The Sword: München, Backstage (03.09.15)

The Sword 2010Am Griff schärfer als an der Spitze.

Knapp zwei Wochen sind vergangen, seitdem die vier jungen Stoner-Herren von The Sword ihr neues Album HIGH COUNTRY veröffentlicht haben. Vor Beginn rätseln einige kundige Fans, was ihre Band mit den „doch so anderen“ neuen Sachen live an­­stellen werde. Nun, revolutioniert hat das neue Material die Darbietung von The Sword nicht, schließlich ließ man von all den mutigen elek­tronischen Klängen die Finger – jedoch würde das nach Ende des nicht ganz 100-minütigen Konzerts ohnehin nicht mehr das Hauptthema sein. Das kleinste der drei Häuser im Backstage ist komplett gefüllt mit einem Publikum, das sich anständig die Räumlichkeit geteilt hat. Die hintere Hälfte des Clubs gehört der üblichen pflicht- und geschmackbewussten Münchner Rock-Fan-Bevölkerung, die vordere einer Mannschaft bekutteter, headbangender Metaller. Sänger/Gitarrist J. D. Cronise und seine Mitmusiker schneiden sich wortlos ihren Weg durch die Schwüle der im Laden gespeicherten heißen Sommerluft, die heute auf den ersten Herbstregentag des Jahres trifft. Endzeitlich ist sie, die Stimmung. Perfekt passend also zu diesem Abend und dem kraftvollen, unfassbar komplexen doch zugleich strammen Instrumental-Doom-Gebaren der miteinander eingespielten Kollegen. Doch hat sich leider auch die Stimme von Cronise der in der Luft liegenden Vergänglichkeit angepasst. Schwächlich murmelt er die meiste Zeit, auf das Griffbrett seiner Les Paul konzentriert, am Mikrofon vorbei. Diese Schwäche trübt zwar die Freude mancher Besucher, reicht aber nicht aus, um die Begeisterung der meisten zu ersticken. The Sword sind eine fantastische Live-Band, nur dürfte ruhig auch weniger „gesungen“ werden, ist man sich nach einem Gleichgewichtssinn erschütternden Bass-Feedback und einem kurzen Zugaben-Set einig.