Saxon: München, Theaterfabrik

Saxon liveGelungener Tourauftakt trotz des Fehlens von Bassist Nibbs Carter.

Es ist ihr erster Abend, und es ist voll. Die Münchner Theaterfabrik, die ehemalige Alabamahalle, füllt sich rasch bis an die Kapazitätsgrenze, als die britischen Metal-Institution zum Nachholtermin ihrer ausgefallenen Herbsttour bittet. Als Warm-up-Truppe haben sich Biff Byford und seine Crew die Deutschen Big Ball mitgenommen.
Die schleifen nicht nur einen vielversprechenden Namen, sondern auch jede Menge AC/DC-Tribute-Riffs mit auf die Bühne. Die Truppe um Debauchery-Chef Thomas Gurrath be­­eindruckt mit viel Groove, eingängigen Melodien und Songs mit stilvollen Titeln wie ›Big Ball Crew‹, ›Killdozer‹ oder ›Hotter Than Hell‹.

Das kommt erwartungsgemäß gut an, so dass Saxon pünktlich um 21 Uhr in der aufgewärm­ten Halle an den Start gehen können: aller­dings ohne Nibbs Carter am Bass. Der Brite muss aus familiären Gründen pausieren, denn seine Frau ist erkrankt. Als Ersatzmann springt Yenz Leonhardt (Kingdom Come, Lacrimosa) ein.

Mit ›Heavy Metal Thunder‹ riffen die Briten gleich ordentlich los, bevor beim dritten Song – ›Motorcycle Man‹ – die ersten groovigeren Rhythmen das Regiment übernehmen. Neben sehnsüchtig erwarteten Krachern wie ›Requiem (We Will Remember)‹ oder später ›747 (Strangers In The Night)‹ gibt es auch Überraschendes zu hören: Das mit melancholischem Unterton versehene ›Broken Heroes‹ von INNOCENCE IS NO EXCUSE zum Beispiel, das bei vielen Rocker im Publikum eine mächtig Gänsehaut erzeugt und auch nicht alle Tage im Programm zu finden ist. Und dann sind da noch alte Kracher wie ›20.000 Feet‹, bei denen die Kuttenträger vor Begeisterung fast das Biertrinken vergessen.

Diese Bandbreite zeigt: Saxon wissen, wie das Rock-Business funktioniert: „Gib alles, wenn es um die Hits geht, aber vergiss die Basis nicht – und lass auch die neuen Songs nicht außen vor!“ So steht der Abend zwar zumeist im Zeichen von ›The Eagle Has Landed‹, ›Strong Arm Of The Law‹ oder ›Princess Of The Night‹, beinhaltet mit ›Live To Rock‹ aber auch frischeres Material.

Für die meisten ge­ballten Fäuste sorgt aller­dings der Zugabenblock mit ›Wheels Of Steel‹, ›Crusader‹ und ›Denim And Leather‹, bei dem die letzten Bierschlucke rasch aus den Bechern schwappen.
Was eigentlich ganz gut ist, denn so kommen die Fans schneller an ihr Pfand-Rückgeld. Und das wird natürlich sofort am Merchstand in Shirts reinves­tiert…

Petra Schurer