STEVE VAI – LAST MAN STANDING

Supergitarristen haben es im neuen Jahrtausend nicht leicht. Einst waren sie gefeierte Götter, die im Mainstream größte Beachtung fanden. Heute hingegen kennen nur noch anspruchsvollere Freunde der sechs Saiten Namen wie Joe Satriani, Yngwie Malmsteen, George Lynch oder den Paradiesvogel der Szene: Ex-Frank-Zappa-, Ex-David-Lee-Roth und Ex-Whitesnake-Gitarrist Steve Vai. Tourneen dieser Virtuosen sind inzwischen zu einem raren Gut geworden, weswegen dem Nürnberger Publikum die Vorfreude auf dem Weg zum Löwensaal förmlich ins Gesicht geschrieben steht. Die Halle, die neben einem maroden Hotel, das an den örtlichen Zoo angrenzt, steht, erinnert an das Set eines Horrorfilms. Stünde nicht der Vai‘sche Nightliner vor der Location, könnte man meinen, ein fieser Slasher hätte die Jünger des Erfinders der Ibanez JEM und Universe in einen Hinterhalt gelockt. Da an diesem Abend der „Gitarrist des Teufels“ auf eine Vorgruppe verzichtet, bleibt genug Zeit, Steves aktuelles Tourequipment zu checken. Neben vielen von den letzten Konzertreisen bekannten Effekten in Rack- und Tretminenform weckt ein neuer Amp das Interesse, der stark nach einem Prototypen in der Testphase aussieht: Arbeitet Vai mit Carvin an der vierten Inkarnation der Legacy-Serie? Eine Auflösung gibt es hier wahrscheinlich erst zur im Januar stattfindenden NAMM Show in Anaheim, Kalifornien bzw. der Musikmesse in Frankfurt im März 2014. Nachdem die Fachsimpelei über Steve Vais Instrumentarium fast beendet ist, erlischt das Hallenlicht und der in Long Island geborene Stunt-Gitarrist betritt mit seinem unvergleichlichen Charme plus coolem Hut die Bühne. Innerhalb der ersten Stücke ›Racing The World‹ und ›Velorum‹ nimmt der Gründer der „Make A Noise Foundation“ sein Publikum mit auf eine knapp 165-minütige Reise durch die Welt des hochklassigen Instrumentalrocks. Es ist eine wahre Freude, Vai bei seinen filigranen Soli, har- schen Riffattacken oder der schier endlos scheinenden.

Spielerei mit seinem LO-TRS II Tremolo zu beobachten. Als in der Setlist ›The Ultra Zone‹ ansteht, rockt Steve passend dazu in einem mit Leuchtdioden versehenen Anzug und der speziell für den Song angefertigten Axt, die nach dem gleichnamigen Albumcover gestaltet wurde. Neu in Steves Gitarrenrevue ist „Build A Song“, bei dem er Fans aus dem Publikum auf die Bühne einlädt und mit ihnen aus dem Stegreif ein Stück zaubert. Nach diesem für alle spaßigen und wirklich hervorragenden Teil der Show findet der Abend mit ›For The Love Of God‹ und ›Fire Garden Suite IV Taurus Bulba‹ einen schönen Abschluss glücklicherweise ohne Slasherangriff.

Text: Chris Franzkowiak