The Black Keys – Der gerockte Mittelfinger

Von wegen Erfolg macht glücklich: Im Falle von Dan Auerbach und Patrick Carney, seit drei Jahren die vielleicht wichtigste Rockband dieses Planeten, liegt der Fall genau umgekehrt: Das Duo aus Nashville fühlt sich vom Erfolg überrollt, von den Medien stets missverstanden und von seinen Ex-Frauen ausgenommen wie die berühmten Weihnachtsgänse. Weshalb sich das neueste Epos „Turn Blue“ als schonungslose Abrechnung entpuppt. Motto: Fall um und stirb!

The_Black_Keys_New_Press__Picture_20143Dabei scheint es Patrick Carney keineswegs schlecht zu gehen: Der 34-Jährige wohnt mit seiner zweiten Ehefrau, ihrem nerdigen Bruder sowie zwei Hunden in einer 2,8-Millionen-Dollar-Villa in Forest Hills, einem Vorort von Nashville, verfügt über vier Schlafzimmer, fünf Bäder, einen monströsen Swimming Pool plus ein Heimstudio und verbringt seine Freizeit mit Musik hören, sozialen Netzwerken sowie der Entwicklung des perfekten Eiskaffees. Nicht zu süß und nicht zu kalt – nur, um davon einen nach dem anderen wegzuschlürfen, während er gleichzeitig über sein achtes Studioalbum im zwölften Jahr redet. Ein weiterer potenzieller Bestseller, der den Keys Dutzende von Gold- und Platinalben sowie diverse Grammies bescheren dürfte. Dabei sind die Songs – zumindest inhaltlich – alles andere als easy going. Sei es, weil Sänger/Gitarrist Dan darin seine Scheidung verarbeitet, die ihn stattliche fünf Millionen Dollar kostet, oder weil das Duo die Gelegenheit nutzt, um sich einfach mal so richtig auszukotzen was Kritiker, Medien, Fans und die Musikindustrie betrifft. Da hat gerade Carney, ein langer Schlacks mit dicker Hornbrille, scheinbar mächtig Nachholbedarf.