Wanda Jackson

Wanda_Jackson_Press_Picture_1
Sie war die Geliebte von Elvis, die erste Frau in der Männer-Domäne Rock‘n‘Roll und die Glamour-Queen des Country. Jetzt wagt die 73-jährige Musik-Pionierin ein Comeback – mit Hilfe von White Stripes-Chef Jack White.

Wanda, Hand aufs Herz: Wusstest du, wer Jack White ist, bevor ihr gemeinsam THE PARTY AIN’T OVER aufgenommen habt?
Nun, nicht wirklich. Ich hatte zwar von den White Stripes gehört, und mir war klar, dass Jack populär ist. Aber das war’s dann auch.

Wie despotisch ist er als Label-Boss?
Oh, er hat mich ziemlich unter Druck gesetzt. (lacht) Aber wahrscheinlich brauchte ich das auch. Ich wusste zunächst nicht, was er von mir wollte und bin mit ziemlich gemischten Gefühlen an die Sache rangegangen. Aber sobald ich erkannte, dass er meinen Stil nicht verändern, sondern einfach die Energie der jungen Wanda Jackson wollte, konnte ich das auch liefern. Aber natürlich ist er ein Sklaventreiber und ein Perfektionist. (lacht wieder)

Wobei THE PARTY AIN’T OVER dein gesamtes Stil-Spektrum abdeckt – von Rockabilly bis Country und zurück. Eine Art Werkschau?
Das ist es, was er im Sinn hatte – aber mit frischem Material, statt einfach meine alten Hits aufzuwärmen. Und was ist passiert? Er hat mich ins 21. Jahrhundert katapultiert. Denn irgendwie war ich ja in den Fünfzigern verloren.

Und Bob Dylan hat dir persönlich nahe gelegt, sein ›Thunder On The Mountain‹ zu covern?
Na ja, Jack und er sind Freunde. Er rief Dylan daher an und fragte: „Ich nehme Wandas Album auf – welchen deiner Song soll sie probieren?“ Bob darauf: „›Thunder On The Mountain‹ – unbedingt!“

Ist dir klar, welchen Ruf Amy Winehouse hat, deren ›You Know I’m No Good‹ du auch coverst?
Ich habe gehört, sie soll ein schlimmer Finger sein. (lacht) Und wir haben den Texte zu ›I’m No Good‹ auch ein bisschen entschärft. Die zweite Strophe konnte ich so nicht singen. Ich werde jetzt nicht verraten, worum es da geht – das sollen die Leute selbst herausfinden. Aber Jack hat einen Stift aus der Tasche gezogen und mir in zehn Minuten einen neuen Text geschrieben. Das hat mich wirklich umgehauen.

Verfolgst du aktuelle Trends in der Popmusik – also Lady Gaga und Co.?
Als ich Lady Gaga das erste Mal sah, dachte ich, das sei ein Witz. Bis ich sie singen hörte. Da habe ich erkannt, was für ein Riesentalent sie ist. Sie provoziert natürlich. Aber wahrscheinlich muss sie das auch, um sich durchsetzen zu können. Denn heute musst du um jeden Preis auffallen – sonst wirst du komplett übersehen.

Hat man dasselbe auch über dich gesagt?
Das ist gut möglich. Denn auch ich war in meinen kleinen Kleidern, die schulterfrei und sehr figur­betont waren, ziemlich provokant. Zumindest für die damalige Zeit…