich bekam Vinnie Vincent den Job, der drei Stücke mitschrieb und aufnahm. Irgendwie kamen Kiss damit durch. Das Album war zwar kein Hit, stellte aber ›I Love It Loud‹, ›War Machine‹ und dem Titelstück die Glaubwürdigkeit der Band wieder her.

LICK IT UP
Mercury, 1983
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Es war die große Offenbarung: Das Make-up war runter. Und wie das Magazin „Sounds“ unkte: „Die haben sich als ganz schön hässliche Bastarde herausgestellt“. Die Neuerfindung von Kiss war Stanleys Idee, und sie funktionierte. Ab 1983 gelang der Band ein erstaunliches Comeback. Nachdem sie den Albumtitel UNMASKED schon verwendet hatten, benannten sie es nach einem klassischen Kiss-Stück LICK IT UP. Schneller, protziger Heavy Metal, auf den Punkt gebracht in Simmons‘ ›Young And Wasted‹. Stanleys Rap auf ›All Hell‘s Breakin‘ Loose‹ war dagegen weniger beeindruckend.

REVENGE
Mercury, 1992
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Das 16. und am wenigsten geschätzte Kiss-Album war Eric Carr gewidmet, dem Schlagzeuger, der zehn Jahre in der Band war, bevor er am 24. November 1991 einem Krebsleiden erlag. Doch mit dem einstigen Black-Sabbath-Drummer Eric Singer als Ersatz und Produzent Bob Ezrin positionierten sich Kiss in einer Zeit, in der Grunge alles regierte, geschickt neu. Der düstere Opener, Simmons‘ ›Unholy‹, etablierte einen schwereren Sound, während ›God Gave Rock‘n‘Roll To You II‹, die Neufassung eines Argent-Stücks, im klassischen Kiss-Stil aufgeblasen, im UK zu einem Top-5-Hit wurde.

SONIC BOOM
Roadrunner, 2009
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Elf Jahre waren seit dem letzten Studioalbum vergangen und Paul Stanley wild entschlossen, explosiv zurückzukehren. „SONIC BOOM ist der perfekte Titel“, sagte er. „Es lässt die Erde wackeln und macht dich taub!“ Gitarrist Tommy Thayer debütierte und durfte auf einem Stück sogar Leadvocals singen. Stanley landete Volltreffer mit dem von Zeppelin beeinflussten ›Modern Day Delilah‹ und dem triumphalen ›Say Yeah‹. Simmons wiederum war mit dem spöttischen ›Russian Roulette‹ in Bestform. 2012 folgte das 20. Studioalbum MONSTER, das nicht schlecht war, doch nicht ganz so gut wie SONIC BOOM.

Anhörbar

PAUL STANLEY
Casablanca, 1978
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Von den vier Soloalben klang Paul Stanleys am meisten wie Kiss. Im Prinzip war es nur die Fortführung seiner Rolle als Hauptsongwriter und -sänger der Band. ›Tonight You Belong To Me‹ ist ein sensationeller, emotionaler Song – Stanley hält ihn für einen seiner besten. ›It‘s Alright‹ ist ebenfalls Kickass-Kiss in Reinkultur. Auf zwei Stücken wollte er dann aber doch neue Grenzen ausloten. ›Take Me Away (Together As One)‹ ist das tiefgängigste Lied, das er je schrieb, und ›Hold Me, Touch Me (Think Of Me When We‘re Apart)‹ ist unglaublich kitschig. Unterm Strich das beste Kiss-Album, das Kiss nie gemacht haben.

GENE SIMMONS
Casablanca, 1978
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Wo Stanley und Frehley mit ihren Soloalben in sicheren Gewässern blieben, begab sich Simmons auf neues Terrain. Er verpflichtete ein Starensemble mit Joe Perry, Bob Seger, Donna Summer und seiner damaligen Freundin Cher. Andere auf seiner Wunschliste waren nicht verfügbar: Lennon und McCartney. Simmons sagte später, sein Album sei „inkohärent“, aber es beinhaltet ein paar seiner besten Stücke: ›Radioactive‹, ›Man Of 1,000 Faces‹ und die Beatles-Hommage ›See You Tonite‹. Und bei seiner Coverversion von ›When You Wish Upon A Star‹ aus Walt Disneys „Pinocchio“-Film musste er sogar beim Singen im Studio weinen.

DYNASTY
Casablanca, 1979
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Timing ist alles. 1979 starten Rockfans die Protestkampagne „Disco sucks!“ Bei einen Baseballspiel in Chicago wird eine Kiste voller verhasster Alben, größtenteils von den Bee Gees, auf dem Spielfeld in die Luft gejagt. Und im selben Jahr veröffentlichen Kiss eine Disco-Nummer. ›I Was Made For Loving You‹ war eine brillante Synthese aus Disco und Hardrock und wurde zum US-Top-20-Hit. Das dazugehörige Album DYNASTY erreichte die Top 10. Aber dieses eine Stück entfremdete viele Kiss-Fans und leitete den Niedergang der Band in Amerika ein. Dennoch ist DYNASTY ein gutes Album mit genialen Pop-Rock-Songs.

UNMASKED
Casablanca, 1980
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UNMASKED ist ein fantastisches Pop-Rock-Album, auch wenn es Paul Stanley anders sieht: „Wir verloren unsere Eier“. DYNASTY und UNMASKED waren von Vini Poncia produziert worden, der mit Ringo Starr und an Peter Criss‘ Soloalbum gearbeitet hatte. Rückblickend fand Stanley, dass Poncia Kiss die Zähne gezogen hatte. Doch es gibt tolle Songs auf UNMASKED: Stanleys Powerpop-Geniestreich ›Tomorrow‹, Simmons‘ ›Naked City‹, sogar Frehleys verrücktes ›Torpedo Girl‹. Criss war zwar auf dem Albumcover zu sehen, eingespielt hatte es aber Schlagzeuger Anton Fig. Als UNMASKED im Mai 1980 erschien, war Criss schon nicht mehr in der Band.

CRAZY NIGHTS
Vertigo, 1987
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Durch den Großteil der 80er war es in erster Linie Paul Stanley, der Kiss am Laufen hielt, während sich Gene Simmons als Schauspieler versuchte, andere Künstler produzierte und managte. Der Erfolg von CRAZY NIGHTS war allein Stanleys Verdienst. Im Gegensatz zu ANIMALIZE von 1984 (dem einzigen Kiss-Album mit Gitarrist Mark St. John) und ASYLUM von 1986 (auf dem Bruce Kulick debütierte) hatte CRAZY NIGHTS einen poppigeren Sound mit viel Keyboard. Stanley lieferte drei starke Singles ab: die Powerballade ›Reason To Live‹, das euphorische ›Turn On The Night‹ und ›Crazy Crazy Nights‹, ein Top-5-Hit und ein Klassiker des 80s-Hair-Metal.

HOT IN THE SHADE
Vertigo, 1989
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14 Jahre nach ihrem größten US-Hit ›Beth‹ kehrten sie mit einer weiteren Ballade in die Top 10 zurück: ›Forever‹ – dem Highlight auf HOT IN THE SHADE. Es war das einzige Album ihrer Karriere, auf dem sie bei jedem Track Co-Autoren hatten. Stanley schrieb ›Forever‹ mit Michael Bolton und ›Hide Your Heart‹ mit Desmond Child und Holly Knight. Dieser AOR-Klassiker wurde 1989 auch von Ace Frehley aufgenommen. Unter den 15 Stücken befanden sich aber auch einige Ausfälle, inklusive zwei, die Simmons mit dem zukünftigen Kiss-Gitarristen Tommy Thayer geschrieben hatte.

 

Sonderbar

PETER CRISS
Casablanca, 1978
peter criss

Es war nicht das schlechteste Drummer-Soloalbum aller Zeiten – diese Auszeichnung geht an Keith Moons TWO SIDES OF THE MOON. Aber es war zweifelsohne das schlechteste der Kiss-Soloalben. Criss, ein Fan von Pop und Soul, verwandelte sich hier in einen MOR-Crooner und servierte seichte Zehenwipper wie ›Don‘t You Let Me Down‹ und ›That‘s The Kind Of Sugar Papa Likes‹. Das beste Stück ist die Ballade ›I Can‘t Stop The Rain‹, geschrieben vom langjährigen Freund der Band Sean Delaney und perfekt auf Peters raue Stimme zugeschnitten. Zum Entsetzen der Kiss-Fans war dies jedoch Musik, die ihre Eltern mochten.

PSYCHO CIRCUS
Mercury, 1998
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1996 wurden die Gebete der Kiss-Fans erhört. Das Original-Line-up startete wieder durch und tourte mit riesigem Erfolg. Zwei Jahre später folgte PSYCHO CIRCUS, das erste Kiss-Album seit 1979 mit Ace Frehley und Peter Criss. Doch der Eindruck täuschte. Criss spielte nur auf einem Stück, Frehley auf zwei. Paul Stanley gab später zu: „Es gab keine echte Band.“ In den USA kam das Album in die Top 10 und hatte durchaus gute Songs: Frehleys ›Into The Void‹ oder Simmons‘ ›We Are One‹. Aber so vieles hier klang so hohl und gekünstelt – ›You Wanted The Best‹ war nichts als ein Werbejingle. Lausig.

 

Kiss 1993