Werkschau: Josh Homme

Von Kyuss bis zu Queens Of The Stone Age, von Eagles Of Death Metal bis zu Them Crooked Vultures und diversen Projekten: Edelsteine pflastern seinen Weg. Frisch poliertund ins rechte Licht gerückt.

PortraitsEinen profilierteren zeitgenössischen Musiker als Josh Homme zu finden, dürfte schwer werden: Seit Gründung der Doom-Avatare Kyuss im Jahr 1987 war der Kalifornier die treibende Kraft hinter den Stoner-Königen Queens Of The Stone Age, dem experimentellen Kollektiv The Desert Sessions, der Garagen-Thrash-Combo Eagles Of Death Metal und noch dazu Mitglied der Supergroup Them Crooked Vultures. Ganz zu schweigen von all den Projekten, die er mit Hochkarätern wie Trent Reznor, den Foo Fighters, Masters Of Reality, Primal Scream, Mastodon und Mondo Generator auf die Beine stellte.

Falls es ein gemeinsames Bindeglied zwischen all diesen ruhelosen Wanderungen geben sollte, dann ist es sicherlich Hommes ausgeprägte Neugier auf neue Klänge und Texturen.

Und: Homme weiß, wann der Zeitpunkt gekommen ist, weiterzuwandern. Als er 1995 Kyuss urplötzlich das Lichtlein ausblies, sagte er: „So was tut man besser, während es noch gut läuft und bevor man zusehen muss, wie es den Bach runtergeht.“

Kyuss sorgten erstmals für Furore, als sie nächtliche „Generator-Parties“ veranstalteten, für die sich Homme und seine Gäste in einen abgelegenen Winkel der Wüste zurückzogen, ein Stromaggregat anwarfen und bis zum Sonnenaufgang improvisierten. Ihr zweites Album, BLUES FOR THE RED SUN, wurde 1992 aufgenommen, als Homme gerade erst 19 Jahre alt war, und avancierte mit seinen bebenden Gitarrenriffs zu einem Schlüsseltext der Stoner-Rock-Bibel.

Zwei Alben später waren sie verschwunden. Homme begleitete die Screaming Trees als Tour-Gitarrist, bevor er in der Mojave-Wüste seine Desert Sessions abhielt, eine Reihe spontaner Jam-Sessions mit Mitgliedern von Monster Magnet, Soundgarden und Kyuss. Einmal währte der Magic-Mushroom-Rausch mehrere Tage…

1996 gründete er die Queens Of The Stone Age, dem grandiosen Debüt folgte 2000 das mitreißende RATED R. Drei Alben später, begleitet von weiteren Veröffentlichungen der Eagles Of Death Metal sowie dem überbordenden Debüt des Allstar-Projekts Them Crooked Vultures mit Dave Grohl und John Paul Jones, zeigt Homme noch immer keine Ermüdungserscheinungen. Ein neues QOTSA-Album wird im Sommer erscheinen. Gerüchten zufolge, soll es recht „speziell“ sein, selbst nach Hommes Maßstäben. „Musik ist niemals falsch“, hat er einmal gesagt: „Vielleicht magst du sie nicht, aber sie ist dennoch nicht falsch. Sie ist einfach der großartigste Weg, etwas auszudrücken.“

Unverzichtbar

Kyuss – BLUES FOR THE RED SUN
DALI, 1992

Kyuss - Blues For The Red SunSeinerzeit angepriesen als eine „frische Bong-Ladung kraftvoller, schweißtreibender und langhaariger musikalischer Rettung“, ist Kyuss’ zweites Album ein Meilenstein des Stoner Rock. Der erdbebengleiche Sound wird von der donnernden Rhythmus-Sektion aus Nick Oliveri und Brant Bjork ebenso angetrieben, wie von Hommes tiefergelegter Gitarre. Songs wie ›Green Machine‹ und ›Mondo Generator‹ zitieren den unorthodoxen Lärm von Black Flag und den Brad Brains sowie Black Sabbath und Blue Cheer. Die durchgeknallten Texte sind Nebensache. Der kommerzielle Erfolg hielt sich zwar in Grenzen, doch der Einfluss auf den Metal der Post-Grunge-Ära war unermesslich groß.

Queens Of The Stone Age – SONGS FOR THE DEAF
INTERSCOPE, 2002

QOTSA - Songs For The DeafDass bei diesem Konzeptalbum über eine Reise durch die kalifornische Wildnis, unterbrochen von parodistischen Kleinstadt-radio-Sendungen, befreundete Schwergewichte wie Mark Lanegan, Dave Grohl und Lux Interior mitmischten, unterstreicht Hommes unverkrampften Ansatz, Musik zu machen. Ironischerweise markierte dieses Album den Durchbruch für die Queens Of The Stone Age und platzierte sich sowohl in den deutschen und britischen Top 10, als auch in den US-Top 20. Grohls muskulöses Schlagzeugspiel treibt die ganze Sache vorwärts, ›No One Knows‹ und ›Go With The Flow‹ gerieten zu nahezu perfekten Fusionen aus rauen Melodien und granithartem Rock.

Wunderbar

Kyuss – WELCOME TO SKY VALLEY
ELEKTRA, 1994

Kyuss - Welcome To Sky ValleyDer Nachfolger von BLUES FOR THE RED SUN markierte den Wechsel zu einem Major-Label. Josh Homme hatte noch dazu eine ganz neue Schrulle entwickelt: Um den Space-Rock-Appeal seiner Band zu betonen, teilte er Songs in mehrere Akte, die Titel wie ›Asteroid‹, ›Space Cadet‹ und ›Odyssey‹ trugen. Letzterer bot alles, was den klassischen Kyuss-Sound ausmachte: Gitarrenbreitseiten aus der Wüste, umwerfend kraftvolle Rhythmen, seltsam psychedelische Passagen und ellenlange Melodielinien. Das letzte wirklich große Werk von Kyuss.

Queens Of The Stone Age – QUEENS OF THE STONE AGE
LOOSEGROOVE, 1998

QOTSA - Queens Of The Stone AgeEigenartig, warum Homme das QOTSA-Debüt als „Roboter Rock“ bezeichnete. Tatsächlich war es der Versuch, dem weitschweifigen Sound von Kyuss ein kompakteres Klangbild zu verpassen, fokussiert auf harte Riffs, Fuzz-Gitarren und ein staubiges Wüstenambiente. Seine Qualitäten als Songwriter stellte Homme mit ›Regular John‹, dem poppigen ›You Would Know‹ und ›Walkin’ On The Sidewalks‹ unter Beweis. Mit ›You Can’t Quit Me Baby‹ ließ er eine überragende Jam-Session vom Stapel, ergänzt um impressionistischen Gesang und freiformale Rhythmen.

Queens Of The Stone Age – RATED R
INTERSCOPE, 2000

QOTST - Rated RMit dem zweiten Album gelang QOTSA zwar nicht der ganz große Durchbruch, aber immerhin waren kleinere Hits wie ›The Lost Art Of Keeping A Secret‹ und das unwiderstehliche ›Feel Good Hit Of The Summer‹ an Bord. Letzteres, mit Rob Halford als Background-Sänger, wurde nach einer Dreitagesparty geschrieben und drehte sich nur um Drogen. Die Screaming Trees Mark Lanegan und Barrett Martin sorgten für einen psychedelischen Touch, doch grundsätzlich prallte hier der metallische Furor von Kyuss auf Hommes melodischere und experimentellere Seite.

Them Crooked Vultures – THEM CROOKED VULTURES
INTERSCOPE, 2009

Them Crooked VolturesAls man dachte, Supergroups seien mausetot, kamen Them Crooked Vultures um die Ecke. Die Kombination aus Homme, John Paul Jones und Dave Grohl hätte in eine Manifestation der Eitelkeit münden können, funktionierte allerdings viel besser, als man zu hoffen gewagt hatte. Mit Homme als Sänger und Gitarrist entstand ein Album voller Querverweise an QOTSA, die Foo Fighters und den Clavinet-Sound Led Zeppelins, ergänzt um Psychedelic der 60er Jahre, James Brown mit Turboaufladung und sogar Anleihen bei David Bowies Berlin-Ära.

Anhörbar

The Desert Sessions – VOL. 7 & 8: GYPSY MARCHES / CAN YOU SEE UNDER MY THUMB?
SOUTHERN LORD, 2001

Desert Sessions - Vol.7Aus den zehn zwischen 1997 und 2003 aufgenommenen Desert Sessions ist GYPSY MARCHES die beste Wahl, denn hier kommt Hommes Idee der kollektiven Improvisation mit gleichgesinnten Freunde zu voller Blüte. Eingespielt auf seiner Ranch in Joshua Tree, entstanden schräge Songs voll orientalischer Exotik. Mark Lanegan besingt mit gravitätischer Stimme den ›Hanging Tree‹, weitere Perlen sind ›The Idiot’s Guide‹ und ›Don’t Drink Poison‹. Klingt summa summarum wie eine Garagenband auf LSD-Trip im Mondenschein.

Eagles Of Death Metal – DEATH BY SEXY
DOWNTOWN, 2006

Eagles Of Death MetalHommes Kollaboration mit seinem Schulfreund Jesse Hughes war die perfekte Gelegenheit, die gemeinsame Liebe zum sleazigen Rock auszuleben. Auf dem zweiten und besten ihrer bisherigen drei Alben verlustieren sie sich mit Songs über miese Frauen und noch miesere Moralvorstellung-en. Hommes Süße, Brody Dalle, lässt die Temperatur weiter steigen, ebenfalls dabei sind Jack Black, Mark Lanegan, Liam Lynch sowie die QOTSA-Kumpels Joey Castillo und Troy van Leeuwen. Echte Steherqualitäten haben das angemessen ölige ›I Want You So Hard (Boy’s Bad News)‹ und die Elvis-Parodie ›Chase The Devil‹.

Queens Of The Stone Age – ERA VULGARIS
INTERSCOPE, 2007

QOTSA - Era VulgarisDie trüben Klänge des 2005er-Albums LULLABIES TO PARA-LYZE waren das Nachspiel zu dem, was Homme den Tief-punkt ihrer Karriere nannte. Ganz anders ERA VULGARIS, das mutig, kraftvoll und innovativ klang. Bösartige Beats wurden zu pumpenden Rhythmen verkettet, die geradlinigen Songs brillierten mit furiosen Gitarren-licks und einem frisch entdeckten Hang zu scharfkantiger Electronica. Mark Lanegan verstärkte auch dieses Album, das Homme in seiner unnachahmlich rätselhaften Art so beschrieb: „Dunkel, hart und elektrisch wie ein Bauarbeiter.“

Sonderbar

Kyuss – WRETCH
DALI, 1991

maxresdefaultNach der vielversprechenden Acht-Song-EP SONS OF KYUSS deutete das Debüt zwar in die richtige Richtung, konnte die Erwartungen aber nicht erfüllen. Selbst die herausragenden Stücke ›Son Of A Bitch‹ und ›The Law‹ leiden unter der dünnen Produk-tion, die Gitarre klingt kratzig, der Bass ist bisweilen komplett un-hörbar. Zudem schafft es WRETCH nicht, die aggressive Intensität zu transportieren, die Kyuss in ihren besten Momenten auszeichnete. Homme hat aber noch weitere Aufnahmen zu verantworten, die nicht so recht funktionieren, etwa Kyuss’ finales, ziemlich lustloses Album …AND THE CIRCUS LEAVES TOWN.