Thin Lizzy – Chinatown

0 RDie Übergangsphase von den Siebzigern zu den Achtzigern war für Thin Lizzy alles andere als leicht: Vieles hatte sich geändert innerhalb der Band. Phil Lynotts Hochzeit, die Geburt seiner zweiten Tochter und die Aufnahmen zum ersten Soloalbum belasteten das Klima – selbst wenn Lynotts Kollegen Brian Downey und Scott Gorham beide auf SOLO IN SOHO mitspielten. Ein Hoffnungsträger aber war der neue Gitarrist Snowy White, der Gary Moore ersetzte. Moore hatte während der BLACK ROSE-Tour Hals über Kopf die Band verlassen, weil er das Chaos nicht mehr ertragen konnte – der exzessive Drogen­konsum von Phil Lynott trieb ihn in den Wahnsinn. „Ich wollte nicht einen Tag länger in der Band bleiben“, erinnert er sich.

Snowy White hingegen genoss die ersten sechs Monate bei Thin Lizzy, wie er heute sagt. Doch „es gab schon Anzeichen, was auf uns zu-kommen würde. Es ist eine Schande, wie viel Studiozeit wir damals verschwendet haben.“ Denn CHINATOWN, das zehnte Thin Lizzy-Al-bum, enthält neben den grandiosen Songs der A-Seite (›Sugar Blues‹, ›We Will Be Strong‹, ›Chinatown‹ und ›Killer On The Loose‹) auch etliche Tracks, denen der letzte Kick fehlt.
Mit ›Killer On The Loose‹, einem Song über die Gräueltaten des „Yorkshire Rippers“, brachten Thin Lizzy zudem die Medien gegen sich auf. In einem TV-Interview auf den „fast fröhlichen Tonfall“ des Songs angesprochen, beschwichtigte Lynott je-doch: „Ich war in Londons Chinatown unterwegs, und vor allem die Prostituierten dort hatten Angst vor dem Killer. Mit dem Song wollte ich die Menschen warnen und dachte, dass die Warnung am eindringlichsten wäre, wenn ich mich in den Mörder verwandle. Was nicht heißt, dass ich die Vergewaltigung glorifiziere, ganz im Gegenteil!“