Rush – Die Rhythmus-Methode

Opener Rush

Denker, Theoretiker, introvertiert, weit gereist, belesen, eingefleischter Freiheitsverfechter… an Rush-Schlagzeuger Neil Peart ist weit mehr dran als Paradiddles, Polyrhythmen und labyrinthinische Texte.

Neil Peart gibt nur selten Interviews. Der Rush-Schlagzeuger hat 39 seiner 60 Jahre in einer der größten Rockbands der Welt verbracht und ist als ihr Texter genauso die Stimme der Gruppe wie der Mann, der seine Worte singt, Geddy Lee. Doch Peart, Spitzname „der Professor“, hat sich noch nie dabei wohlgefühlt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Außerhalb von Rush ist er ein sehr zurückgezogener Mensch geblieben, was sich in den späten 90ern nach dem Tod seiner Tochter Selena bei einem Autounfall und dem seiner Frau Jacqueline durch Krebs noch verstärkte. Damals teilte er Lee und Rush-Gitarrist Alex Lifeson mit, dass er sich zur Ruhe gesetzt habe. Seitdem hat Peart sein Leben und seine Karriere wieder aufgebaut. 2000 heiratete er die Fotografin Carrie Nuttall und bekam mit ihr eine Tochter, Olivia. Seit er 2001 wieder zu Rush zurückkehrte, hat die Band zu neuer Stärke gefunden.

Als Peart dem Interview mit CLASSIC ROCK zustimmt, tut er das unter der Bedingung, keine Fragen zu seinem Privatleben gestellt zu bekommen. Dafür spricht er offen und ausführlich über seine Arbeit, seine Werte und seinen Lebenskodex. Er strahlt eine ruhige Intensität aus, aber mit einem ironischen, ich-bewussten Humor. Hochintelligent und absolut ehrlich – Neil Peart ist ein äußerst ungewöhnlicher Rockmusiker. „Es war für mich eine sehr interessante Reise“, sagt er.

Sie sind in Kanada auf dem Land aufgewachsen und fingen als Teenager an, Schlagzeug zu spielen. Wie hat die Musik Sie als Mensch verändert?
Ich war eher akademisch orientiert, bis ich die Drums entdeckte. Dann war ich absolut besessen vom Schlagzeugspielen. Ich war körperlich eher im Nachteil. Meine Knöchel waren schwach, also konnte ich keinen Sport machen. Ich konnte nicht schlittschuhlaufen und somit kein Eishockey spielen, was in Kanada denselben Stellenwert hat wie Fußball in Europa. Als Junge macht einen das zum Außenseiter.