Review: Roger Waters – THE WALL

Roger WatersMr. Waters‘ Mauerepos, die x-te: Soundtrack zum Kinofilm.

Von 2010 bis 2013 zog Roger Waters mit seiner Crew rund um die Welt, um erstmals seit 1990 sein Opus Magnum THE WALL, das elfte Studioalbum von Pink Floyd, erneut aufzuführen. Und zwar noch bombastischer, noch opulenter, noch größenwahnsinniger als seinerzeit bei der Floyd-Tour von 1980/81 und der Benefizshow am Potsdamer Platz im gerade wiedervereinten Berlin 1990: ein wahrhaft pompöses Spektakel aus vollfetten Klanglandschaften, fantastischen Videoprojektionen von Gerald Scarfe und gigantischen aufblasbaren Marionettenfiguren. Da Waters seit der Trennung von Pink Floyd anno 1985 inklusive der Oper ÇA IRA (2005) gerade einmal vier Soloalben zustande brachte, kam er im Laufe der Jahre immer wieder gerne auf sein Mauerepos zurück. Nach über 200 ausverkauften Shows vor weltweit 4,5 Millionen Zuschauer reifte der Plan, das während der „The Wall Live“-Tournee unter Co-Regie von Waters und Sean Evans aufgezeichnete Filmmaterial samt Backstage-Impressionen und komplizierter Biografie des Schöpfers in die Kinos zu bringen. Gesagt, getan. Dass beim geschäftstüchtigen Waters zum Kinofilm auch ein Sound­­track im Doppel-CD-Format erscheinen würde, lag auf der Hand. Sämtliche Register zieht Waters bei seinem monumentalen Psycho-Musical, das in Teilen auf eigener Autobiografie basiert und facettenreich die negative Gefühlspalette der Menschheit analysiert: Massen­suggestion, Entfremdung, Isolation, Selbsthass, Leid, Schmerz, Krieg und Faschismus illustrieren die fehlgeleitete Entwicklung der Hauptfigur, des Musikers Pink. Begleitet von rund einem Dutzend Musikern, die penibel die Arrangements des Originals zu reproduzieren verstanden, darunter die Gassenhauer ›Another Brick In The Wall‹, ›Run Like Hell‹, ›Hey You‹ und ›Comfortably Numb‹. Ob die Welt tatsächlich noch eine weitere Version von THE WALL benötigt hat, darf stark bezweifelt werden. Als hörens- wie sehenswertes Mahnwerk an die Menschheit, sich nicht noch einmal in einen fürchterlichen Weltkrieg verstricken zu lassen, bleibt das Mauer­werk dennoch unverzichtbar.

Roger Waters
THE WALL
Columbia/Sony
6/10