Rock-Mythen: Randy Rhoads – Ozzys Knappe

Randy Rhoads 100 beste gitarristen

Randy Rhoads war ein zierlicher Bursche, für den es seit Kindesbeinen nichts als die Musik gegeben hatte. Geboren am Nikolaustag 1956, war er als jüngstes von drei Kindern im kalifornischen Santa Monica aufgewachsen. Beide Eltern waren Musiklehrer, Randys Mutter betrieb eine eigene Musikschule. Bereits mit sieben Jahren hatte der Junge klassischen Gitarrenunterricht erhalten, dazu brachte ihm die Mutter das Klavierspiel bei. Als Teenager spielte Randy in ersten Bands, und schon als 16-Jähriger gab er selbst Gitarrenunterricht an der Schule seiner Mutter. Nachdem er 1971 ein Konzert von Alice Cooper ge­­sehen hatte, gründete Rhoads mit einem Kumpel eine Gruppe, aus der später Quiet Riot werden sollte. 1976 erhielt die Band einen Plattenvertrag, die beiden 1977 und 1978 aufgenommenen Alben wurden jedoch, trotz der respektablen Quiet-Riot-Fanbase im Großraum Los Angeles, ausschließlich in Japan veröffentlicht. Quiet Riot blieben praktisch unbekannt, konnten keinen Plattendeal für die USA an Land ziehen und schafften erst 1983 mit ihrem Megaseller METAL HEALTH den Durchbruch.

Im Spätsommer 1979 hielt sich der bei Black Sabbath gefeuerte Ozzy Os­­bourne in Los Angeles auf, um eine neue Band zusammenzustellen. Am letzten Abend vor der geplanten Rückkehr nach London, kurz vor Mitternacht, erschien Randy Rhoads, der sich bei Quiet Riot verabschiedet hat­te, in Osbournes Hotelsuite, um für den Job als Gitarrist vorzuspielen. Der einigermaßen betrunkene Brite hörte, so die Legende, nicht wirklich zu, und schon, als Rhoads sich mit seiner Les Paul und einem kleinen Übungsverstärker warmzuspielen begann, verpflichtete er den schmächtigen Jungen.

Es war der Beginn einer innigen Freundschaft und einer engen Zusammenarbeit, die Osbournes Solokarriere mit zwei Meisterwerken auf den Weg brachte: THE BLIZZARD OF OZ (1980) und DIARY OF A MADMAN (1981) etablierten den Sänger als einen der Großen im harten Rockgeschäft. Bei Osbourne entwickelte Rhoads sein einzigartiges Spiel, in dem er Metal und Klassik verwob, bald schon zählte er zu den angesagtesten Saitenzauberern der Szene. 1981 wurde er vom Fachmagazin „Guitar Player“ als bestes neues Talent ausgezeichnet. Er war jetzt ein Rockstar – wenn auch kein gewöhnlicher: Statt sich mit den Drogen, dem Sex und den sonstigen Insignien des Popruhms zu vergnügen, suchte Rhoads sogar in fremden Städten, wo die Band gastierte, ortsansässige Lehrer auf, um Neues zu lernen. Zudem, so ist verbürgt, wollte er in Europa Klassische Gitarre studieren.

Der 19. März 1982 beendete diese Träume jäh. Wie nach dem Unfall be­­kannt wurde, hatte Pilot Aycock zwar über einen Flugschein verfügt, das Papier war jedoch ungültig, da ein notwendiger Gesundheitsnachweis nicht rechtzeitig verlängert worden war. Überdies ergab die Obduktion seiner Leiche, dass er zum Todeszeitpunkt unter massivem Kokain-Einfluss ge­­stan­­den hatte. In Rhoads’ Körper hingegen konnte lediglich Nikotin nachgewiesen werden. Sein Leichnam war nur noch anhand des Gebisses und seines persönlichen Schmucks zu identifizieren. Sharon Osbourne erinnerte sich in ihrer Autobiografie: „Es hatte sie alle zerrissen, überall lagen Körperteile herum.“

Bis zum Abschluss der amtlichen Untersuchungen zwei Tage später mussten Band und Crew noch in Leesburg verbleiben. Osbourne ging anschließend nach Los Angeles und fiel, wie er später zu Protokoll gab, in eine tiefe Depression: „Randy war mein verdammtes Leben, mein Blut, meine Energie. Diese Trauer werde ich immer mit mir herumtragen. Es wiegt schwer, wenn jemand gegangen ist, den man liebt. God bless Randy Rhoads!