Vorspiel: Gun

Es gibt Bands, die sich reformieren, ohne dass man je mitbekommen hatte, dass sie sich aufgelöst oder noch schlimmer je existiert haben.

Außerhalb der Britischen Inseln wird es wohl vielen so gehen, wenn man den Bandnamen Gun erwähnt, schließlich waren sie vornehmlich in ihrer Heimat angesagt. Gibt man jedoch den Hinweis auf die famose Coverversion von Cameos Überhit ›Word Up!‹, mit der die Schotten auch bei uns in die heavy rotation kamen, wissen die meisten Rockfans, von wem die Rede ist.

Wobei es etwas unfair ist, Gun ausgerechnet auf den einen Hit zu reduzieren, der nicht aus ihrer Feder stammte. Damals, Anfang bis Mitte der neunziger Jahre, konnten sie nämlich mit ihren Alben GALLUS (1992) und SWAGGER (1994) Kritiker wie Fans gleichermaßen mit frischem, unverbrauchtem, jegliche Grunge-Einflüsse abwehrendem Powerrock begeistern. Live waren die Gizzi-Brüder und ihre Band eine sichere Bank, die auch in Deutschland auf eine treue Fangemeinde zählen konnte.

Doch wie so oft war der Hype nicht von Dauer. Nach dem Quasi-Durchbruch mit SWAGGER ebbte das Interesse an der Band ab, bis man 1998 schließlich die Auflösung bekannt gab und sich anderen Projekten widmete.

Diese waren offenbar nicht allzu packend, denn nach zehnjähriger Abwesenheit ohne vorzeigbare Ergebnisse an anderer Stelle wurden Gun 2008 wieder aktiv. Statt der befürchteten Gleichgültigkeit schlug ihnen eine Welle der Begeisterung entgegen, die Reunion-Auftritte wurden zum Triumphzug, der Funke war wieder entzündet.

Nun hätte man sich wohl auf altem Lorbeer ausruhen und als gut gebuchter nostalgia act ein bisschen Spaß mit lukrativen Nebenwirkungen haben können. Doch für die Glasgower war klar, dass man nicht nur bekannte Hits abfeiern, sondern wieder im aktuellen Musik- geschehen mitspielen wollte. Passenderweise heißt das Ergebnis dieser Ambitionen BREAK THE SILENCE, denn hier wird nicht nur ein jahrelanges Schweigen der Band endgültig beendet, das Album tritt auch äußerst forsch auf den Plan und erinnert uns mit Nachdruck daran, wofür man Gun einst so innig geliebt hatte: für ihre unbändige, über- schäumende Energie und hörbare Freude an der Sache. Welcome back!