Scorpions: Coburg, Schlossplatz (21.08.15)

Scorpions 2_Fotovermerk_Marc Theis promoDas Open-Air-Comeback des Sommers.

Flashback zum Wacken Open Air 2012: Die Scorpions befinden sich auf großer Farewell-Tour, bei der die Sanduhr noch fünf Monate anzeigt. Das damalige Showcase trägt den Untertitel „Last German Open Air Show“. Glücklicherweise kam der Abschied vom Abschied während des ursprünglich letzten Konzerts am 17.12.2012. Fans atmeten auf und die Band nahm sich in der Folgezeit eine verdiente Pause. Eine Frage, die seither heiß diskutiert wurde: Wo und wann spielen die Scorps ihr „erstes“ Konzert unter freiem Himmel in ihrem Heimatland? Die Antwort folgte im Dezember 2014: Zwei Open-Air-Konzerte sollen es 2015 werden – eines bei „Rock am Strand“ in Eckernförde und eines beim „Huk Open Air Sommer“ in Coburg. Da Ersteres aus produktionstechnischen Gründen abgesagt wurde, bekam die historische Location in Franken nicht nur das alleinige Freiluftspektakel von Schenker, Meine, Jabs & Co., sondern zusätzlich die Ehre des einzigen Deutschlandgigs 2015. Selbst der Wettergott über Coburg fühlte sich an diesem Freitag höchstwahrscheinlich gebauchpinselt, denn wo tags zuvor noch Regenwolken am Himmel standen, regiert am „Scorpions-Tag“ feinstes Sommerwetter. Als die 1965 von Rudolf Schenker gegründete Band gegen 21 Uhr die größte, jemals auf dem Schloßplatz aufgebaute Bühne entert, sticht der Stachel gleich mit dem Opener ›Going Out With A Bang‹ gefährlich scharf. Meines Stimme schneidet durch die Dämmerung und lässt auch den letzten am Bierstand merken, dass heute nicht gekleckert, sondern mächtig (und exzellent gemischt) geklotzt wird. Verschnaufpausen in der perfekt zusammengestellten Setlist, die auch ein cooles 70s-Medley, bestehend aus ›Top Of The Bill‹, ›Steamrock Fever‹, ›Speedy‘s Coming‹ und ›Catch The Train‹ beinhaltet, gibt es nur geschickt platziert für Klaus Meine und Riffmeister Schenker. Letzter scheint mit dem örtlichen Promoter einen Kilometergeld-Deal ausgehandelt zu haben: Rudolf rennt, springt und lässt die Windmühle wie in den wilden 80ern kreisen. Matthias Jabs hingegen bewegt sich lächelnd mit so viel Präzision über die Bretter wie mit seinen Fingern über sein Griffbrett – hier sitzt jeder Schritt und Ton! Pawel Maciwoda lässt sich hingegen von dem Trubel, der um ihm herum passiert, nicht aus der Ruhe bringen und zupft wie immer ultra cool seine Basslines. Nachdem gegen 23.00 Uhr mit ›Rock You Like A Hurricane‹ das erste deutsche Stelldichein der „50 Anniversary Tour“ endet, muss ein Teil der Scorpions schnell die Stachel packen, denn in Hannovers Peppermint Park Studios wartet ihre kommende Remasters-Serie auf ihre Fertigstellung – mehr dazu in CLASSIC ROCK #45.