Unisonic – Schmaler Grat zwischen Rock und Metal

Unisonic 2012 (2)Ende der Achtziger schrieben Michael Kiske und Kai Hansen zusammen bei Helloween Musikgeschichte. Nun machen sie nach mehr als 20 Jahren als Unisonic wieder gemeinsame Sache. Doch die beiden wollen nicht die „guten alten Zeiten“ wieder aufleben lassen, sondern einfach miteinander rocken.

Die geschäftliche Idee ist vielversprechend und clever zugleich: Man nehme die namhaftesten Musiker dreier renommierter Bands und backe daraus eine neue Formation. Bei Unisonic heißen die Protagonisten Michael Kiske und Kai Hansen (beide ehemals Helloween), Dennis Ward und Kosta Zafiriou (beide Pink Cream 69) sowie Mandy Meyer (vormals Krokus und Gotthard). Ähnliche Konstellationen gab es in den zurückliegenden Jahren bereits diverse, vor allem um Bassist und Produzent Dennis Ward fanden sich immer wieder Projekte zusammen, die es zwar selten gemeinsam auf die Bühne schafften, im Studio jedoch eine erstaunliche Homogenität an den Tag legten. Soweit das Tagesgeschäft.

Bei Unisonic liege der Fall anders, schwören alle Beteiligten. Denn mit den beiden Hamburgern Kiske und Hansen treffen sich bei Unisonic zwei Musiker mit einer ganz besonderen gemeinsamen Historie wieder: Beide waren am Helloween-Klassiker KEEPER OF THE SEVEN KEYS beteiligt – jenem Album, das die Speedmetaller Ende der Achtziger über Nacht zu internationalen Superstars machte und heute als Genre-Klassiker gilt. KEEPER OF THE SEVEN KEYS begründete also die Karriere der beiden Norddeutschen, war jedoch nicht nur die erfolgreichste Scheibe in der gesamten Karriere beider Künstler, sondern gleichzeitig auch ihre bis dato letzte Zusammenarbeit. Die Hoffnungen der Öffentlichkeit an die Wiederaufnahme der Geschäftsbeziehungen sind dementsprechend riesig. Doch insbesondere Kai Hansen warnt: „Wenn man sich im Internet mal anschaut, welche Erwartungen an Unisonic teilweise geknüpft werden, weiß man, dass so mancher Fan möglicherweise enttäuscht sein wird. Denn Unisonic ist definitiv mehr Rock als Metal!“

Für Insider ist diese Erkenntnis keine Überraschung, denn dass Sänger Kiske seine jahrzehntelang offen kundgetane Aversion gegen Heavy Metal plötzlich ablegen würde, war ziemlich unwahrscheinlich. Kiske sieht das perfekte Einsatzgebiet seiner hellen, klaren Stimme deutlich stärker in Mainstream- und moderaten Rocknummern – anstatt als Gegenveranstaltung zu schneidigen Gitarren und polternden Drums. Insofern existieren durchaus neuralgische Punkte zwischen ihm und Gitarrenirrwisch Hansen mit seinen Vorlieben für handfeste Metal-Kompositionen. Drummer Kosta Zafiriou, der die neue Band zeitgleich auch als Manager betreut, gibt jedenfalls unumwunden zu: „Das Interesse der Öffentlichkeit an Unisonic durch die Kombination Kiske/Hansen ist natürlich größer als etwa bei einer Band wie Place Vendome ohne Kai. Aber musikalisch macht es die Sache nicht unbedingt leichter.“

Ob es nun also die Not eines dramatisch schrumpfenden Marktes oder tatsächlich die wiederentdeckte Freude am gemeinsamen Musizieren war (Hansen: „Es macht einfach unheimlich viel Spaß, nach so vielen Jahren wieder mit Michi auf der Bühne zu stehen. Zwischen meinem Gitarrenspiel und seinem Gesang entsteht immer wieder eine ganz einzigartige Chemie“), sei dahingestellt. Fakt ist, dass sich vor allem Hansen des schmalen künstlerischen Grades bewusst ist, auf den sich alle Bandmitglieder in einem Burgfrieden-ähnlichen Abkommen geeinigt haben. Obwohl er als Hauptkomponist des Debütalbums eigentlich federführend sein müsste, ordnet sich der Kreativkopf der Gruppe komplett den Wünschen Kiskes unter. „Michi ist der Chef!“, erklärt Hansen konziliant und fügt hinzu: „Ich nenne das, was wir machen, härteren Hard Rock. Das darf dann entsprechend auch gerne flexibel und variantenreich sein – Hauptsache, alles klingt wie aus einem Guss.“