Review: The Temperance Movement – WHITE BEAR

temperance movement white bearLars, der kleine… Von wegen: Vorsicht bissig!

Ein Debütalbum, das für die doch etwas traurige Lage der heutigen Musikbranche einem absolut überraschenden Senkrechtstart gleichkommt, ist natürlich für jede Band wünschenswert. Einen solchen „Glücksfall“ erlebten The Temperance Movement mit ihrem selbstbetitelten Erstling. Die Briten beförderte ihr Höhenflug vom Studioboden quasi direkt auf die Bühne der Rolling Stones, die sie – persönlich von Mick und Keef auserkoren – für eine Tournee begleiten durften. Massive Verkaufszahlen, Radioeinsätze und eine US-Tour folgten. All das mag wie ein Geschenk wirken, allerdings nur so lange, bis es an der Zeit ist, nachzulegen, Erreichtes zu übertreffen, den ersten Eindruck zu festigen oder sich neu zu erfinden: TTM entschieden sich auf WHITE BEAR für einen Mittelweg mit Tendenz zur Weiterentwicklung: Waren Sänger Phil Campbell und seine Männer bislang eine traditionell vom Blues geprägte Insel-Rock’n’Roll-Band mit einer verdammt sensiblen Neigung zu Balladen, sind es jetzt raubeinige bis wütende Rock-Stücke wie die erste Single ›Three Bulleits‹ oder ›Modern Massacre‹, die den neuen, stets hittigen Ton bilden. Wenn die Band davon abweicht, wird dieser Rock leidenschaftlich groovy (›Battle Lines‹) oder manisch traurig (›I Hope I’m Not Losing My Mind‹). Ja, man merkt The Temperance Movement ihre Erlebnisse an, die sie aber nicht eingeschüchtert, sondern gestärkt haben. Hier kommt der Bär unter dem Schafspelz zum Vorschein.

The Temperance Movement
WHITE BEAR
EARACHE RECORDS
8/10