The Replacements – THE STUDIO ALBUMS 1981-1990

the replacementsEinst verkannt, aber nicht vergessen!

Stell Dir vor, Du bist jung, talentiert, abenteuerlustig und erfolgshungrig. Du spielst in Minneapolis, Minnesota, in einer Amateurband. Du arbeitest dich anfänglich an Coverversionen von Aerosmith, Beatles, Ted Nugent, Rolling Stones und The Faces ab, entdeckst plötzlich den britischen Punk von The Clash, The Sex Pistols, The Buzzcocks und The Damned. Langsam rappelt sich deine Band auf, wechselt ins Profilager über, baut sich eine Fan-Gefolgschaft durch massives Touren auf. Für deine dynamische Mucke, eine Überblendung aus Old School Rock mit dynamischen Punk- und New Wave-Anteilen, erhältst du überschwängliche Kritiken: Next Big Thing. Sieben Alben und eine EP erscheinen in neun Jahren – doch in Sachen Erfolg geschieht nichts. Oder besser, nicht eben viel. Außerdem musst Du mitansehen, wie stilistisch ähnlich gelagerte Mitbewerber, R.E.M. und Pixies, sich annähern, dich überrunden und zum Massenphänomen werden. Zum Verzweifeln, oder? The Replacements, seit 2012 im Duo Paul Westerberg (Sänger, Gitarrist, Komponist) und Tommy Stinson (Bassist) mit den Tour-Mitgliedern David Minehan (Gitarre) und Josh Freese (Schlagzeug) wiedervereint, erlebten und durchlitten wenige Höhen und allzu viele Tiefen. Zumal auch noch zwei ehemalige Mitglieder, Schlagzeuger Steve Foley und Sologitarrist Robert Stinson, Bruder von Bassist Tommy, mittlerweile das Zeitliche gesegnet haben. Wie fühlt es sich für Paul Westerberg und Tommy Stinson wohl an, das 8-CD-Set THE STUDIO ALBUMS 1981-1990 in den Händen zu halten? Kommt da Stolz, Freude, Befriedigung oder gar Euphorie auf, nach langen Jahren des Darbens ein künstlerisches Gesamtwerk, ein Vermächtnis, in Händen zu halten? Können sie sich eines Schmunzeln nicht erwehren, wenn sie den hemdsärmeligen frühen Werken SORRY MA, FORGOT TO TAKE OUT THE TRASH (’81), der EP STINK (’82) und HOOTENANNY (’83) auf Indie-Label Twin/Tone Record lauschen, wo Songs wie ›I Bought A Headache‹, ›Fuck School‹ oder ›Color Me Impressed‹ in juvenilem Ungestüm unter drei, häufiger auch mal unter zwei Minuten blieben? Wo sich aber auch Juwelen wie ›Take Me Down To The Hospital‹, ›Within Your Reach‹ und ›Willpower‹ abzeichneten. Kam es überraschend, dass sich Paul Westerberg auf dem letzten Indie-Werk LET IT BE in Kabinettstückchen wie ›Androgynous‹, ›Unsatisfied‹, ›I Will Dare‹ und ›Seen Your Video‹ als charismatischer Songwriter entpuppt? Erinnern sie sich noch, an den Enthusiasmus im Studio, als Tommy Ramone 1985 das Major-Debüt TIM produzierte? Da übernahm Westerberg nahezu komplett die Kompositionspflichten, lieferte Überdurchschnittliches mit ›Hold My Life‹, ›Kiss Me On The Bus‹, ›Waitress In The Sky‹ und ›Bastards Of Young‹. Wer hätte Westerberg zu Beginn eine Akustik-Hymne wie ›Here Comes A Regular‹ zugetraut? Dachten die Replacements nach Robert Stinsons Abgang daran, ein ähnliches Schicksal wie Big Star (erfolglos, aber bis heute kultisch verehrt!) zu erleiden, als für PLEASED TO MEET ME 1987 Memphis-Produzentenlegende Jim Dickinson an den Klangreglern saß, Big-Star-Mitglied Alex Chilton für einen Gitarrenpart in ›Can’t Hardly Wait‹ vorbeischaute und Westerberg und Co. dem Langzeitüberlebenden die Ode ›Alex Chilton‹ widmeten? Wie groß muss die Freude gewesen sein, als der Nachfolger DON’T TELL A SOUL 1989 erstmals die Top 100 enterte, sich bis auf Rang 57 der Billboard Charts vorkämpfte und sich ›I’ll Be You‹ so-wohl in den Listings von Modern Rock als auch Mainstream Rock auf der Pole Position platzierte. Und konnten The Replacements ihr baldiges Ende 1991 absehen, als sie am finalen ALL SHOOK DOWN werkelten und sich die Singles ›Merry Go Round‹, ›Someone Take The Wheel‹ und ›When It Began‹ mehr als wacker schlugen? Zahllose unbeantwortete Fragen an eine einst verkannte, aber nicht vergessene Formation. Lasst sie uns entdecken! Jetzt! Das Angebot THE STUDIO ALBUMS 1981 – 1990 steht!