Special: Grunge

Soundgarden - Louder Than LoveDreckige Revolution

20 Jahre ist es her, seit Grunge seinen weltweiten Siegeszug gestartet hat. Doch obwohl der kreative Höhenflug der Seattle-Bewegung nicht mehr als drei Jahre andauerte, sind bis heute viele Rockfans der Ansicht, dass es allein dem Erfolg von Nirvana, Pearl Jam oder Soundgarden zuzuschreiben ist, dass der klassische Achtziger-Rock in den Neunziger einen jähen und schmerzhaften Abstieg erlebt hat. Das stimmt natürlich bedingt. Denn für den Tod eines Genres sind in erster Linie die jeweiligen Protagonisten verantwortlich – das gilt für die Haarspray-Fraktion ebenso wie später für die Flanellhemd-Anhängerschaft. CLASSIC ROCK blickt zurück auf eine Zeit, in der diese beiden Riff-Fronten noch extrem verhärtet waren.

Text: Petra Schurer

Selbst heute noch, Jahre 20 danach, fordert die Revolution ihren Tribut. Es gibt ein weiteres Grunge-Opfer zu betrauern: Mike Starr, Gründungsmitglied von Alice In Chains, ist am 8. März 2011 in Salt Lake City tot in seinem Appartement aufgefunden worden. Starr verstarb im Alter von 44 Jahren an den Folgen einer Überdosis. Mit dem Bassisten verliert die Seattler Grunge-Szene, die Anfang der Neunziger ihren weltweiten Siegeszug startete, ein weiteres prominentes Mitglied.

Drogen und Grunge – das sind zwei Elemente, die untrennbar miteinander verbunden sind. Der Heroin-Tod von Mother Love Bone-Sänger Andrew Wood, aufgrund dessen sich Temple Of The Dog firmiert haben, diese brillante Kollaboration aus den späteren Pearl Jam- und Soundgarden-Stars, gilt zynischerweise als Initialzündung der Bewegung. Ein cleaner Kurt Cobain hätte vermutlich die Schrotflinte zur Jagd benutzt, aber nicht als Selbstmord-Utensil. Und Alice In Chains könnten heute zu den größten Rockacts aller Zeiten zählen, wenn sie Ende der Neunziger konsequent weiter auf Tour gegangen wären – was jedoch unmöglich war, weil Layne Staleys körperliche Verfassung dies nicht mehr zuließ.

Wie untrennbar Licht und Schatten beim Thema Grunge miteinander verbunden sind, beweist unter anderem die rasante Geschwindigkeit, mit der die Seattle-Szene international Fahrt aufgenommen hat. Heute ist es genau 20 Jahre her, dass junge Männer in Flanellhemden das Raue im Rock wieder salonfähig machten. Nach all den Jahren, in denen Stadionrock mit all seinem Showglitzer das Maß aller Dinge scheint, gleicht das einem Putsch. Von unten, wohlgemerkt. Denn sie findet zunächst in den kleinen Clubs statt, bevor sie sich dank Musikfernsehen, (College-)Radios und Zeitschriften immer weiter ausbreitet. Und wie bei jeder Revolution gibt es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Bis heute beschweren sich etliche Hardrock-Bands gar bitterlich, dass Grunge ihre Musik getötet bzw. ihren eigenen Aufstieg gebremst oder gar verhindert hat: Lenny Wolf von Kingdom Come (siehe Interview auf Seite 42) ist nur ein Beispiel dafür. Wobei ganz klar gesagt werden muss: Nicht der Seattle-Sound an sich trägt die Schuld daran, sondern die Tatsache, dass es einen massenmedialen Aufruhr rund um die Grunge-Welle gibt – womit sich die Berichterstattung über die etablierten Acts automatisch reduziert. Dies trifft besonders diejenigen hart, die noch nicht lang im Geschäft sind und deren Fan-Basis erst wenige Jahre wachsen konnte. Aber auch Megaseller wie Poison oder Warrant geraten ins Trudeln.

Vieles von dem erinnert an den Punk, der in den späten Siebzigern den Bombast-(Prog-)Rockern das Leben schwer gemacht hat. Es war die ungezügelte Energie der Sex Pistols, die so jenseits aller gängigen Konventionen war, dass etliche etablierte Acts nur mit ungläubigem Staunen reagieren konnten. Den Satz „Die können doch gar nicht spielen!“ haben nicht nur die Sex Pistols gefühlte 4513. Mal in ihrer Karriere gehört – auch die Grunger erleben Anfang der Neunziger, was es heißt, die Musikwelt mit vergleichsweise simplen Song-Arrangements zu er-obern. Anfeindungen sind an der Tagesordnung.

DUELL DER GIGANTEN

Stellvertretend für die beiden Lager, in die sich die Rock-Gemeinde aufspaltet, stehen zwei Veröffentlichungen, die den September 1991 zu einem wichtigsten Monate in der Historie harter Sound machen: die Guns N’Roses-Zwillingsalben USE YOUR ILLUSION I und II sowie Nirvanas NEVERMIND. Die Platten erscheinen kurz hintereinander, am 17. bzw. 24. September. Im Nachhinein betrachtet erscheint diese Woche wie eine Wachablösung. Die USE YOUR ILLUSION-Scheiben sind ein letztes Aufbäumen der alten Zeit, im Grunde ein furioser, wenngleich verspäteter Abschluss der Achtziger. Mit NEVERMIND, Nirvanas zweitem Studioalbum, bricht eine neue Zeitrechnung an.

Die Neunziger präsentieren sich zunächst von ihrer unprätentiösen Seite. Während Axl Rose und seine Crew die vergangenen Jahre damit verbracht haben, die Dollars in Stringtangas, Champagnerkübeln oder Einwegspritzen zu versenken, gibt es in Seattle zunächst nur Corn Dogs, Würstchen im Maisteigmantel. „Als ich im Sommer 1990 bei Nirvana einstieg, wohnte ich zunächst bei Kurt Cobain“, erinnert sich Drummer Dave Grohl an die Zeit, in der er Dan Peters an den Drums ersetzt. „Ich schlief auf seiner Couch und ging zwei Mal am Tag in den Supermarkt ums Eck. Dort gab es drei Corn Dogs für 99 Cent. Davon habe ich mich ein Jahr lang ernährt.“ Nirvana vermeiden zudem alles, was ein Rockstar zu dieser Zeit tut. Es gibt keine Zugaben, die Band schreibt keine Autogramme, achtet nicht darauf, welche Klamotten sie auf der Bühne trägt. Aus dieser Anti-Haltung wird schnell ein Erfolgsrezept. Am 11. Januar 1992 erklimmt NEVERMIND die Spitze der US-Charts und verdrängt somit Michael Jacksons DANGEROUS von der Top-Position. Auch wenn die Band selbst davon gar nicht begeistert ist: „Wir sind nicht stolz darauf, dass auf einmal selbst Guns N’Roses-Fans unseren Sound mögen“, betont Kurt Cobain Anfang 1992 in einem Interview mit dem britischen Journalisten Everett True (u.a. „Melody Maker“). „Wir wollen uns nicht entwickeln, groß werden und in riesigen Hallen spielen. Es kotzt mich an, dass ich mich jetzt mit den geschäftlichen Aspekten unserer Musik befassen muss. Ich wäre am liebsten ein einfacher Straßenmusikant. Deshalb macht es mich regelrecht aggressiv, dass Nirvana ein Teil der Maschinerie geworden sind, und ich fange an, mich über alles Mögliche zu beschweren und mich dabei selbst wie ein Rockstar aufzuführen. Nur dass ich noch ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich mich so benehme.“

Davon ist am 9. September 1992 wenig zu spüren. Nirvana sind zu Gast bei den MTV Video Music Awards in Los Angeles und werden dort in den Kategorien „Best Alternative Music Video“ und „Best New Artist Video“ geehrt. Sie treten live auf, wobei Krist Novoselić sein Bass auf den Kopf fällt, während Cobain beim Verlassen der Bühne das Klavier von Axl Rose bespuckt. Es soll nicht der einzige Zwischenfall bleiben: Als Rose und seine damalige Freundin, das Model Stephanie Seymour, an Cobain und Courtney Love vorbeilaufen, lässt sich Love zu der sarkastischen Frage hinreißen, ob Axl nicht Patenonkel ihrer gerade geborenen Tochter Frances Bean werden möchte. Rose flippt aus und beschimpft sie. Auch Krist Novoselić und Duff McKagan geraten aneinander – der Guns N’Roses-Bassist, vollgedröhnt bis in die letzten blondierten Haarspitzen, geht auf den Nirvana-Mann los. Eine Aktion, für die er sich im vergangenen Jahr erstmals öffentlich entschuldigt. In seinem Blog für die Tageszeitung „Seattle Weekly“ schreibt er: „Ich hatte den Eindruck, dass die Nirvana-Jungs mich und meine Band verhöhnen wollten. Das machte mich tierisch wütend, und da ich zudem total auf Drogen war, hatte ich mich nicht mehr unter Kontrolle und ging auf Krist los. Das tut mir wirklich leid.“

Diese Episode zeigt: Trotz der enormen musikalischen Differenzen zwischen den beiden Bands haben sie doch im Grunde mehr miteinander gemein, als sie sich selbst eingestehen wollen. In Bezug auf die Sturheit – oder: Konsequenz –, mit der sie ihren jeweiligen Lebensstil verfolgen, unterscheiden sie sich jedenfalls keinen Deut. Und auch in Sachen Heldenverehrung gibt es Parallelen. Während Guns N’Roses auf Kiss, Led Zeppelin, Aerosmith, T.Rex oder Alice Cooper schwören, heben Nirvana Sonic Youth, die Melvins oder die Pixies in ihren Idolhimmel und werden nicht müde, in Interviews immer wieder zu betonen, wie wichtig diese Acts für ihren Sound sind. „Mit 99 Prozent aller Rock’n’Roll-Acts will ich nichts zu tun haben. Van Halen oder Warrant sind es nicht einmal wert, dass man über sie lästert“, so Cobain. „Aber es gibt einige Bands, die unsere Gesinnung teilen und die wir deshalb schätzen: Mudhoney, Sonic Youth oder Fugazi zum Beispiel.“ Doch so sehr der Nirvana-Frontmann auch auf den Underground-Wurzeln seiner Band beharrt: Zu seinen frühesten Einflüssen zählen dieselben Bands, die auch die Guns N’Roses-Belegschaft in ihrer Jugend gehört hat. Cobains Tante begeistert den Jungen zunächst für die Beatles, und von da ist der Schritt zu Kiss, Aerosmith, Led Zeppelin und Black Sabbath nicht weit.

SIEBZIGER-INSPIRATIONEN

Und Nirvana sind nicht die einzigen Seattle-Rocker, die mit diesen Acts aufgewachsen sind und sich nun darauf beziehen. Im Gegenteil: Bei den meisten anderen Bands treten diese Einflüsse sogar weitaus deutlicher zu Tage als bei Cobain, Novoselić und Grohl. Soundgarden etwa werden zu Zeiten ihrer ersten Releases SCREAMING LIFE (1987) und ULTRA MEGA OK (1988) von den Verantwortlichen beim Label SubPop als eine Band beschrieben, die „über einen attraktiven Frontmann verfügt und stilistisch Led Zeppelin mit den Butthole Surfers kreuzt“. In dieser Reihenfolge, wohlgemerkt… Pearl Jam antworten auf die Frage, welche Bands sie von Anfang an begleitet haben, stets mit „The Who, Neil Young, The Ramones“, Gitarrist Mike McCready führt zusätzlich noch Jimi Hendrix an. Alice In Chains sind sogar noch eine Spur offener: Sie nennen Black Sabbath, aber auch Van Halen oder Metallica als Vorbilder. In ihrem Sound schlagen sich jedoch daneben vor allem die Siebziger-Vorbilder durch – woran sich bis heute nichts geändert hat.

Allein bei der Betrachtung dieser Bands, also der „großen Vier“ des Grunge, wird deutlich, dass es keinen homogenen Seattle-Sound gibt – das Inspirationsspektrum reicht von klassischem Rock über Punk bis hin zu Indie- und Noiserock. Die Bewegung beruht weniger auf musikalischen Gemeinsamkeiten als auf einer ähnlichen Geisteshaltung: Die Musiker wehren sich gegen eine bestimmte Mode, gegen das vorherrschende Image des Macho-Muckers – im Prinzip gegen alles, was von den Songs ablenkt. Dass sie damit ein eigenes Image kreieren, das im Grunde genauso rigide ist wie das, gegen das sie sich auflehnen, ist ihnen – zumindest Anfang der Neunziger – noch nicht klar.

Hinzu kommt, dass zu dem Zeitpunkt, in dem Grunge weltweit die Charts stürmt und die größten Hallen füllt, vie-le Protagonisten schon mit immensen privaten Problemen zu kämpfen haben. Dadurch, dass ihnen das „Rockstar-Gen“ fehlt, also der unbedingte Drang ins Rampenlicht, müssen sie ihre Schüchternheit überwinden. Drogen sind der einfachste Weg. Hinzu kommt: Viele denken, dass dadurch auch ihre Kreativität beflügelt wird. Andrew Wood ist der Erste, der diesen Irrglauben mit dem Leben bezahlt. Er, der mit seiner Band Malfunkshun auf dem DEEP SIX-Sampler vertreten ist, einem der frühesten Manifeste der neuen Bewegung, erlebt ihren Höhepunkt nicht mehr. Wood stirbt am 19. März 1990. Mit ihm verschwindet ein Bindeglied zwischen den stilistischen Welten. Andrew Woods Performance, sowohl sein Gesang als auch seine Optik, vereinen den Glam der Achtziger mit der Melancholie der Neunziger, er klingt klassisch und dennoch modern, ist ein Vorbild für die gesamte Szene. CLASSIC ROCK-Autor Greg Prato beschreibt ihn als „hippiesken Rock’n’Roll-Gott, eine perfekte Mischung aus Marc Bolan und Jim Morrison, mit Freddie Mercury oder Paul Stanley als Vorbildern“.

Wood ist voller Leidenschaft für seine Musik, er kostet jede Sekunde aus, obwohl er es mit Malfunkshun nicht schafft, ein Album zu veröffentlichen. 1988 schließt er sich daher Stone Gossard, Jeff Ament und Bruce Fairweather zusammen, deren Band Green River gerade in ihre Einzelteile zerfallen ist, und Greg Gimore (Ten Minute Warning, Skin Yard) übernimmt die Drums. Mother Love Bone sind geboren. Im März 1989 erscheint die erste EP, SHINE. Sie verkauft sich hervorragend, sodass das Debüt APPLE, das im Herbst 1989 in den London Bridge Studios entsteht, heiß gehandelt wird. Alle erwarten den großen Durchbruch. An-drew Wood, der an der Nadel hängt, versucht vom Heroin loszukommen, begibt sich in Therapie. Ohne Erfolg: Wenige Tage vor der geplanten Veröffentlichung des Albums findet ihn seine Freundin leblos in seiner Wohnung. Wood liegt noch drei Tage im Koma, bevor er schließlich verstirbt.

AUFSTIEG AUS DER ASCHE

Die Nachricht von Andrew Woods Tod er-schüttert Seattles Musikszene. Da die Stadt, anders als Los Angeles oder San Francisco, vergleichsweise isoliert und übersichtlich ist, kennen sich die meisten Rocker persönlich. Umso härter trifft es sie, dass einer aus ihrer Mitte herausgerissen wird. Um ihre Wut und Trauer zu verarbeiten, schließt sich Woods ehemaliger Mitbewohner Chris Cornell mit Stone Gossard und Jeff Ament zu einem Projekt zusammen. Es nennt sich Temple Of The Dog – nach einer Textzeile aus Mother Love Bones ›Man Of Golden Words‹. Mit Unterstützung von Soundgarden-Schlagzeuger Matt Cameron, Gitarrist Mike McCready und dem aus San Diego dazugestoßenen Gastsänger Eddie Vedder entsteht das Debüt TEMPLE OF THE DOG, das im April 1991 erscheint, aber zunächst kein durchschlagender Erfolg wird. Doch was viel wichtiger ist: Die Bande sind geknüpft. Gossard, Ament, McCready und Vedder machen unter dem Banner Pearl Jam weiter und feiern – Monate nach der Erstveröffentlichung – mit ihrem Debüt TEN international Erfolge, Cornell und Cameron sorgen mit Soundgardens 1991er-Album BADMOTORFINGER (und dabei speziell dem Video zu ›Jesus Christ Pose‹) für Furore.

1991 lösen sich auch erstmals die bislang bewährten Strukturen auf. Obwohl Soundgarden bereits seit 1988 bei einem Major-Label unter Vertrag stehen (Nirvana folgen ihrem Beispiel zwei Jahre später), haben sie dennoch mit denselben Leuten zusammengearbeitet wie zu Beginn ihrer Karriere. Epizentren der Bewegung sind Label-Macher wie Chris Hanzsek und Tina Casale (C/Z Records), Bruce Pavitt und Jonathan Poneman (SubPop), die Produzenten Jack Endino, Steve Albini, Rick Parashar oder Butch Vig, man trifft sich bei Gigs in kleinen Clubs wie „Squid Row“, „The Vogue“ oder „The Central Tavern“. Journalisten wie Everett True („Melody Maker“) oder Keith Cameron („Sounds“) oder die Fotografen Charles Peterson und Andy Catlin tragen das Ganze schließlich nach außen.

DIE HYPE-PHASE

Zwischen diesen ersten Berichten über den Seattle-Underground bis hin zu den Jubelarien, die im Zuge des Megaerfolgs von Nirvana & Co. durch alle Medien gehen, liegen gerade einmal etwas mehr als zwei Jahre. Dementsprechend irritiert reagieren die Protagonisten auch auf die plötzliche Aufmerksamkeit, die sie wie ein Tsunami erfasst und verschlingt. Für Kurt Cobain, Krist Novoselić und Dave Grohl hat sich im Oktober 1991, als NEVERMIND die Gold-Auszeichnung für 500.000 verkaufte Exemplare in den USA erhält, nichts verändert: Sie sind nach wie vor pleite. Zunächst reagieren sie mit Humor auf die einprasselnden Anfragen, doch daraus wird rasch beißender Zynimus und schließlich eine Schockstarre. Insbesondere Cobain steht im Mittelpunkt, doch immer häufiger gibt er die Verantwortung an Grohl und Novoselić ab, die sich mit stoischer Gelassenheit in ihr Interview-Schicksal ergeben.

Auch andere Bands haben mit der Gier der Medien nach neuen Informationen zu kämpfen. Eddie Vedder von Pearl Jam ist gleich doppelt gestraft. Obwohl sich TEN hervorragend verkauft, muss er damit leben, dass Nirvana die größere Band sind und Cobain noch dazu nichts von seiner Leistung hält, wie er in einem MTV-Interview öffentlich macht: „Ich habe Pearl Jam schon immer gehasst“, äußert sich Cobain in dem Gespräch abfällig über seine Kollegen. Ein Schlag, von dem sich die Egos der Musiker lange Zeit nicht erholen. „Wir hatten danach immer das Gefühl, zwar immens erfolgreich zu sein, den Erfolg aber eigentlich gar nicht zu verdienen“, erinnert sich Gitarrist Stone Gossard. „Das führte dazu, dass wir ziemlich angespannt und auch unsicher wurden. Ich denke, dass niemand besonders viel Spaß daran hatte, mit uns abzuhängen. Es war wirklich eine merkwürdige Zeit.“

Hinzu kommt, dass der Hype inzwischen seinen Höhepunkt er-reicht. Es geht längst nicht mehr um die Musik, die Seattle-Revolution hat internationale Ausmaße erreicht – und ist damit zu einem Wirtschaftsfaktor geworden. Während es die raueren Vorreiter-Bands wie die Melvins, Tad oder Mudhoney nicht schaffen, in die Top-Chartre-gionen vorzudringen, räumen Nirvana, Soundgarden, Pearl Jam und schließlich auch die zu Beginn ihrer Karriere noch deutlich metallischer ausgerichteten Alice In Chains alles ab. In deren Erfolgssog können auch weitere Acts bei Mainstream-Publikum punkten. Die Smashing Pumpkins, obwohl stilistisch in völlig anderem Fahrwasser, rücken dank des Seattle-Bonus’ ins Rampenlicht, und auch Nicht-Seattle-Bands mit ähnlichem Sound schaffen es in höchste Chartregionen: Die Stone Temple Pilots aus San Diego punkten 1992 mit CORE, Blind Melon versetzen auf ihrem gleichnamigen 1993er-Debüt klassischen Hardrock mit einem melancholischen Unterton und sprechen damit auch die Grunge-Zielgruppe an. Hole bringen sich durch Courtney Loves Beziehung zu Kurt Cobain ins Gespräch, und L7 beweisen mit BRICK ARE HEAVY, dass der Sound auch etwas von und für Frauen ist. Vielbeachtet in Szene-Kreisen, wenngleich in kommerzieller Hinsicht nicht immens relevant, sind die Screaming Trees (deren 1991er-Album UNCLE ANESTHESIA von Chris Cornell produziert wird) und das All-Star-Projekt Mad Season.

Parallel dazu passiert etwas, das der ursprünglichen Haltung der Bewegung diametral entgegensteht: Die früheren Anti-Stars werden zu Rock-Stars, aus dem Alltags-Look wird ein angesagter Modetrend, selbst die Filmindustrie entdeckt das Potenzial der Szene für sich und setzt es 1992 in „Singles“ erfolgreich fürs Popcorn-Kino um. Es geht so weit, dass selbst alte Feinde das Kriegsbeil begraben, um noch ein paar Krümel vom Grunge-Kuchen abzustauben. Mötley Crüe, Warrant, ja selbst Kiss und Alice Cooper versuchen, den angesagten Sound in ihre bewährte Song-Strukturen einzupassen – mit mehr oder minder großem Erfolg (siehe Kasten). Dass sie damit dem Trend schon wieder hinterher hinken, merken die Künstler nicht. Denn Grunge ist bereits tot – Kurt Cobains Selbstmord am 5. April 1994 bildet lediglich den dramatischen Schlusspunkt, der kreative Funke sprüht zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr. Etwas Neues ist im Anmarsch: New Metal greift das Persönliche, Introvertierte des Grunge auf und verbindet es mit bedingungsloser Härte und kraftvollen Grooves, die Britpop-Bewegung versucht es mit mehr Melodien, die Stoner-Rocker mit staubig-hypnotischen Riffs, während die etablierten Grunge-Künstler fortan unter dem Banner „Alternative Rock“ firmieren und durch Acts wie Bush, Silverchair, Collective Soul, Creed, Live oder Candlebox Verstärkung an der Radio- und Musik-TV-Front bekommen.

DIE REANIMATION

Jetzt, 20 Jahre nach dem großen Boom, scheint jedoch die Zeit für eine Rückbesinnung auf die alten Werte gekommen. Die umjubelten Reunions von Alice In Chains und Soundgarden sind ein Beispiel dafür. Aber auch etliche jüngere Bands setzen auf einen ähnlichen Sound (wenngleich in modifizierter, z.B. mit Indie- oder Stoner Rock-Sprengeln versetzter Form), manche davon sind alte Bekannte wie die Live-/Candlebox-Rocker, die nun mit The Gracious Few zum Sprung ansetzen, andere sind Frischlinge (Dead Confederate, Pandora, Violent Soho). Die unbändige und ungezügelte Energie, der Motor der damaligen Bewegung, hat bis heute offensichtlich ihre Anziehungskraft nicht verloren. Die Fehler jedoch, die Grunge letztendlich zu Fall gebracht haben, werden sich wohl nicht wiederholen. Denn a) wird die Bewegung wohl nie mehr diese Ausmaße erreichen und b) ist auch die damalige Naivität weg. Wo Kurt Cobain noch glaubte, mit Pop-Elementen und einem Major-Vertrag spielen zu können, ohne die Folgen dessen (er-)tragen zu müssen, ist heute jedem klar: Wer die Masse ruft, bekommt auch die Masse zu spüren. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Grunge – Definition

Die Erfindung des Begriffs „Grunge“ (deutsch: „Dreck“, „Schmuddel“) wird gemeinhin Mark Arm (Green River, Mudhoney) zugeschrieben. Er hatte 1981 in einem Brief an das Magazin „Desperate Times“ das Wort benutzt, um seine Band Mr. Epp And The Calculations zu charakterisieren. Bruce Pavitt (Mitinhaber des Labels SubPop) wiederum verwendete den Terminus häufig in den Jahren 1987-1988, um damit Green Rivers Sound zu beschreiben. In Australien war er allerdings bereits Mitte der Achtziger in Gebrauch – für Bands wie King Snake Roost, The Scientists, Salamander Jim oder Beasts Of Bourbon. Im Zuge des explodierenden Seattle-Booms sollte sich dann die Verwendung des Begriffs verändern: „Grunge“ wurde von nun an nicht mehr nur deskriptiv verwandt, um einen Sound zu beschreiben, sondern stand für ein musikalisches Genre..

Die Trittbrettfahrer

Die etablierten Achtziger-Rocker haben sich in den Neunzigern vom Grunge beeinflussen lassen – meist mit relativ geringem kommerziellen Erfolg. Im Nachhinein betrachtet sind einige Alben allerdings besser als ihr Ruf.

KISS: REVENGE (1992)
Mit neuem Schlagzeuger Eric Singer, Produzent Bob Ezrin und dem ehemaligen Gitarristen Vinnie Vincent als Co-Schreiber dreier Nummern hat REVENGE nicht viel mit dem Hochglanz-Hardrock des Vorgängers HOT IN THE SHADE (1989) gemein. Nummern wie der un- erbittliche Opener ›Unholy‹ zeigen Kiss von ihrer bislang bösesten, schwärzesten und härtesten Anti-Make-up-Seite.

Warrant: DOG EAT DOG (1992)
Die Poster-Schönlinge von Warrant kommen plötzlich ungehobelter und moderner daher: Der Opener ›Machine Gun‹ sowie das rasant-harte ›Inside Out‹ greifen die Aggression aus Seattle auf. Zugleich drückt Sänger Jani Lane dem Al- bum aber auch seinen „Alte-Helden-Stempel“ (Beatles, Eagles, Cheap Trick) auf. Entweder här­ter, experimenteller oder authentischer muss es sein – bloß nicht so klebrig und glatt wie zuvor.

Freak Of Nature: FREAK OF NATURE (1993)
Die Bon Jovi-Konkurrenten White Lion sind Geschichte, und ihr Ex-Sänger Mike Tramp trägt fortan Flanell. Seine neue Band Freak Of Nature bringt es allerdings auch nur auf zwei Alben. Davon fällt das 1994er-GATHERING OF FREAKS sogar noch düsterer und brummiger aus als dieses Debüt. Akustische Rühr-Stücke fürs Balladen-Radio wie ›When The Children Cry‹ werden aber auch hierauf nicht geboten.

Mötley crüe: MÖTLEY CRÜE (1994)
Mit The Screams John Corabi am Mikro packen Mötley Crüe die Keule aus. Von Stripclubs, Party-Mucke und Achtziger-Feuerwerk ist keine Spur mehr zu hören, stattdessen bekommen die Fans einen dreckigen, mit düsteren Riffs gespickten Batzen aus Grunge und Alternative Metal entgegengeschleudert. Das hat zwar mit den ursprünglichen Crüe kaum etwas gemein, ist aber musikalisch durchaus ernst zu nehmen.

Alice Cooper: LAST TEMPTATION (1994)
Der Schockrock-Urvater ist schon immer mit der Zeit gegangen – kein Wunder, dass er nun auch Seattle auf der Uhr hat. Für seinen revitalisierten Konzeptalben-Plan holt sich der coole Cooper mit Chris Cornell sogar einen Gast­­sänger der neuen Schule mit ins Boot (›Stolen Prayer‹, ›Unholy War‹). Der histo­rische Schul­terschluss von Grunge und Sieb­zigern ist sogar künst­lerisch eines der besten Alice-Alben.

Bruce Dickinson: SKUNKWORKS (1996)
Grunge liegt 1996 zwar bereits in den aller­letzten Zügen, bringt aber alte Heavy Metal-Helden wie Dickinson dennoch auf den Geschmack, es mal mit etwas Neuem zu versuchen. Für sein drittes Solo-Album sucht der Iron Maiden-Sänger die Zusammenarbeit mit Grunge-Gott und Produzent Jack Endino. Das Ergebnis klingt dann allerdings mehr nach knackigem Sci-Fi-Prog denn nach Seattle.

Die Leittragenden

Diese Rocker mussten Anfang der Neunziger einen herben Karriere-Rückschlag hinnehmen. Im Nachhinein zeigen sie sich dennoch versöhnlich.

Nancy Wilson (Heart):
Als der Achtziger-Sound sich in Rauch auflöste, krochen wir wie geprügelte Hunde zurück nach Seattle. Doch Leute wie Jerry Cantrell bauten uns wieder auf. Er sagte zu uns: „Ihr wart ein riesiger Einfluss auf unseren Sound!“ Das hat uns Mut gemacht, und so fingen wir wieder von ganz unten an. Und stellten fest, dass unsere Fangemeinde doch noch größer war, als wir vermutet hatten.

Kip Winger (Winger):
Grunge kam – und überrollte uns so schnell, dass wir nicht mal wegrennen konnten. Es gab viele Schrottbands zu dieser Zeit. Aber es sind auch einige wirklich hervorragende Künstler aus der Ära hervorgegangen. Chris Cornell zum Beispiel.

Terry Ilous (XYZ):
Für uns hatte der Boom dramatische Auswirkungen. Wir befanden uns gerade auf dem besten Weg, international durchzustarten. Dann kam Grunge, und irgend so ein Idiot bei unserem Label beschloss, dass es an der Zeit wäre, andere, neue Acts zu unterstützen. XYZ verloren ihren Deal – obwohl unser Debüt Gold-Status erreicht hatte. Wir waren am Boden zerstört. So ist das Musikgeschäft: Ein paar Yuppies bestimmen, wo es langgeht. Mit der Musik an sich hat das wenig zu tun. Daher erging es den Grungern schließlich genauso wie uns.

Geoff Tate (Queensryche):
Nicht einmal die Grunge-Bands selbst mochten den Begriff „Grunge“. Sie sind Rockacts – nicht mehr und nicht weniger. Wir sind immer von allen respektiert worden: Schließlich kommen wir aus derselben Stadt, und Pearl Jam, Alice In Chains oder Soundgarden haben alle schon mit uns die Bühne geteilt, meist sogar als Support-Bands. Ich bin außerdem mit Mike McCready und Jerry Cantrell befreundet.

Mark Slaughter (Slaughter):
Als Grunge aufkam, konnten alle anderen Bands einpacken. Sei es nun Achtziger-Rocker oder Metaller. Diese Zeiten sind nun jedoch vorbei, die Leute stehen wieder auf gutgelaunten Party-Sound – denn alle, die sich damals dem Grunge verschrieben hatten, machen nun entweder andere Musik oder leben nicht mehr.

Gene Simmons (Kiss):
Plötzlich gab es da ein paar Manisch-Depressive, die anfingen, Musik zu machen. Kurt Cobain war ein kranker Mensch, der zufällig eine Gitarre hatte und in einer Band war. Er schrieb Lieder, die die Menschen hören wollten, zweifellos wichtige Lieder, aber er war komplett durchgeknallt.


TIMELINE

Einmal Welt-ruhm & zurück: CLASSIC ROCK zeichnet die wichtigsten ­Stationen des Grunge-Booms nach.

1983: In Montesano, Washington, tun sich einige Schulkumpels zusammen und gründen eine Band: The Melvins. Sänger und Gitarrist Buzz Osborne sowie Bassist Matt Lukin finden kurz nach dem Ausstieg von Drummer Mike Dillard in Dale Crover den richtigen Ersatz. Sie beginnen damit, ihre Songs langsamer und härter zu gestalten als alle anderen Acts.

1984: Mark Arm (Gesang & Gitarre), Steve Turner (Gitarre), Alex Vincent (Drums), Jeff Ament (Bass) und Stone Gossard (Gitarre) heben Green River aus der Taufe. Erste Konzerte in Seattle und Umgebung finden statt.

Sänger und Schlagzeuger (!) Chris Cornell, Bassist Hiro Yamamoto und Gitarrist Kim Thayil formieren Soundgarden: Der Name stammt von einer Windglockenspiel-Skulptur nahe des Magnuson Parks in Seattle. Drummer Scott Sundquist stößt ein Jahr später dazu, damit sich Cornell fortan ausschließlich auf den Gesang konzentrieren kann.

1985: Ben McMillan (Sänger), Jack Endino (Gitarre), Daniel House (Bass) und Matt Cameron (Schlagzeug) rufen mit Skin Yard einen weiteren Grunge-Prototypen ins Leben.

März 1986: Unter dem Titel DEEP SIX bringt die kleine Seattle-Platten-firma C/Z Records einen Sampler auf den Markt, der unter anderem Songs von den Melvins, Green River, Soundgarden, Skin Yard und Malfunkshun beinhaltet. Der Sound einer neuen Szene ist damit offiziell geboren.
Im selben Jahr gründen Bruce Pavitt und Jonathan Poneman Sub Pop.

1987: In Aberdeen, Washington, entstehen dank Sänger und Gitarrist Kurt Cobain und Bassist Krist Novoselić Nirvana. Anfangs leidet die Band unter hohem Schlagzeuger-Verschleiß.
Aus der Asche der Glam-Truppe Diamond Lie erheben sich Alice In Chains. Mit von der Partie: Schlag­zeuger Sean Kinney, Bassist Mike Starr, Gitarrist Jerry Cantrell und Neuzugang Layne Staley am Mikro.

1988: Das Green River-Debüt REHAB DOLL erscheint. Es bleibt der einzige Langspieler der Band, die sich schon kurz darauf wieder auflöst.

Arm und Turner verfolgen fortan mit Mudhoney den Garagen-Punk weiter. Ament und Gossard gründen mit dem Ex-Malfunkshun-Sänger Andrew Wood, Gitarrist Bruce Fairweather und dem früherem Skin Yard-Schlagzeuger Greg Gilmore die Gruppe Mother Love Bone.

Im August veröffent­licht Sub Pop die Mudhoney-Single ›Touch Me I’m Sick‹. Eine fiktive Verballhornung des Songtitels (nämlich ›Touch Me I’m Dick‹) taucht später in Cameron Crowes Seattle-Film „Singles“ auf.

Zwei Monate später bringen Sound­garden (nach zwei EPs für Sub Pop) ihr Debütalbum ULTRAMEGA OK auf SST Records heraus. An den Drums agiert fortan Matt Cameron.

1989: Im Juni debütieren Nirvana mit dem von Jack Endino produzierten BLEACH auf Sub Pop.
Im September liegt Soundgardens Zweitwerk Louder Than Love vor.

1990: Mother Love Bone-Sänger Andrew Wood verstirbt an einer Heroin-Überdosis – kurz vor der geplanten Veröffentlichung von APPLE.

Das erste Alice In Chains-Album FACELIFT erscheint beim Majorlabel Columbia Records.

1991: Das Andrew-Wood-Tribute-Album TEMPLE OF THE DOG erscheint.
Das von Chris Cornell initiierte Projekt führt zur Gründung von Pearl Jam.

1991: Im August kommt Pearl Jams TEN auf den Markt. Anfänglich ist es kein kommerzieller Erfolg, rückblickend ist es das bis dato erfolgreichste Werk der Band: knapp zehn Millionen Stück gehen allein in den USA über die Theke.

Im September erscheint Nirvanas NEVERMIND, aufgenommen mit dem neuen Schlagzeuger Dave Grohl. Dank der Mega-Single ›Smells Like Teen Spirit‹ revolutioniert das Album weltweit die Rock-Landschaft.

Nur wenige Tage später veröffentlichen Soundgarden, die sich mit Ben Shepherd am Bass verstärkt haben, BADMOTORFINGER. Sie profitieren davon, dass Seattle nun im Fokus steht und schaffen es bis in die US-Top 40. Eine Support-Tour schließt sich an: ausgerechnet für Guns N’ Roses.

1992: NEVERMIND stößt im Januar Michael Jacksons DANGEROUS vom US-Charts-Thron. Der King Of Pop weicht den neuen Kings Of Grunge.

Wenige Tage später heiratet Kurt Cobain seine Freundin, die Hole-Sängerin Courtney Love.
Das zweite Alice In Chains-Album DIRT klettert im Herbst bis auf Platz 6 der Billboard-Charts. Im Kino läuft derweil Cameron Crowes „Singles“ an, zu dessem Soundtrack Alice In Chains mit ›Would?‹ auch einen Track beisteuern. Bassist Mike Starr verlässt kurz darauf die Band und wird durch Mike Inez ersetzt.

1993: Nirvanas IN UTERO toppt im September sofort die US-Charts.

Pearl Jam legen im Oktober nach: Ihr zweites Album VS. okkupiert fünf Wochen lang die Spitzenposition.

Nirvana spielen im November als erste Grunge-Band ein gefeiertes Konzert in der Reihe MTV Unplugged.

1994: Weniger ruhmreich geht es weiter – Anfang März Kurt Cobain wird in Rom aufgrund einer Überdosis-Mischung aus Champagner, Kokain und und Rohypnol ins Krankenhaus geliefert. Die Europatour der Band muss abgebrochen werden.

Am 5. April erschießt sich Cobain mit einer Schrotflinte.

Drei Tage später wird seine Leiche in seinem Haus in Seattle aufgefunden.

Courtney Loves Band Hole veröffent­licht mit LIVE TROUGH THIS ihr zweites Album. Es wird ein Riesenerfolg.

Im November erzielen Pearl Jam mit VITALOGY einen weiteren Nummer-eins-Hit. Im Juni darauf machen sie als Backing-Band ihres Idols Neil Young von sich reden.

1995: Im Juli erscheint das Debüt der Foo Fighters. Nirvana-Drummer Dave Grohl hat hier eine neue Heimat gefunden – als Sänger und Gitarrist.

1996:: Alice In Chains spielen MTV Unplugged. Es ist einer der letzten gemeinsamen Auftritte mit Sänger Layne Staley.

1997: Soundgarden geben im April ihre Auflösung bekannt. Drummer Matt Cameron wird ein Jahr später festes Mitglied bei Pearl Jam.

2000: Im Juni kommen während des Pearl Jam-Gigs beim Roskilde-Festival acht Menschen zu Tode. Ein Ereignis, das die Band nachhaltig traumatisiert.

2002: Layne Thomas Staley stirbt an einer Heroin-Überdosis.

2006: Die verbliebenen Mitglieder von Alice in Chains treten bei einem Ehrenkonzert für die Band Heart auf. Mit von der Partie: William DuVall am Mikro. Eine kurze Tour sowie einige europäische Festival-Dates folgen.

2009: Alice In Chains veröffentlichen ihr Comeback-Album BLACK GIVES WAY TO BLUE.

2010: Chris Cornell deutet via Twitter eine Soundgarden-Reunion an.

2011: Im März gibt es ein weiteres Grunge-Opfer zu beklagen:

Ex-Alice In Chains-Bassist Mike Starr nimmt in Salt Lake City einen töd­lichen Cocktail aus Methadon und Medikamenten zu sich.

Soundgarden bringen LIVE ON I-5 heraus und gehen zudem mit Produzent Adam Kasper ins Studio, um ihr Comeback-Album einzuspielen.

Am 8. April meldet sich Dave Grohl mit dem Foo Fighters-Album WASTING LIGHT zurück.

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