The Sword

The Sword 2010The Sword haben einen echten Lauf: Da sich Metallicas Lars Ulrich als Fan geoutet und die Band mit auf Tour genommen hat, werden die US-Riffer als das nächste große Rock-Ding gehandelt. Nun erscheint ihr drittes Album WARP RIDERS.

In welche Schublade man die Musik von The Sword auch stecken will – den vier Rock-Nerds aus Austin, Texas, sind die ihnen angehefteten Genre-Neologismen reichlich egal. Dass John „J.D.“ Cronise (Gitarre & Gesang), Kyle Shutt (Gitarre), Bryan Richie (Bass) und Trivett Wingo (Schlag-zeug) bei Black Sabbath, Led Zeppelin und Konsorten genau hingehört haben und deshalb seit ihrem LP-Einstand 2006 gerne mal als Retro-Truppe herumgereicht werden – geschenkt. Denn The Sword finden genau jetzt statt. Und ohnehin geht es dem texanischen Quartett vor allem um die Musik, wie uns Bryan Richie in einem Van hinter dem Londoner „Roundhouse“ erläutert, wo The Sword für keinen Geringeren als Ozzy Osbourne die Massen auf Betriebstemperatur bringen sollen.

Bryan, oft liest man im Bezug auf The Sword Begriffe wie „Hipster Metal“ oder „Stoner Rock“…
Quatsch, wir machen einfach Hardrock oder Heavy Metal. Ich will uns gar nicht in irgendeine Kategorie einsortieren. Stoner Rock hat ja auch diese negative Konnotation, weil er sich in gewisser Weise auch auf deine musikalischen Fähigkeiten bezieht. Ich finde es nicht schlimm, wenn die Leute unsere Musik Stoner Rock nennen, weil sie dazu gerne kiffen. Oder weil wir gerne kiffen. Aber oft ist damit eben auch gemeint, dass die Musik zu simpel oder zu langweilig ist. Und wenn man den Begriff so auffasst, sind wir alles andere als Stoner Rock.

Und was soll „Hipster Metal“ bedeuten?
Tja, die Frage stelle ich mir auch. Ob das jetzt bedeuten soll, dass wir Jeans tragen, die passen oder was auch immer – ich habe keinen blassen Schimmer. Keiner von uns ist wirklich „hip“ oder ständig im Nachtleben unterwegs. Wenn wir daheim in Austin sind, dann bleiben wir zu Hause, sitzen rum und schauen fern. Nur Kyle geht wirklich oft aus. Und die einzige Bar, in die er schlappt, ist nur wenige Schritte von seinem Haus entfernt. Wir sind keine Typen, die die Stadt unsicher machen, das ist einfach nicht unser Ding. Wir wollen ankommen, rocken und wieder abhauen.

Bei „Hipster“ denkt man in der Regel an Leute, die sehr darauf bedacht sind, wie sie aussehen…
Ja. Aber mir geht es völlig am Arsch vorbei, wie ich aussehe. Solange ich die richtigen Noten spiele und die Leute headbangen, ist mir alles andere egal. Es ist auch ziemlich albern, seine Meinung zu einer Band darauf zu stützen, wie sie sich anzieht. Es gibt so viele Bands, die ausschließlich damit beschäftigt sind, irgendwie cool auszusehen. Zum Beispiel diese Typen, die andauernd unseren MySpace-Account mit Kommentaren zukleistern: Die sind dermaßen scheiße, dass du überhaupt nicht mehr aufhören kannst, dir ihre Seite anzuschauen – wie bei einem Unfall. Wir haben keine Angst, Bullshit auch Bullshit zu nennen. Und wenn du dann mit so was ankommst, riechen wir die Scheiße schon von einer Meile Entfernung.

Nun, einen Riecher habt ihr auf jeden Fall – sonst hättet ihr es ja wohl auch nicht geschafft, ganze neun Monate mit Metallica auf Tour gehen zu dürfen. Wie kam das denn zu Stande?
Wir waren damals mit Trivium unterwegs und spielten im „Slim’s“ in San Francisco, wo die Backstageräume alle im Keller sind. Es gab drei Räume, und an dem Abend haben drei Bands gespielt – also für jede Band einen Raum, möchte man meinen. Aber Trivium, diese wundervollen Menschen, meinten nur: „Niemand darf in den Keller!“ Wir wurden einfach mit ein paar Barhockern auf die Straße hinter der Venue verbannt.

Nach unserem Gig stand ich in unserem „Backstage“ und rauchte eine, als Trivett ankam und meinte, Lars Ulrich wäre im Keller und sei völlig aus dem Häuschen. Ich bin dann zu ihm hin, und er hat mich fast verprügelt vor Begeisterung: „Heilige Scheiße, The Sword! Track 7 auf eurem Album, Wahnsinn!“ Letztendlich haben wir uns während des kompletten Trivium-Sets unterhalten, er hat sich keine Sekunde davon angeschaut und sich kein bisschen für sie interessiert. Dafür hat er uns am Ende des Abends geholfen, unseren Van zu beladen! Kannst du das glauben? Die Leute denken, ich lüge, aber ich habe gesehen, wie Lars Ulrich Trivett geholfen hat, sein Drumset in den Anhänger zu laden und ihn noch vollquatschte, wie schwer sein Case mit den Becken sei: „Oh mein Gott, wie viele Becken hast du denn da drin, Trivett?“
Na ja, er erzählte uns dann auch, dass er uns mit auf Tour nehmen würde. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten wir buchstäblich noch nichts gerissen: Das war unsere dritte Tour, unsere Platte zwar veröffentlicht, aber die Zukunft von The Sword noch ziemlich vage. Als Lars uns das erzählte, dachten wir nur: „Okay, das ist nett von dir, aber bitte mach uns keine Hoffnungen, wenn dann nichts passiert!“ Wir haben dann eine Zeit lang nichts gehört, aber als wir das nächste Mal nach San Franscisco kamen, war er wieder da. Und als wir gerade in Cardiff in Wales waren, klingelte schließlich Trivetts Handy, und Metallicas Manager fragte uns, ob wir mit auf die Osteuropa-Tour kommen wollten. Und im Anschluss waren wir dann Opener bei der gesamten US-Tour zu DEATH MAGNETIC. Einfach unglaublich.

Was führt euch nun nach London, als Vorgruppe von Ozzy?
Wir haben einen neuen Booking-Agenten in Europa. Wir konnten endlich den Typen loswerden, den wir schon seit Ewigkeiten feuern wollten. Jetzt haben wir diesen neuen Kerl, und das ist das erste Ding, mit dem er ankam. Nicht schlecht, oder? Den werden wir wohl eine Weile behalten. (lacht)

Ozzy ist ja dank seiner Reality-Show mittlerweile ein be-kannter MTV-Charakter. Kommen die Leute deiner Meinung nach nur zu dieser Show, um zu sehen, ob er noch funktioniert?
Das ist lustig… Sie fragen sich dann: „Kann er das noch? Wird er irgendwie gestützt?“ Nun ja, ich denke, dass es immer Leute geben wird, die sich nur wegen so etwas für eine Sache interessieren…

Das ist eben dieses Hipster-Ding…
Genau. Aber mal ehrlich: Wie dämlich sind diese Leute mit ihrem so genannten „ironisch-witzigen Humor“ denn bitte? Aber was das Publikum bei Ozzy angeht, so denke ich, dass das 90 Prozent echte Fans sind – sei es nun wegen Black Sabbath oder seinen Solo-Sachen. Aber es gibt eben noch die restlichen zehn Prozent, das sind dann die Typen, die denken: „Geil, jetzt schau ich mir mal diesen Ozzy an, den alten Sack!“ Mit diesen Leuten muss man rechnen. Doch es ist schon ziemlich arm, wenn man nur deshalb zu einer Show kommt. Eine andere Sache sind diese ganzen jungen Kids in der ersten Reihe: Sie tragen Ozzy Osbourne-Shirts, liegen aber mit dem Kopf auf der Absperrung und schlafen, während wir spielen. Das pisst mich wirklich an. Denn wenn du Fan von Ozzy genug bist, um ein T-Shirt von ihm zu tragen, dann beschäftige dich doch bitteschön ein wenig mit seinem Backkatalog und er-kenne, dass wir in seine Fußstapfen treten. Du solltest uns verdammt noch mal lieben!

Für euer drittes Album WARP RIDERS habt ihr zum ersten Mal mit einem Produzenten zusammengearbeitet, nämlich Matt Bayles (Mastodon). Wieso?
Davor haben J.D. und ich diesen Job gemacht, also entschieden, was jetzt gut ist und was nicht. Für mich war es super, mal nur der Bas-sist zu sein und mir keinen Kopf um den Mix und den Sound zu machen. Nach GODS OF THE EARTH etwa war ich total fertig. Wir wollten diesmal einfach jemanden, der die ganze Arbeit für uns erledigt – er sollte jedenfalls keine Sachen neu arrangieren oder unsere Songs umschreiben. Matt schafft es, dass Bands so klingen, wie sie klingen sollten. Und er ist hartnäckig. J.D und ich haben üblicherweise drei oder vier Takes aufgenommen und fanden das dann in Ordnung. Mr. Bayles hingegen forderte zehn bis 15 perfekte Takes. Und einmal wollte er mir eine Note rausstreichen, aber ich sagte nur: „Leck mich, du streichst mir gar nichts raus!“ (lacht) Doch er hat dann später eingesehen, dass sie drinbleiben musste.

Wie werden die Leute deiner Meinung nach auf das neue Album reagieren?
Ich hoffe, dass sie durchdrehen werden! Ich fahre wirklich auf die Platte ab. Dadurch, dass ich nicht so viel an der Scheibe gearbeitet habe wie bei den früheren Alben, kann ich sie auch wirklich genießen. WARP RIDERS ist einfach eine wunderbare Sammlung geiler Songs. Ich denke, wir haben unsere Musik auf das nächste Level gebracht. Wir alle sind jetzt Level-3-Kämpfer.