Steven Adler

Steven AdlerDer Ex-Guns N’Roses-Drummer hat, sein Nach­name ist hier Programm, schon mehrfach zum Höhenflug angesetzt. Doch der steile Absturz folgte prompt. Heute ist Steven Adler einfach nur froh, dass er das Ganze überlebt hat.

APPETITE FOR DESTRUCTION? Aber sicher doch. Wenn es um Zerstörung in jeglicher Form ging, war kein anderes Guns N’Roses-Mitglieder schnell und begieriger dabei als Steven Adler – und das will wahrlich etwas heißen. Während es alle anderen Gunners immer wieder hinbekamen, auf dem schmalen Grat zwischen Spaß und Totalabsturz zu wandeln, stürzte sich Adler regelmäßig kopfüber ins Nichts. Das Ganze endete 1993 mit einem Prozess zwischen Guns N’Roses und Adler, bei dem der Drummer zwei Millionen US-Dollar einstreichen konnte. „Nun hat er genug Geld, um sich ausreichend Drogen zu kaufen, die ihn umbringen werden“, kommentierte Slash daraufhin seufzend.

Für Steven Adler jedoch war sein 1990er-Rauswurf bei Guns N’Roses mehr als nur das Ende einer Arbeitsbeziehung. „Ich war schockiert“, berichtet er heute. „Für mich bedeutete die Band alles – wir waren eine Gemeinschaft, eine Gang. Ich habe die Jungs unzählige Male verteidigt, wenn wir mal wieder in einer Bar in eine Schlägerei verwickelt waren – daher kam es mir nach dem Split so vor, als hätten meine eigenen Brüder mich verraten und absichtlich meinen Traum zerstört. Heute weiß ich, dass sie gar nicht anders handeln konnten. Ich war völlig außer Kontrolle – doch das war mir damals nicht klar.“

Trauriger Höhepunkt von Adlers Abstieg innerhalb des Guns N’Roses-Gefüges: Während der Recording Session zu den USE YOUR ILLUSION-Alben soll er Erin Everly, Axls damaliger Verlobter, einen Schuss gesetzt haben. Angeblich, um Everly zu beruhigen, die nach einem Streit mit Rose völlig aufgelöst und hysterisch gewesen sein soll. Adler bestreitet die Tat bis heute und betont, dass Erin bereits vollgepumpt mit verschreibungs-pflichtigen Medikamenten gewesen wäre, als sie schließlich bei den Gunners im Studio auftauchte. Doch egal welche Variante der Geschichte der Wahrheit entspricht – Fakt ist, dass sich Adlers Ansehen innerhalb der Band daraufhin rapide verschlechterte. „Anfangs haben wir gemeinsam Drogen genommen, um Spaß zu haben und zusammen zu feiern. Doch im Laufe der Zeit gingen wir dazu über, uns allein zuzuballern. Dadurch ging die Freundschaft zu Grunde“, so Adler rückblickend.

Für den Schlagzeuger ging es nach seinem Aus bei Guns N’Roses rapide bergab. 1996 erlitt er einen Schlaganfall nach einer Überdosis Speedballs, einer Mischung aus Kokain und Heroin. Ein weiterer folgte – bis heute leidet er in Folge dessen an einer Störung des Sprachzentrums. Und es kam noch schlimmer: 1997 wurde er wegen häuslicher Gewalt zu einer Bewährungs-strafe verurteilt, da er sich jedoch nicht an die Auflagen hielt und wieder zuschlug, musste er ins Gefängnis.

2000 begann Steven Adler schließlich damit, die Bruchstücke seines Lebens zu sortieren und langsam wieder zu einem Ganzen zusammenzufügen. Er zog von Los Angeles nach Las Vegas, um Abstand von der alten Szene zu gewinnen. „Es gab für mich nur zwei Möglichkeiten: entweder aufzuhören oder zu sterben.“

Doch der Dämon ließ sich nicht so leicht besiegen, wie Adler gedacht hatte. 2008 tauchte der Schlagzeuger erneut in der Öffentlichkeit auf – aber nicht als bejubelter Rocker, sondern auch Darsteller in der TV-Doku „Celebrity Rehab“. Dort wurde jedem Zuschauer klar, was Sucht aus einem Menschen machen kann. Adler stellte sich seinen Problemen nicht, sondern verleugnete sie. Er spielte mit dem Gedanken an Selbstmord und ging in eine Abwehrhaltung über, sobald die Therapeuten versuchten, Zugang zu ihm zu finden. Heute, eine weitere Therapie später, hat er diese Hürde gemeistert: „Der erste Schritt ist der schwierigste. Offen zuzugeben, dass man ein Problem hat, fällt niemandem leicht. Wenn man das aber mal hinter sich, ist der Rest gar nicht mehr so schwer.“

Hinzu kommt, dass ein alter Weggefährte ihm zu einer zweiten Chance verholfen hat. Adler durfte auf Slash-Soloalbum mitspielen – er ist auf dem Track ›Baby Can’t Drive‹ zu hören. Diese Chance war der Rettungsanker für den Drummer. Endlich gab ihm jemand das Selbstvertrauen zurück. Und zwar jemand, der ihn verstand – eben weil er selbst ein Abhängiger war, es aber geschafft hatte, sein Leben in den Griff zu bekommen.

„Slash und ich kennen uns seit der Schule – gemeinsam haben wir so viele Dinge durchgemacht, Erfolge gefeiert, aber auch Niederlagen erlebt. Es ist eine enorme Bereicherung für mein Leben, wieder Kontakt mit ihm zu haben“, so Adler. „Daher will ich jetzt alles daran setzen, ihn nicht zu enttäuschen. Er hat mir die Hand gereicht und mich aus dem Dreck gezogen. Dafür schulde ich ihm etwas. Durch meine Drogensucht habe ich alles kaputt gemacht und mir so viele Gelegenheiten entgehen lassen. Und nur eine Person ist schuld daran: ich selbst. Daher bin ich froh, dass ich das hinter mir lassen konnte und noch am Leben bin, um meine Karriere weiter fortzusetzen.“

Steven Adlers größter Wunsch ist es momentan, wieder mit der alten APPETITE FOR DESTRUCTION-Mannschaft auf Tour zu gehen – obwohl ihm natürlich auch klar ist, dass das ein schwieriges, wenn nicht gar unmögliches Unterfangen ist. Dennoch sagt er: „Aber mal ehrlich – es ist doch eigentlich verrückt, es nicht zu tun! Denn die Reaktionen darauf wären gigantisch, jeder würde es sehen wollen!“

Zurzeit jedoch bäckt Adler kleinere Brötchen. Wie jeder Abhängige lebt er von einem Tag zum nächsten. Die Versuchung ist immer da – und er weiß auch, dass er nicht garantieren kann, dass er ihr nie wieder nachgeben wird. „Das Einzige, was jetzt zählt, ist die Musik – denn sie ist es, die mich antreibt, nicht mehr die Drogen. Und darüber bin ich sehr, sehr glücklich.“

 

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