Unplugged-Special: Die 25 besten Akustik-Alben aller Zeiten

nirvana unplugged 2Willkommen zu unserem Countdown der besten „Unplugged“-Alben – jener (größtenteils) akustischen Juwelen, die den Regler eben nicht bis 11 aufdrehen und genau deshalb so genial sind. Okay, hier und da finden sich noch Spuren von Elektrizität. Niemand wird behaupten, dass GN‘R LIES keine eingestöpselte Seite hatte oder Page und Plant auf UNLEDDED komplett auf Verstärker verzichteten. Doch ihr akustischer Kern machte diese Werke zu dem, was sie sind. Mit ihrem Willen, ihre sanftere Seite zu zeigen, bewiesen die hier versammelten Künstler, dass man keine Wand aus Marshall-Amps braucht, um erstklassige Rockplatten abzuliefern. Und ja, einige von ihnen machten mehr als ein tolles solches Album (Neil Young und Bob Dylan, wir blicken in eure Richtung…), aber wir wollten soviele Stimmen wie möglich feiern, also haben wir die Auswahl auf eine Veröffentlichung pro Act begrenzt. Und jetzt heißt es: mucksmäuschenstill sein und die leise Revolu­tion genießen!

25
J Mascis
SEVERAL SHADES OF WHY
j-mascis-several-shades-of-whyDas Älterwerden brachte eine andere Seite in J Mascis hervor. Der erste Gitarrenheld der Slacker-Generation kehrte dem verzerrten Lärm von Dinosaur jr. den Rücken und brachte ein Soloalbum hervor, das akustische Gitarren und subtile, aber vielsagende Ausschmückungen kunstvoll übereinander schichtete.
Mithilfe einiger gleichgesinnter Kumpels – Kurt Vile, Ben Bridwell von Band Of Horses, Kevin Drew von Broken Social Scene, Pall Jenkins von Black Heart Procession und Geigerin Sophie Trudeau von Godspeed You! Black Emperor – fabrizierte er eine reduzierte Songsammlung, die andeutete, dass er im Herzen vielleicht schon immer ein sensibler Balladenautor war. Sein warmes, dösiges Genuschel erweist sich als idealer Kontrast zum lebhaften Fingerpicking seiner Gitarrenmelodien, vor allem auf dem Titelstück, dem Trudeau wunderbare Texturen verleiht. Der idyllische Folk auf ›Make It Right‹ wird von Flöte, Lap-Steelguitar und Viles Slide-Gitarre gefärbt, die plätschernden Harmonien von ›Not Enough‹ erinnern an Moby Grape in ihrem wehklagenden Zenit, ›Where Are You‹ klingt wie die Beat­les in der ›Here Comes The Sun‹-Ära. An anderer Stelle wie bei ›Listen To Me‹ und ›Very Nervous And Love‹ beruft sich Mascis auf den sanften Troubadour-Geist des frühen Neil Young. Wer hätte gedacht, dass Amerikas führender Lärmkönig so einen überzeugenden Folkie abgeben würde?
Rob Hughes
Schlüsselsong: ›Several Shades Of Why‹

24
The Civil Wars
BARTON HOLLOW
civil-wars-barton-hollow„I‘ve been a-waiting for you, and you‘ve been a-waiting for me“ (Ich habe auf dich gewartet und du hast auf mich gewartet), singen Joy Williams und John Paul White zu den bewegenden Streichern auf ›Forget Me Not‹. Und es war wahr: Zwei Stimmen schienen selten so dazu bestimmt, zusammen zu erklingen. Die beiden entdeckten ihre Telepathie 2008 bei einem Songwriting-Workshop in Nashville, und drei Jahre später bündelte sich diese einzigartige Chemie in einer Sammlung intimer Songs, die alle berührten, die sie hörten.
Dieser Balztanz der ineinander verschlungenen Vocals von White und Williams ließ Momente erstrahlen wie das umwerfende ›To Whom It May Concern‹ und die zum Scheitern verurteilte Romanze vom ›C‘est la mort‹ („You can sink to the bottom of the sea, just don‘t go without me“ – Du kannst auf den Meeresgrund sinken, nur geh nicht ohne mich). Doch nie schickten einem The Civil Wars mehr Gänsehaut über den Rücken als auf dem treffenden alt.Country-Meisterwerk ›Poison & Wine‹ („Oh, I don‘t love you, but I always will“ – Oh, ich liebe dich nicht, aber das werde ich immer). Es konnte kaum einen reduzierteren Song geben, doch ein Marshall-Verstärker-Turm hätte seine emotionale Wucht nur gemindert.
Der aufmerksamkeitsträchtige Einsatz von ‹Poison & Wine‹ in der US-Dramaserie „Grey‘s Anatomy“ machte die Band dann schließlich zum Mainstream-Act und setzte eine Glückssträhne in Gang, die in vier Grammys gipfelte (aber andererseits vielleicht ihr Ende 2014 beschleunigte).
Nur sehr selten hat ein so leises Album so viel Lärm gemacht.
Henry Yates
Schlüsselsong: ›Poison & Wine‹

23
Joe Bonamassa
AN ACOUSTIC EVENING AT THE VIENNA OPERA HOUSE
joe-bonamassa-an-acoustic-evening-at-the-vienna-opera-houseJoe Bonamassa ist normalerweise ein Künstler, nach dem man die Uhr stellen kann, doch sein erstes „Unplugged“-Album trat mit einem beinahe willkommenen Gefühl potenziellen Misslingens auf den Plan – was auch dem Blueser selbst nicht entging: „Es konnte entweder wirklich gut laufen oder wir steckten hier total in der Scheiße“, erinnerte er sich daran, wie er 2012 die Bühne betrat. „Die akustische Gitarre ist für mich wirklich wie Kryptonit.“
Zunächst hatte er geplant, auf Nummer Sicher zu gehen – „nur ich auf einem Stuhl, mutterseelenallein, der Geschichten über die Songs erzählt…“ –, bis Produzent Kevin Shirley ihn zu einem mutigeren Unterfangen animierte. Eine Elitetruppe aus ungewöhnlichen Instrumentalisten (Glockenspiel, Akkordeon, irische Geige) wurde eilig zusammengestellt, und nach dreitägigen Proben häutete sich der Gitarrist in der österreichischen Hauptstadt auf die erstaunlichste Art und Weise. Ihrer gigantischen Gitarrensoli beraubt, flogen seine Songs nur so, während ›Dust Bowl‹ und ›Driving Towards The Daylight‹ sich als ungewöhnlich treffsicher erwiesen. Seine ewig unterschätzte Stimme fand sich zudem ganz im Mittelpunkt, voller Menschlichkeit und Charakter.
…VIENNA war also nicht das Desaster, das Bonamassa befürchtet hatte. Stattdessen ist es sogar eines der Juwelen in seinem Katalog. „Ehrlich gesagt war es die erfüllendste musikalische Erfahrung meines Lebens. Niemand wollte, dass es aufhört.“
Henry Yates
Schlüsselsong: ›Dust Bowl‹