Rock-Mythen: Randy Rhoads – Ozzys Knappe

Vor 35 Jahren, am 19. März 1982, verlor die Rockwelt eines ihrer wohl größten Talente: Bei einer Spritztour mit einem Sportflugzeug verunglückte Randy Rhoads tödlich – der Gitarrist galt als Wunderkind der Szene und war gerade mit Ozzy Osbourne auf US-Tournee. Protokoll eines viel zu kurzen Lebens und seines unfassbar tragischen Endes.

Es war ein böses Erwachen: Eben noch hatte Ozzy Os­­bour­­ne (33) friedlich in der Ko­­je seines Tourbusses gelegen und geschlafen. Plötzlich, es war etwa zehn Uhr am Morgen, hatte es einen fürchterlichen Schlag gegeben, und das riesige Gefährt hatte bedenklich geschaukelt. Sekunden später, der Sänger kam gerade erst zu sich, war ein infernalischer Lärm gefolgt. Dann Stille. Im ersten Moment hatten Os­­bourne und seine Verlobte Sharon Ar­­den (29) vermutet, dass der Bus in einen Unfall geraten war. Aber der Fahrersitz war leer, der Motor aus, und der Bus stand, wie Osbourne feststellte, auf einem Parkplatz.

Zunächst wusste niemand, was überhaupt geschehen war. Ob Os­­bourne die schreckliche Wahrheit wenig später selbst entdeckte oder ob er sie von Don Airey (33), dem Keyboarder seiner Band, der die Katastrophe mit eigenen Augen gesehen hatte, er­­­fuhr, ist nicht überliefert. Was indes alle sehen konnten: Ein Haus auf dem parkähnlichen Anwesen brannte lichterloh, und in den Trümmern waren die Reste eines Sportflugzeugs auszumachen. Woher es gekommen war und wer darin gesessen hatte, war zu­­nächst noch unklar.

Am Abend zuvor noch, es war am Donnerstag, dem 18. März 1982 gewesen, hatte die Osbourne-Band im Knoxville Civic Coliseum gastiert. Anschließend war der Tross aufgebrochen, um rechtzeitig in Orlando, Florida, anzukommen, wo tags darauf die 46. Show der „Diary Of A Madman“-US-Tournee steigen sollte. Kurz vor Orlando, nach einer nächtlichen Fahrt über mehr als 600 Meilen, hatte Fahrer Andrew Aycock (36) in seiner Heimatstadt Leesburg angehalten, um den dortigen Flying Baron Airport anzusteuern, einen privaten Flugplatz in Besitz des Countrysängers Jerry Calhoun. Aycock, der dort gelegentlich jobbte, wollte in der Werkstatt ein defektes Teil der Busklimaanlage austauschen lassen.

Die Wartezeit nutzte er, um ein paar Runden mit einem der auf dem dortigen Flugplatz herumstehenden Sportflugzeuge zu drehen. Ohne sich eine Erlaubnis einzuholen, kletterte Hobbypilot Aycock in eine Beechcraft Bo­­nanza, Baujahr 1955 (derselbe Flugzeugtyp, in dem auch Buddy Holly 23 Jahre zuvor gestorben war). Mit an Bord gingen Airey und Tourmanager Jake Duncan. Nach einigen Minuten landete Aycock die kleine Maschine wieder sicher auf dem Anwesen. An­­schließend nahm er Rachel Young­blood, die 58-jährige Hair-Stylistin der Band, und den 25-jährigen Gitarristen Randy Rhoads mit zu einer weiteren Spritztour. Rhoads musste dazu seine notorische Flugangst überwinden.

Wie die späteren Ermittlungen ergaben, hatte Aycock offenbar die noch im Tourbus schlafenden Bandmitglieder wecken wollen, weshalb er ein paar Mal im Tiefflug so knapp wie möglich über den parkenden Nightliner hinweg geflogen war. Dreimal hatte er es bereits getan, beim vierten Versuch allerdings verschätzte er sich und streifte mit seiner Maschine das Dach des Busses. Daraufhin brach der Flügel ab, das Flugzeug geriet außer Kon­trolle und krachte in eine Garage, die an ein nahestehendes Haus an­­grenzte. Alle drei Insassen waren auf der Stelle tot.