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Titelstory: Brian Johnson – It’s A Long Way To The Top

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Titelstory: Brian Johnson – It’s A Long Way To The Top

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Selbst für die notorisch unsentimentalen Verhältnisse von AC/DC war das Statement, mit dem das Ende von Brian Johnsons 36 Jahren als Frontmann der Band verkündet wurde, geradezu brutal emotionslos: „AC/DC sind gezwungen, die zehn anstehenden US-Shows der ROCK OR BUST-Welttournee zu verschieben“, so die Nachricht auf ihrer Website am 7. März 2016. „Brian Johnson, Sänger von AC/DC, wurde von seinen Ärzten angewiesen, umgehend die Tour abzubrechen, ansonsten drohe ihm der Totalverlust seines Gehörs. Alle Konzerte von dem morgigen in Atlanta bis zu dem im Madison Square Garden in New York Anfang April werden später im Jahr nachgeholt, vermutlich mit einem Gastsänger.“

Dass Johnson selbst nicht zu Wort kam und sein Beitrag zur Band in den vergangenen vier Jahrzehnten mit keiner Silbe gewürdigt wurde, entrüstete viele langjährige Fans, vor allem so kurz nach all der Liebe, mit der sie ihre Helden nach Malcolm Youngs Rückzug aufgrund seiner Demenzerkrankung 2014 überschüttet hatten. Johnson selbst musste im Monat darauf in einem eigenen Statement die Situation erklären und seine nun Ex-Kollegen aus der Schusslinie nehmen: „Mir war seit einiger Zeit bewusst geworden, dass mein partieller Hörverlust mei­ne Leistung auf der Bühne beeinträchtigte“, gab er zu. „Ich hatte Schwierigkeiten, die Gitarren zu hören, und da ich die anderen Musiker nicht mehr richtig wahrnehmen konnte, befürchtete ich, die Qualität meiner Leistung könnte darunter leiden. Das konnte ich in aller Ehrlichkeit nicht mit meinem Gewissen vereinbaren. Unsere Fans verdienen es, mich in Bestform zu sehen, und wenn ich aus irgendeinem Grund keine Performance auf diesem Niveau mehr abliefern kann, werde ich unsere Fans nicht enttäuschen oder die anderen Mitglieder von AC/DC blamieren. Ich bin niemand, der leicht das Handtuch wirft, und führe gerne das zu Ende, was ich in Angriff nehme. Die Ärzte haben mir und meinen Bandkollegen jedoch unmissverständlich klar gemacht, dass ich keine Wahl hatte, bei den restlichen Shows und möglicherweise darüber hinaus nicht mehr aufzutreten. Diese 36 Jahre ein Teil von AC/DC zu sein, Platten zu machen und für Millionen ergebener Fans zu spielen, ist mein Lebenswerk“, fuhr er fort. „Ich kann mir nicht vorstellen, weiterzumachen, ohne ein Teil davon zu sein, aber im Moment geht es nicht anders. Sicher ist aber, dass ich bei jedem Konzert im Geiste, wenn auch nicht in Person, bei AC/DC sein werde.“

Und so wie Johnson sich in seiner ge­­samten Karriere stets würde- und respektvoll verhalten hatte, hatte man damals wenig bis nichts von dem 69-Jährigen gehört, außer gelegentlichen Verlautbarungen, dass er gerne wieder ans Mikro bei AC/DC zurückkehren würde – selbst als die Band die ROCK OR BUST-Tournee mit Axl Rose beendete, der ihn mit lobenswerter Demut und gehörigem Charme vertrat.

Dafür kehrte er in einer völlig anderen Rolle ins Rampenlicht zurück: als Präsentator in der Fernsehdokumentation „Brian Johnson‘s Life On The Road“. Schon 2014 hatte er sich seine Sporen als Moderator mit „Cars That Rock With Brian Johnson“ verdient. In seiner neuen Serie führte er Interviews über Musik, das Tourleben und den Rock‘n‘Roll-Lifestyle, u.a. mit Gästen wie Roger Daltrey, Nick Mason von Pink Floyd, Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich oder Sting, ebenso ein Geordie, auf dessen 2013er-Album THE LAST SHIP er gastiert hatte.

Die einzelnen Episoden waren zwar konventionell strukturiert sein – Ar­­chiv­aufnahmen mit Audiokommentar, gepaart mit Johnsons liebenswerten, lockeren Zwiegesprächen –, doch das Format war sehr gut geeignet, um dem äußerst öffentlichkeitsscheuen Rock­­star persönliche Anekdoten zu entlocken. Er schwelgte in Erinnerungen mit Sting, wie sie beide 1967 Jimi Hendrix im Club A GoGo in Newcastle gesehen hatten, oder erzählte Lars Ulrich, dass sie unter zotigen Pseudonymen wie Phil McCavity oder Richard Hertz aka Mr. Dick Hurts in Hotels eincheckten. Es ist durchaus herzerwärmend, wenn Dal­trey und Johnson aufgeregt erzählen, wie sie einst von ihren ersten US-Tourneen T-Bone-Steaks in Alufolie gewickelt nach Großbritannien schmuggelten, damit ihre bodenständigen Familien auch in den Genuss solch exotischer Speisen kommen konnten.

So willig die Interviewpartner sind, liegt die Stärke der Serie natürlich in Johnsons Mischung aus kumpelhafter Warmherzigkeit, aufrichtiger Begeisterung und geerdetem Arbeiterklasse-Habitus. Es ist eine seltene und willkommene Gelegenheit, den Sänger außerhalb des Ehrenkodexes agieren zu sehen, der Außenstehende immer von AC/DC fernhielt. Dabei blieben seine Lippen verschlossen über seine Zeit mit der Band, und gewiss bekam man keinen etwaigen Groll zu hören, den er aufgrund seines plötzlichen „Ausstiegs“ hegen mochte. Er hat sich sogar geweigert, Interviews zur Promotion der Serie zu geben, aus Angst, irgendwelche Zitate über sein Leben mit AC/DC könnten aus dem Kontext gerissen und missverstanden werden. Doch seine gutmütige, sympathische Art gibt Einblicke in sein Wesen, die man nur selten erhaschte, seit BACK IN BLACK ihn und seine Ka­­meraden zur größten Rockband des Planeten machte.

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