Werkschau: Bad Company/Free

Mit ihrem Hit ›All Right Now‹ schuf die britische Blues Rockband Free einen musikalischen Meilenstein. Doch auch der Rest ihrer Diskographie kann sich mehr als sehen lassen. Nach dem Ende der Band gründeten Paul Rodgers und Simon Kirke Bad Company, um nahtlos an die Erfolge mit Free anzuknüpfen. Seit 2002 existiert die Band wieder in Originalbesetzung.

Bad CompanyFree und Bad Company zählen zu den wichtigsten Bluesrockgruppen Englands. Dabei existierten Free nur fünf Jahre, doch mit ihrem größten Hit ›All Right Now‹ veröffentlichten sie 1970 einen Klassiker, wie es bis heute nur wenige gibt. Mittelpunkt sind Gitarrist Paul Kossoff und Sänger Paul Rodgers, dessen raues, tiefmelodisches Timbre bereits auf dem Debüt TONS OF SOBS (1969) in voller Blüte steht.

Ebenso grandios fallen auch die Folgewerke FREE (1969), vor allem aber FIRE AND WATER (1970) und HIGHWAY (1971) aus, auf denen neben ›All Right Now‹ auch Klassiker wie ›Wishing Well‹ zu finden sind. 1971 verabschiedet sich Rodgers, kehrt aber 1973 zu den Aufnahmen zu HEARTBREAKER zurück. Nach der endgültigen Trennung gründen er und Simon Kirke Bad Company und setzen übergangslos die großen Erfolge fort.

Das selbstbetitelte Debüt lässt die Presse jubeln: „Wo Free mit TONS OF SOBS aufgehörten, kompromisslosen Blues-Rock zu spielen, machen Bad Company weiter“, schreibt das Magazin Sounds.

Der Nachfolger STRAIGHT SHOOTER (1975) setzt die Direktiven unmittelbar fort, das Drittwerk RUN WITH THE PACK (1976) zählt heute noch zu Rodgers Lieblingsalben: „Viele Menschen glauben, dass ich am liebsten an die Zeit der größten Hits zurückdenke. Dabei sind es die unauffälligen Alben, die ich besonders mag. Oder auch RUN WITH THE PACK mit den für meinen Geschmack besten Bad Company-Songs.“ Mit BURNING SKY (1977), DESOLATION ANGELS (1979) und ROUGH DIAMONDS (1982) folgen weitere starke Alben.

Kurz darauf lösen sich Bad Company auf und feiern erst 1986 mit neuem Sänger Steve Howe ein Comeback. Vom kernigen Blues Rock zu Rodgers Zeiten sind die deutlicher gen Mainstream orientierten Werke á la DANGEROUS AGE (1988) oder HOLY WATER (1990) jedoch meilenweit entfernt. Seit 2002 ist die Band wieder mit den Originalmitgliedern Paul Rodgers, Mick Ralphs und Simon Kirke aktiv.

 

Unverzichtbar

FIRE AND WATER
Island, 1970

Fire And WaterAuf dem dritten Free-Album explodieren die Talente der vier Bandmitglieder geradezu. Das Ergebnis: ein absolutes Meister-werk voller Drive, Verve und begeisterndem Blues Rock. Sechs Monate haben Sänger Paul Rodgers, Gitarrist Paul Kossoff, Schlagzeuger Simon Kirke und Bassist Andy Fraser im Frühling 1970 daran in London gearbeitet, die Single-auskopplung ›All Right Now‹ lässt ab Sommer schließlich alle Dämme brechen. Der Song avanciert nicht nur zum erfolgreichsten Hit der Band, sondern gehört zweifelsohne auch zu den zehn wichtigsten Rock-nummern aller Zeiten.

BAD CO.
Atlantic, 1974

Bad CoAls Free im Herbst 1973 die Pforten schließen, öffnen deren Mitglieder Paul Rodgers und Simon Kirke zusammen mit King Crimson-Bassist Boz Bur-rell und Mott The Hoople-Gitarrist Mick Ralphs sofort das Kapitel Bad Company. Das Debüt übertrifft alle extrem hohen Erwartungen: BAD CO. ist ein absoluter Meilenstein der Rock-Annalen, mit acht Songs, die alle für sich absolute Klasse besitzen. Natürlich sind es vor allem der Opener ›Can´t Get Enough‹, das kraftstrotzende ›Bad Company‹ und das treibende ›Movin` On‹, die für extremes Aufsehen sorgen. Ohne Zweifel DER Bad Company-Klassiker!“

 

Wunderbar

TONS OF SOBS
Island, 1969

Tons Of Sobs1969 veröffentlichen Free ihr Debüt TONS OF SOBS und liegen mit ihrer Mischung aus Rock und Blues voll im Trend. Die Band besteht aus blutjungen Musi-kern, die sich dennoch bereits auf ihrem ersten Werk mit ungewöhnlich reifen Kompositionen emanzipieren. Die Plattenfirma scheint zu ahnen, welches Juwel sie da in den Händen hält und spendiert eine nahezu dreimonatige Studiosession. Der Aufwand lohnt sich: Mit ›I´m A Mover‹ und ›Walk In My Shadow‹ sowie einer fabelhaften Coverversion der Booker T-Nummer ›The Hunter‹ sind mindestens drei überragende Songs auf dem Album zu finden.

HEARTBREAKER
Island, 1973

HeartbreakerNach dem Split 1971 kommen Free im Frühjahr 1973 noch einmal zusammen, um erneut ein exzellentes Album vorzulegen. Rodgers ist zurück, allerdings hat Bassist Andy Fraser die Gruppe verlassen, für ihn kommt der Japaner Tetsu Yamauchi. Das Album vereint noch einmal alle Stärken der Gruppe und mündet in ein fantastisches Zusammen-wirken aus Kossoffs heißer Blues Rock-Gitarre und Paul Rodgers sagenhaftem Melodieverständnis. Höhepunkte des Albums sind die packende Single ›Wishing Well‹, die Rodgers-Perlen ›Come Together in The Morning‹ und ›Heartbreaker‹ sowie ›Travelling In Style‹.

STRAIGHT SHOOTER
Atlantic, 1975

Straight ShooterNatürlich können Bad Company einen Meilenstein wie ihr Debüt nicht ohne Weiteres wiederholen. Doch auch STRAIGHT SHOOTER fasziniert mit seinen außergewöhnlichen Songs, in-klusive der drei Übernummern ›Good Lovin` Gone Bad‹, ›Feel Like Makin` Love‹ und ›Shooting Star‹ (mit einem Text über das Schicksal des fiktiven Rockstars Johnny, der dem Druck des Ruhms nicht gewachsen ist). Leider gelingt der Band kein so erdiger Sound wie auf BAD CO., das Album klingt an manchen Stellen etwas klinisch und steril. Dennoch ein würdiger Nachfolger des Debüts.

RUN WITH THE PACK
Atlantic, 1976

Run With The PackFür viele ist es das zweitbeste Album von Bad Company nach dem 74er Debüt. Auch der Fachpresse klang der Vorgänger STRAIGHT SHOOTRER an einigen Stellen zu steif und kalkuliert, während sich das dritte Album wieder durch eine ähnliche kompositorische Gelassenheit wie das Erstwerk auszeichnet. Faszinierende Songs wie ›Simple Man‹, › Honey Child‹, ›Run With The Pack‹ oder ›Silver, Blue & Gold‹ machen RUN WITH THE PACK zu einem Werk, das nicht nur durch einzelne Tracks, sondern durch seine Homogenität und innere Geschlossenheit glänzt.

 

Anhörbar

FREE
Atlantic, 1969

FreeHier spürt man die lange Tour, die Free nach ihrem Debüt absolvierten. Waren Rodgers, Kossoff, Kirke und Fraser gut ein Jahr zuvor bereits tolle Songschreiber und talentierte Einzelkönner, sind sie nun auch als Instrumentalisten gereift – vor allem Kossoff, dem diesmal in seinen zumeist kurzen aber in jeder Note packenden Soli das gesteigerte Selbstbewusstsein anzumerken ist. Die Plattenfirma schickt der Band Chris Blackwell als Produzenten. Dass die Scheibe dennoch hinter den kommerziellen Erwartungen zurückbleibt liegt trotz toller Songs wie ›I´ll Be Creepin‹ oder ›Woman‹ an einer fehlenden Radiosingle.

BURNING SKY
Atlantic, 1977

Burning SkyBURNING SKY verhält sich zu RUN WITH THE PACK ganz ähnlich wie zwei Jahre zuvor STRAIGHT SHOOTER zu BAD CO.: Die Atmosphäre des Vor-gängers kann der Nachfolger zwar nicht bestätigen, gleichwohl ist BURNING SKY ein starkes Folgealbun mit Langzeitwirkung. Dem 1977er Werk fehlen ein wenig die zündenden Ideen, die Band wirkt eine Spur zu routiniert. Dennoch hat auch BURNING SKY ein paar echte Glanzpunkte: Der Titelsong, das pulsierende ›Heartbeat‹ und ›Man Needs Woman‹ sind kernige Bluesrocker, die Balladen ›Morning Sun‹ und ›Peace Of Mind‹ dagegen etwas schwach auf der Brust.

ROUGH DIAMONDS
Atlantic, 1982

Rough DiamondsMöglicherweise würde man ROUGH DIAMONDS als das schwächste Bad Company-Album der Rodgers-Jahre 1973 bis 1983 einstufen, hätte es nicht mit ›Electricland‹ einen alles überragenden Song. Allein diese Nummer rechtfertigt den Kauf der Scheibe, denn so locker, lasziv und flüssig haben Bad Company vorher nur sehr selten und danach nie wieder geklungen. Mit Ausnahme des griffigen ›Old Mexico‹ und dem wunderbar melodischen ›Downhill Ryder‹ fällt der Rest des Albums jedoch eine Spur zu soft aus und wirkt insgesamt ziemlich zahnlos.

 

Sonderbar

WHAT YOU HEAR IS WHAT YOU GET
Megaphon, 1993

what You Hear Is What You GetBesser als ein unbekannter Rezensent im Internet kann man es sicherlich nicht formulieren: „Was die restlichen Bad Co`s Simon Kirke und Mick Ralphs mit ihrem Sänger Brian Howe hier abliefern ist irgendwie rührend und hilflos zu-gleich. Okay, die Songs aus HERE COMES TROUBLE, HOLY WATER oder DANGEROUS AGE kommen noch einigermaßen glaubwürdig rüber. Aber wenn sich Howe an den Bad Co.-Pretiosen ›Shooting Star‹ und ›Feel Like Makin Love‹ sowie ›Can`t Get Enough‹ vergreift, klingt die Band wie eine Bierzeltkapelle.“

 

Traumsampler

Alright Now
Fire And Water

Can’t Get Enough
Bad Co.

Bad Company
Bad Co.

Run With The Pack
Run With The Pack

Wishing Well
Heartbreaker

Feel Like Makin’ Love
Straight Shooter

Fire And Water
Fire And Water

Electricland
Rough Diamonds

Movin’ On
Bad Co.

Oh I Wept
Fire And Water

Burning Sky
Burning Sky

Good Lovin’ Gone Bad
Straight Shooter

Simple Man
Run With The Pack

I’ll Be Creepin’
Free

I’m A Mover
Tons Of Sobs

Shooting Star
Straight Shooter